
- Sonnenenergie - Ludger Gausepohl
Die erneuerbaren Energien, dezentral und ortsnah, bieten neben Sicherung der Energie auch die Möglichkeit, Strom und Wärme, statt aus der Hand von alles bestimmenden Großkonzernen, unter die Kontrolle von Bürgern, Kleinunternehmen und Gemeinden zu bekommen.
Windräder auf dem Acker, Solarzellen auf dem Dach
Da erneuerbare Energien großenteils dezentral eingesetzt werden und in vergleichsweise kleinen Einheiten errichtet werden können, wird es möglich, dass einzelne Bürger, kleinere Firmen oder Gemeinden selbst zu Energieerzeugern werden und damit dem Monopol von großen Energieproduzenten entgegen treten. In Deutschland erzeugen oder verkaufen vier große Unternehmen den überwiegenden Anteil an Strom, Wärme und Gas: EON, RWE, EnWB und Vattenfall. Diese erzeugen den Strom überwiegend in Großkraftwerken (unter anderem auch in Atomkraftwerken) und diktieren damit die Energiepreise. Darüber hinaus können sie ganze Gemeinden unter Druck setzen, da diese von ihnen abhängig sind. In Frankreich liegt das Monopol sogar bei einem Unternehmen, dem ehemaligen Staatsbetrieb EDF. - Dass es auch anders geht, zeigen eine Reihe von Beispielen von Initiativen von unten, die auf dezentrale Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen setzen.
Beispiel Schönau
Nach dem Schock von Tschernobyl kamen Bürger des idyllischen Schwarzwaldstädtchens Schönau in Bewegung und versuchten etwas für eine atomfreie Energiewende zu tun. Nach längeren Auseinandersetzungen mit dem Stadtrat von Schönau und einem erfolgreichen Bürgerentscheid konnte die Bürgerinitiative Netzkauf das lokale Stromnetz kaufen und die Elektrizitätswerke Schönau e.G mit heute etwa 800 Anteilseignern gründen. Nachdem sie zunächst nur die regionalen Abnehmer versorgten, gelang es der Genossenschaft nach der Liberalisierung des Strommarktes auch bundesweit Kunden anzuwerben und diese mit zertifiziertem atomfreien Strom zu versorgen. Energiequellen sind Wasserkraft, Solarenergie und Gas-Kraft-Wärme-Anlagen. Wichtiger Bestandteil ihres Angebots ist auch die Energieeinsparung.
Beispiel Morbach
Ein brachliegendes ehemaliges Militärgelände veranlasste die Gemeinde Morbach im Hunsrück, dieses Gelände für die kombinierte Gewinnung von erneuerbaren Energien zu nutzen. Zahlreiche Windräder sowie eine Photovoltaikanlage und eine Biogaswerk sorgen so für mehr Strom und Energie, als die Gemeinde selbst verbrauchen kann. Zusätzlich wurde jetzt ein Forschungsprojekt von zwei Firmen und wissenschaftlichen Instituten in Betrieb genommen, dass mit Solarstrom aus Wasser Wasserstoff erzeugt. Dieser reagiert mit Kohlendioxid (zum Beispiel aus der Verbrennung von Gas) zu Methangas. Das Gas kann nun ins überregionale Gasnetz eingespeichert werden und dient so als Energiespeicher. Bei bedarf kann über Gas-Kraft-Wärme-Anlagen wieder Strom erzeugt werden.
Genossenschaft Energie aus Bürgerhand
Die Stromrebellen in Schönau gaben sich mit der Eroberung der eigenen Energieerzeugung nicht zufrieden, sondern iniziierten eine Bewegung, die sich dafür einsetzt, dass auch woanders die Weichenstellung für bürgernahe und umweltfreundliche Energieerzeugung gelingen kann.
So versuchten sie, beim Energieproduzenten Thüga AG einzusteigen. Die kommunalen Mehrheits-Anteilseigner sperrten sich aber dagegen. Offensichtlich hielten sie nicht allzu viel von mehr Bürgerbeteiligung. Jetzt versucht die inzwischen bundesweite Genossenschaft Energie aus Bürgerhand e.G. andernorts mit zu mischen und die Energiegroßkonzerne aus Stadtwerken heraus zu drängen. So ist eine Beteiligung an den Stadtwerken Jena-Pößnek geplant und es wurden auch Verhandlungen mit anderen Unternehmen und Gemeinden aufgenommen. Ziele der Genossenschaft sind
- "die Demokratisierung der Energiewirtschaft
- Dezentralisierung der Energieerzeugung
- Ausstieg aus der Atomenergie
- Förderung klimafreundlicher Stromerzeugung
- Ausbau der erneuerbaren Energielandschaft
- Förderung der Energieeinsparung und Energieeffizienz
- Ehrliche Preise und klare Strukturen
- Bürger vor Ort an Energiefragen stärker beteiligen"
Die erneuerbaren Energien ermöglichen kleinräumigere Planung und kleinere Investitionssummen und machen so mehr Bürgereinfluss möglich. Allerdings versuchen die Energieriesen, dem kräftig entgegen zu arbeiten und so liegt deren Schwerpunkt eher auf Großanlagen, wie den Offshore-Windparks oder dem Projekt Desertec in Nordafrika. Es wird wohl noch viel bürgerschaftliches Engagement nötig sein, um hier gegen zu steuern. Der erste und wichtigste Schritt hierzu wäre es, den Stromanbieter zu wechseln.
