Die gute alte Glühlampe konnte nach Beendigung der Lebenszeit problemlos in den Hausmüll gegeben werden und machte auch beim Zerbrechen nicht mehr Aufwand und Probleme wie beispielsweise ein auf den Boden fallendes Trinkglas. Bei Energiesparlampen sieht es jedoch ganz anders aus. Diese enthalten nämlich das hochgiftige Quecksilber, eine Substanz, deren gesundheitsschädigende Wirkung schon seit Jahrhunderten bekannt ist. So beschrieb schon der Naturforscher und Arzt Georgius Agricola um 1500 die Symptome der „Quecksilberkrankheit“ bei Minenarbeitern im Harz, und auch die berühmten Quecksilbergruben von Almaden in Spanien, aus denen schon seit dem Altertum geschürft wurden, standen im Ruf, die Gesundheit der Grubenarbeiter zu schädigen. Quecksilber gilt als eines der stärksten Zellgifte. Die Symptome, die nach einer Quecksilberbelastung auftreten können sind sehr vielfältig und unspezifisch und können erst viele Jahre später nach Kontakt mit der Substanz auftreten.

Empfohlene Schutzmaßnahmen des Umweltgesundheitsamtes bei zerbrochenen Energiesparlampen

Das Umweltbundesamt gibt im Falle des Zerbrechens einer Energiesparlampe ausführliche Verhaltensmaßregeln, die, mit ironischen Augen betrachtet, fast an Schutzmaßnahmen im Katastrophenschutz ähneln:

Falls eine Energiesparlampe zerbricht, kann Quecksilber in die Raumluft gelangen. Da der Quecksilbergehalt der Raumluft direkt nach dem Zerbrechen der Energiesparlampe am höchsten ist, sollten Sie bei Lampenbruch sofort die Fenster zum Lüften öffnen. Alle Personen und Haustiere verlassen anschließend für ca. 15 Minuten den Raum. Heizung und Klimaanlage schalten Sie am besten ab. Dadurch reduziert sich die Luftbelastung erheblich. Alle weiteren Reinigungs- und Aufräumarbeiten führen Sie auch mit offenem Fenster durch, damit der Quecksilbergehalt in der Luft weiter sinkt.

Wie beseitige ich die zerbrochene Lampe richtig?

  • Vor dem Reinigen den Raum 15 Minuten lüften und den Raum verlassen! Heizung und Klimaanlage abschalten!
  • Während des Reinigens das Fenster weiter offen lassen.
  • Für die erste Reinigung keinen Besen, Handfeger oder Staubsauger verwenden! Der Staubsauger wirbelt das Quecksilber wieder in die Raumluft. Das können Sie vermeiden, indem Sie die Glassplitter mit Karton oder steifem Papier zusammenzukehren.
  • Tragen Sie Gummihandschuhe! So schützen Sie Ihre Hände vor scharfen Glassplittern und vor dem Kontakt mit Quecksilber.
  • Vorsichtig die größeren Stücke in ein luftdicht verschließbares Gefäß geben (z.B. ein leeres Konservenglas oder ein Einmachglas). Kleinere Glassplitter mit Karton oder steifem Papier zusammenkehren. Auf glatten Böden, zum Beispiel Laminat oder Parkett, wischen Sie den Staub und die restliche Glassplitter mit feuchten Papiertüchern auf und stecken sie in das Gefäß.
  • Splitter und Stäube, die auf Teppichen, Decken oder Polstern liegen, nehmen Sie mit einem Klebeband auf und geben diese ebenfalls in das Gefäß. Diese Abfälle geben Sie bei der örtlichen Sammelstelle ab – nicht in den Hausmüll! Bis zur Entsorgung sicher aufbewahren.
  • Alle Reinigungsutensilien und die Gummihandschuhe können Sie mit dem Hausmüll außerhalb des Hauses entsorgen.
  • Im Anschluss an alle Reinigungsmaßnahmen lüften Sie noch einige Zeit. Danach die Hände gründlich waschen.
Was ist zu tun, wenn die Energiesparlampe auf einem Teppich zerbrochen ist?

  • Wischen Sie den Teppich nicht mit feuchten Tüchern ab, sondern verwenden Sie nach dem Aufsammeln der größeren Bruchstücke Klebeband zur Aufnahme der kleinen Splitter und Stäube.
  • Erst nach dieser Grobreinigung kann der Staubsauger eingesetzt werden. Wichtig: Während des Saugens und danach gut lüften. Staubsaugerbeutel und Feinstaubfilter entsorgen Sie in der Restmülltonne außerhalb des Hauses.
  • Wenn Sie den Staubsauger beim nächsten Mal einsetzen, lüften Sie den Raum wieder ausgiebig.
  • Hand- oder Tischstaubsauger eignen sich nicht für die Reinigung.
Wie sollte mit Quecksilber verschmutzte Kleidung gereinigt werden?

  • Kleidungsstücke, Decken und Stoffe, die durch Glassplitter oder quecksilberhaltiges Pulver verschmutzt wurden, sollten Sie je nach Verschmutzungsgrad entweder entsorgen oder zunächst oberflächlich zum Beispiel mit Klebeband reinigen und dann in der Waschmaschine waschen.
  • Schuhe, die in direkten Kontakt mit den Glassplittern oder dem quecksilberhaltigen Pulver gekommen sind, sollten Sie mit feuchten Papiertüchern abwischen.
  • Alle Papiertücher und das Klebeband stecken Sie zur Entsorgung in das Glasgefäß.
Quelle: Umweltbundesamt

Grenzwerte für Quecksilber in Energiesparlampen werden bei Billigprodukten oft überschritten

Höchstens fünf Milligramm Quecksilber dürfen in einer Energiesparlampe enthalten sein, doch nicht wenige Fachleute sind sich einig, dass dieser Grenzwert häufig überschritten wird, vor allem bei Billigprodukten, die aus China stammen. Wenn auch flüssiges Quecksilber bei Freisetzung nur in ganz geringem Maße verdampft, so reicht diese Menge doch aus, um Erkrankungen auszulösen, vor allem, wenn der Stoff über längere Zeit über die Atemluft aufgenommen wird. Nicht umsonst wurden in den letzten Jahren zahlreiche Geräte und Vorrichtungen vom Markt genommen, die Quecksilber beinhalteten, beziehungsweise die Substanz wurde durch eine harmlosere Alternative ausgetauscht. Warum dies jedoch bei der Energiesparlampe ohne weiteres toleriert wird, bleibt schleierhaft.

Energiesparlampen ohne Quecksilber - "3rdPPBulb"

Bisher sind auch noch keine Energiesparlampen ohne Quecksilber erhältlich. Zumindest haben einige Hersteller geschafft, den Gehalt auf drei Milligramm pro Lampe zu verringern. In manchen soll das Quecksilber an Amalgam gebunden sein und kann bei Zerbrechen somit nicht verdampfen. Sollte die Lampe jedoch in angeschaltetem Zustand platzen, was zwar recht selten, aber nicht ganz auszuschließen ist, hilft die Bindung durch Amalgan nicht weiter, so der Naturschutzbund Deutschland und empfiehlt alle Türen zum Zimmer zu schließen, die Fenster zu öffnen und den Raum für mindestens fünfzehn Minuten verlassen. Am sichersten sollen Lampen mit Silikonummantelung sein, die angeblich gar nicht erst zerbrechen können.

Zur Zeit wird von Forschern am Lichttechnischen Institut (LTI) des Karlsruher Instituts für Technologie und der FH Aachen an einer quecksilberfreien Energiesparlampe gearbeitet. Für das„3rdPPBulb“ genannte Leuchtmittel wurde in langen Versuchsreihen eine Kombination von metallhaltigen Verbindungen gefunden, die das Quecksilber ersetzen kann. „Die Ersetzung erfolgt Schritt für Schritt“, erklärt Celal Mohan Ögün, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am LTI. Bis Ende 2012/Anfang 2013 soll die „3rdPPBulb“ völlig quecksilberfrei sein und könnte in neun bis zwölf Monaten im Handel erhältlich sein.

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