Engel - die Söhne Gottes

Ein mächtiger himmlischer Bote - Dreamstime.com
Ein mächtiger himmlischer Bote - Dreamstime.com
Waren Engel in den Tagen, als die Menschen noch mehr auf ihre Intuition hörten, besser sichtbar als heute?

William Blake (1757-1827), der bekannte englische Schriftsteller, sah Engel in den Bäumen. Nach diesem grandiosen Erlebnis konnte er nicht aufhören, Engel zu malen und ihnen zu Ehren ekstatische Lyrik zu verfassen. Und Joseph Smith, der Begründer der Mormonenbewegung, begegnete dem Engel Moroni. Engel – gibt es sie? Warum sonst spricht man von Schutzengeln und weiß sie um sich, wenn es gefährlich wird im Leben. Aber auch vom Engel des Todes wird gesprochen. Natürlich glauben nicht alle, dass es Engel gibt. Manch einer fragt sich, weshalb sie sich nur bestimmten Menschen bemerkbar machen. Andere wiederum behaupten, sie kämen zu allen Menschen. Stellt sich die Frage: Wer erkennt sie, wenn sie kommen?

Engel (griechisch ángelos – Bote) sind Diener Gottes. Sie sind als Mittler zwischen Himmel und Erde unterwegs und stellen die höchste Stufe der Schöpfung in personaler Gestalt dar. Sie werden als nicht vollkommen körperlos angesehen, sondern als Gestalten mit einem Körper aus Licht oder Äther. Unter sich können die Engel eine hierarchische Ordnung bilden, an deren Spitze oft Erzengel stehen. Als gefallene Engel, wie etwa Luzifer, gelten häufig die widergöttlichen Mächte der Dämonen. Religionsgeschichtlich findet sich die Engelvorstellung vor allem in monotheistischen Religionen.

Engel gibt es seit Anbeginn der Zeit

Wenn man der Geschichtsschreibung folgt, das heißt zu ihren Anfängen zurückgeht, findet man in künstlerischen Darstellungen und Bilderschriften Hinweise auf Engel. In Ur, der Stadt im Euphrat-Tal und 4.000 vor Christus gegründet, fanden Archäologen eine Stele mit der Abbildung einer geflügelten Gestalt. Sie steigt aus einem der sieben Himmel des sumerischen Glaubenssystems herab, um aus einem Gefäß das Wasser des Lebens in den Trinkbecher des Königs zu gießen. Forscher halten diese Abbildung für die früheste bekannte Engeldarstellung.

Aber es gibt noch andere Vorläufer. Etwa den riesigen geflügelten Greifen Mesopotamiens. Oder auf einem ägyptischen Grabgemälde, das eine geflügelte Isis zeigt, die ihre Anbeter in die Ruhe ihrer Flügel hüllt. Ist sie der Todesengel? Im alten Griechenland leisteten Iris, der Regenbogen des Zeus, und Hermes, der Götterbote, Engelsdienste. Sie alle überbrachten Botschaften und halfen den Menschen. Die Vorstellung von Engeln findet sich in der gesamten zivilisierten Welt des Altertums und erstreckt sich bis Italien. Dort wurde Jahrhunderte später die geflügelte griechische Siegesgöttin Nike als Vorlage für die Engel der Renaissance genommen. Seit dieser Zeit hat sich in der Engeldarstellung nichts wesentliches mehr geändert.

Die vielen Bezeichnungen der Engel

Das in der jüdisch-christlichen Kultur gebräuchliche Wort Engel verweist, wie erwähnt, auf ihre Tätigkeiten als Boten. Andere Bezeichnungen für Engel beziehen sich auf ihr Wesen. So werden sie "Söhne Gottes“ genannt, denn die ersten in der Bibel erwähnten Engel waren Männer und gingen eine gewisse Wegstrecke lang, wie ein Führer oder Schutzgeist, neben dem Bedürftigen her. Die Genesis verweist in dem Zusammenhang auf Abraham, als drei männliche Gestalten zu ihm kamen, als er bei der Terebinthe Mamres vor seinem Zelt saß. Nachdem er die drei bewirtet hatte, offenbarte Gott durch einen von ihnen, dass Abrahams betagte Frau Sara einen Sohn gebären werde, dessen Nachkommen ein großes Volk bilden würden.

Engel werden weiter als "Götter“ bezeichnet, als "Beauftragte“, "Diener“, "Wächter“ oder schlicht "die Heiligen“. Sie stellen einen himmlischen Hofstaat dar, besser bekannt unter dem Begriff "himmliche Heerscharen“, "Cherubim“ und "Seraphim“. Cherubim (ein Pluralwort) bedeutet "Fülle des göttlichen Wissens“ und ist assyrischer Herkunft. In der assyrischen Kunst werden die Cherubim als geflügelte Geschöpfe mit Menschen- oder Löwengesichtern und Adler- oder Stier/Phinx- Leibern dargestellt. Im Mittelalter dann wurden die Cherubim häufig als von blauer Farbe oder blau bekleidet beschrieben. Die Farbe gilt als das Merkmal der Besitzer und Spender von Weisheit. Im Lauf der Zeit wurden aus Cherubim Kleinkinder oder putti – eine der römischen Tradition entnommene Vorstellung.

Wer kann schon sagen, ob sich die Engelvorstellungen in den verschiedenen Kulturen unabhängig entwickelt haben oder welche Ideen einander befruchteten? Weise Männer, Kaufleute, Söldner, Nomaden, Zigeuner und Flüchtlinge wanderten jahrtausendelang ruhelos durch ganz Asien, von Byzanz bis Cathay, eine alte Bezeichnung für das heutige China. Ihre Ideen von den himmlichen Wesen waren nicht fest verwurzelt. Es finden sich Engelvorstellungen in arischen, mithraistischen, maniäischen und zoroastrischen Mythen. Sie wurden im Lauf der Jahrhunderte ins persische, jüdische, christliche und islamische Denken übernommen. Bis auf den heutigen Tag haben diese Mittler zwischen den Welten Einfluss auf die Menschen, die an sie glauben und schenken ihnen immer dann Geborgenheit, wenn es einmal eng wird im Leben.

Quellennachweis: Sophy Burnham: Engel. Orbis Verlag

Annelore Poljasevic, Annelore Poljasevic

Annelore Poljasevic - Ich bin 1952 im mittelalterlichen Rothenburg ob der Tauber geboren und habe (weil es sich so ergeben hat) den nüchternen Beruf der ...

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