Englisches Theater in Berlin – Ten minute plays

Zum 20jährigen Jubiläum feierte das „English Theatre Berlin" mit den besten fünf 10-Minuten-Auftritten zum Thema „English in daily German life".

Ten-Minute plays erfreuen sich im englischsprachigen Raum einer immer größeren Beliebtheit. Jetzt ziehen sie auch erfolgreich in Deutschland ein. In einem Wettbewerb wurden die fünf besten Stücke ausgewählt. Die Teilnahmebedingung für alle Stücke, die zum Wettbewerb „Englisch im deutschen Alltag“ zugelassen wurden: Ihre Autoren mussten in einem englischsprachigen Raum und in Deutschland gelebt haben. Die fünf besten Stücke „Horray for Hollywood“, Ten Minutes with Günther“, In other Words“, „The Exam“ und „Bombay an der Spree“ spielen mit den interlingualen Verwechslungen und Missverständnissen. Die Stücke in ihrer kompakten Form machen Lust auf mehr. Wer die Aufführungen vom 15.Juni-19.Juni in der Fidicin-Str. verpasst hat, kann sich auf den nächsten Wettbewerb freuen, denn auch im Folgejahr plant Günther Grosser, der künstlerische Leiter des English Theatre Berlin, die Ten-Minute Plays fortzusetzen. Auf das neue Thema können wir jetzt schon gespannt sein.

Hooray for Hollywood - Der Aufbruch nach Hollywood

Im ersten Stück von Rich Rubin, belauscht das Publikum eine Gruppe von Freunden in einem Café. Einer der Männer bereitet sich auf seine Reise nach Amerika vor. Er lehnt es ab Deutsch zu sprechen. In perfektem Englisch – gesprochen oder gesungen, reagiert er auf alle Fragen und Wörter, die er aufschnappt. Nach und nach wird klar, dass der junge Mann gar nicht wirklich weiß, was er eigentlich sagt. Er zitiert Filme und Songs. Ein Teil des Publikums rät fasziniert, welche Filme hier auf die Bühne gebracht werden. Spannend ist allerdings auch die Überlegung, wie wir eigentlich am besten eine neue Sprache lernen. Welchen Einfluss haben beispielsweise Medien auf unsere Sprache? Kann man wirklich mit „Filmzitaten“ über die Runden kommen, ohne sich mit Grammatik und Rechtschreibung zu quälen?

Ten Minutes with Günther - Unsinnige politische Reden

Hier tritt der ehemalige „Ministerpräsident Oettinger“ auf die Bühne. In Oettinger-Englisch plädiert er dafür, dass die englische Sprache unbedingt zur Kommunikationsgrundlage werden müsse. Es versteht sich, dass er dabei kaum zu verstehen ist. Die Journalisten empören sich. Sie wollen eine Stellungnahme und argumentieren, dass es zu einer totalen Verwirrung führen werde, wenn jeder versucht Englisch zu sprechen, speziell diejenigen, deren Englisch schlicht und ergreifend unverständlich sei. „Oettinger“ lehnt die Beantwortung der Fragen, die zuerst auf Deutsch gestellt werden jedoch konsequent ab, so dass eine Journalistin das gleiche nochmals nachdrücklich auf Englisch wiederholt. Die Antwort bleibt trotzdem aus. Nachdem „Oettinger“ wiederholt diese englische Journalistin auffordert die Frage in Englisch zu stellen, schwenkt er schnell zum Thema „Energiesparen“ um. „Ten Minutes with Günther“ von Sonny Hayes ist ein sehr amüsantes, zeitkritisches Stück, das die Sprachbarrieren auf höchster politischer Ebene deutlich aufzeigt.

In Other Words - Verständnisschwierigkeiten in einer deutsch-englischen Beziehung

Die 10-Minutes Play von Joshua Crone beschäftigt sich auf eine etwas ernstere Ebene mit Sprachbarrieren. Ein deutsch- englischsprachiges Paar durchlebt eine Beziehungskriese. Das junge Mädchen gesteht streitet mit ihrem Freund, weil dieser kein Kind haben möchte. Tatsächlich ist sie jedoch bereits schwanger. Sehr interessant ist hier die Verdoppelung. Das Pärchen wird von einer englischen und einer deutschen Stimme wiedergespiegelt. Die verschiedenen Stimmen, die auf der gleichen Ebene agieren, spiegeln den Gefühlswirrwarr der Charaktere wieder. Nach dem ersten Schock, freut sich jedoch auch der junge Vater auf sein Kind. Das zweite Paar jedoch, trennt sich, da sie ja darüber gesprochen haben. Der Mann bleibt allein zurück. In einem Interview mit dem Tagesspiegel, scherzte der Autor Crone: „Ich dachte ich erhöhe meine Chancen, wenn ich etwas Ernstes schreibe.“

The Exam - Zukunftsszenario Prenzlauer Berg

„The Exam“ von Joshua S. Horowitz entwirft ein spannendes Zukunftsszenario. Der Bezirk „Prenzlauer Berg“ ist in dieser Vision nicht mehr frei zugänglich. Mit Hilfe von Auswahlverfahren, wird festgestellt, ob ein bestimmter Mensch in diesen gefragten Teil von Berlin eine Wohnung beziehen darf oder nicht. Eine Voraussetzung ist dabei das „richtige Englisch“ zu sprechen. Ein Deutscher scheitert, obwohl er alle Fragen in korrektem Englisch beantworten kann. Er scheitert an einzelnen Wörtern, die nicht im „Prenzlauer Trend“ liegen. Er spricht beispielsweise von „Pubs“ anstelle von einer „Lounge“. Mit viel Fingerspitzengefühl wird hier ein Phänomen der Sprache amüsant und schwungvoll auf die Bühne gebracht: Sprache kann vereinen und auf der anderen Seite kann sie ausgrenzen, selbst wenn man grammatikalisch eigentlich alles beherrscht. Jede Gruppe der Gesellschaft spricht ihren bestimmten Soziolekt, und dieser entscheidet oftmals auch ob man dazu gehört oder ob man ausgegrenzt wird. Der Kontrast zwischen dem lässigen „Insider“ und dem etwas „steifen Antragsteller“ ist bei „The Exam“ besonders gut gelungen.

Bombay an der Spree - Sprachbarrieren im Indischen Restaurant

Der letzte der 5 Gewinner ist der Autor Kevin McAleer mit seinem Stück „Bombay an der Spree“. Drei Kulturen treffen hier aufeinander. Der Schauplatz ist ein indisches Restaurant. Nachdem der Kellner die Tische hergerichtet hat, betritt der erste Gast, ein Amerikanischer Tourist, das Restaurant. Der Tourist gibt seine Bestellung auf und lässt seinen Blick schweifen. In der Zwischenzeit gesellen sich zwei junge „hippe“ Deutsche dazu. Abwechselnd wird der Dialog der coolen Jugendlichen mit dem nach und nach eskalierendem Gespräch zwischen Kellner und Tourist vorgeführt. Die ersten reichern dabei ihren Deutschen Dialog mit so vielen Englischen Begriffen an, dass man ihnen als Muttersprachler kaum noch folgen kann. Das Gespräch zwischen dem Amerikaner und dem indischen Wärter ist dafür umso verständlicher. Aufgrund der Aussprache und unbekannter Vokabeln kommen große Missverständnisse auf, so dass der Amerikaner schließlich ohne Essen aus dem Restaurant geschmissen wird. Auf den Versuch des Amerikaners herauszufinden, ob die Indische Sprache eine Phonetische (phonetic language) sei, platzt dem armen Kellner der Kragen: „No sir, it is not fanatic!“ (Nein, Herr. Unsere Sprache ist nicht fanatisch!)

Silvia Eggler, Silvia Eggler

Silvia Eggler - Beruferfahrung: Freiberufliche Autorin und Dozentin Hein-Moeller Berufschule Elektrotechnik, Berlin Vertretungslehrerin ...

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