Entlehnungsgründe für Anglizismen im Deutschen

Fünf verschiedene Motive für englische Begriffe im Deutschen

Die Integration vieler englischer Lehnwörter gibt Anlass, nach den Ursachen für die Entlehnung in die deutsche Sprache zu suchen.

So stellt sich besonders aufgrund der Vielzahl der Anglizismen in der deutschen Sprache, natürlich auch die Frage, wo die Gründe dafür liegen. Dabei stechen fünf Motive besonders deutlich hervor, die auch für die Lehnbeziehungen entlehnter Wörter bedeutend sind.

Die außersprachlichen Motive für Entlehnungen

Bei den außersprachlichen Ursachen finden sich viele verschiedene Anhaltspunkte, die vor allem mit gesellschaftspolitischen Tendenzen und Strömungen verknüpft sind. Allen voran muss man dabei auch den Englischunterricht an Schulen nennen, durch den Kinder und Teenager im regelmäßigen Kontakt mit der englischen Sprache stehen. Einher mit der schulischen Entwicklung geht auch die Verwendung englischer Fachtexte an Universitäten, besonders in medizinischen und technischen Bereichen.

Grundsätzlich lässt sich auch eine Abhängigkeit vom Englischen in den deutschen Medien (Zeitung, Internet, Fernsehen, Radio) ausmachen. Oft werden diese durch englischsprachige Medienagenturen gespeist. Durch einen punktuellen Übersetzungsverzicht im Journalismus wird dieser Trend zunehmend durch die Medien gefördert.

Einen wesentlichen Aspekt stellt natürlich auch die Globalisierung dar. Unter diesem Gesichtspunkt finden sich wirtschaftliche, politische und kulturelle Internationalisierungstendenzen, die zusammen durch die atlantische und europäische Integrationspolitik begünstigt werden und damit maßgebend den englischen Sprachgebrauch fördern.

Markant wirkt auf das Deutsche besonders auch die Imitation des Englischen, sei es aus wirtschaftlichen Werbezwecken oder aber auch zu kulturellen und sozialen Prestigegründen.

Der Vorteil der Kürze englischer Lehnwörter

Viele der englischen Lehnwörter haben den sprachökonomischen Vorteil der Kürze, etwa kurze Hose > Shorts oder Verehrer > Fan. Häufig sind die Lehnwörter dabei einsilbig (wie fit, Snob, Sex, Boy, Box). Durch die Einsilbigkeit ergibt sich zudem ein formaler Mehrwert der Sprache, was bedeutet, dass sich der Wortschatz stetig durch neue mehrsilbige Ableitungen und Zusammensetzungen weiterentwickelt.

Die innersprachlichen Motive

Bei den innersprachlichen Motiven ist auch die semantische Integration des englischen Lehnworts von entscheidender Bedeutung. Denn englische Wörter können ursprünglich innersprachlich motivierte Wörter, deren Bedeutungen veraltet oder irreführend sind, durch unmotivierte ersetzen: beispielsweise Steckenpferd durch Hobby oder Backfisch durch Teenager.

Die stilistischen Motive für Anglizismen

Auch stilistische Motive finden sich bei englischen Lehnwörtern im Deutschen wieder. Dabei treten Euphemismen (Beschönigungen) und Vereinfachungen oftmals zusammen auf. So wird aus Geschlechtsverkehr, eine umständliche Zusammensetzung zweier Wörter, ein einsilbiges Sex. Des Weiteren eignen sich englische Lehnwörter als moderne Stilwörter, die mit alten Konventionen brechen und oftmals als Oxymoren verwendet werden: Christus-Fan, Richard-Wagner-Festival.

Das Differenzierungsmotiv

Einer der wichtigsten Ursachen für die Integration englischer Entlehnungen ins Deutsche stellt aber immer noch das Differenzierungsmotiv dar. Durch neue Erscheinungen im Bereich von Politik, Wirtschaft, Kultur und Technik steigt selbstverständlich auch immer der Bedarf an neuen semantischen Differenzierungen durch Begriffe. Beispielhaft hierfür stehen Baby, Jazz, Swing, Rock, Job, Laser.