Der Feng Shui Ratgeber von Karen Kingston entpuppt sich zu einem wahren Geheimtipp für „Aufräummuffel“. Seit der Erstauflage im Jahr 2000 wurden bereits mehr als 700.000 Exemplare verkauft. Im Vierteljahrestakt geht eine Neuauflage in den Druck. Höchste Zeit, den heimlichen Bestseller etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Was macht den Ratgeber so attraktiv – und gibt es auch leise Kritikpunkte?

Feng Shui: Richtig ausmisten, gerümpelfrei bleiben

Karen Kingston hat es sich zur Aufgabe gemacht, dem Leser das lästige Aufräumen und vor allem Entrümpeln schmackhaft zu machen. Hierbei geht sie schrittweise vor. Die Autorin klärt uns über das Gerümpel im Allgemeinen auf: Was ist unter Gerümpel zu verstehen, wie werden wir davon beeinflusst und warum heben wir diese unnötige Last auf?

Das Ergebnis einer solchen Entrümpelungsaktion kann kurz und prägnant auf den Punkt gebracht werden: Mehr Energie und Freiräume für Neues! Ein durchaus lohnendes Ziel.

In dem nächstgrößeren Abschnitt nimmt sich die Autorin die unterschiedlichsten Gerümpelbereiche eines Wohnraumes vor. Dabei fegt sie mit dem imaginären Besen durch alle erdenklichen Lebensräume. Nichts bleibt verschont, alles wird beleuchtet und von unnötigem Ballast befreit.

Gegen Ende der Lektüre nimmt sie sich einen besonders wichtigen Lebensraum vor – den Sitz unserer Seele, unseren Körper. Inwieweit sich auch hier Gerümpel angesammelt hat, Sie werden staunen. Eine Darmreinigung mittels einer Fastenkur wird vorgeschlagen. Das Fegen, Putzen und Reinemachen nimmt sein Ende mit einer gründlichen geistigen Reinigung.

Die daoistische Feng Shui Lehre

Die Lektüre darf getrost zum Pflichtprogramm für Aufräummuffel gezählt werden. Das angestrebte Ziel – Freiräume für Neues zu schaffen – wird kaum verfehlt. Selbst wenn der ein oder andere angesprochene Punkt an den persönlichen Wertvorstellungen aneckt, so wird „der innere Schweinehund“ allemal unruhig. Ein verstohlener Blick in die hauseigene Rumpelkammer, und etwas später haben sich so manche Müllsäcke auf wundersame Weise vermehrt – auch wenn das Geschriebene noch so gegen den Strich geht.

Für Leser, die sich das Buch unter dem Gesichtspunkt „Feng Shui“ zulegen, könnte es eine leichte Enttäuschung geben. Das Ziel dieser daoistischen Philosophie-Lehre ist es, harmonische Lebensräume zu schaffen. Die Autorin kommt zwar auf das Feng Shui-Bagua (ein Raster, das in neun Lebensfelder unterteilt ist) zu sprechen, jedoch wird diese Thematik nur grob angerissen. Kingston bleibt bei ihrem eigentlichem Ziel: dem Entrümpeln. Wer mit Hilfe des Feng Shuis seine Umgebung klären möchte, ist mit dem Ratgeber gut bedient, wer dieselbe ansprechend gestalten möchte, tut gut daran, einen weiteren Leitfaden zu Rate zu ziehen.

Die Autorin Karen Kingston

Die Autorin und Feng Shui-Lehrerin, Karen Kingston, ist in England geboren und aufgewachsen. Seit 1990 lebt sie mit ihrem balinesischem Ehemann in Bali, wo sie auch ein Feng Shui Hotel betreibt. Sie veranstaltet Workshops zum Thema „Feng Shui“ in vielen Ländern der Erde. 1989 prägte sie den Begriff „Space Clearing“ (die Kunst des Reinigens und des Weihens von Energien in Gebäuden), der 28 Jahre Pionierarbeit erforderte.

Karen Kingston: Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags. Rowohlt 2008. Taschenbuch, 144 Seiten. Euro 9,95

Eine weitere Rezension über die spezifischen Inhalte des Ratgebers von Andrea Lübke:

Den Alltag entrümpeln