
- Entscheidungsvermögen bei Azubis - Stefan Dassler
Stellen Sie sich folgende Situation vor: Auszubildender A: „Ich muss mich langsam entscheiden, wann und mit welchem Stoffgebiet ich anfange, für die Zwischenprüfung zu lernen.“ Auszubildender B: „ Ach, ich beginne erst zwei Wochen vorher mit dem Lernen, da die Zwischenprüfung nicht so wichtig ist.“
Zum Begriff Entscheidung
Das Wort Entscheidung kommt von „ent-scheiden“. Darunter verstand man in der Antike beispielsweise das Schwert aus der Scheide zuziehen, da man sich zwischen kämpfen beziehungsweise nicht kämpfen entschieden hat. Wenn es um Entscheidungen in der Ausbildung geht, dann ist die bewusste oder unbewusste Wahl zwischen mehreren Möglichkeiten gemeint. Diese Wahl kann spontan, gefühlsmäßig, zufällig oder vernunftmäßig erfolgen. Eine vernunftmäßige Entscheidung richtet sich nach vorher abgesteckten Zielen. Beispielsweise sollte man rechtzeitig und planend mit dem Lernen für die Zwischenprüfung beginnen, wenn man das Ziel hat, sie gut oder sehr gut zu absolvieren.
Entscheidungsschritte
Für vernunftmäßige Entscheidungen gibt es mehrere Entscheidungsschritte:
- Feststellen des Entscheidungsbedarfs (Zwischenprüfungstermin rückt immer näher)
- Analyse des Entscheidungsumfeldes (was erwartet der Betrieb, mein Ausbilder, meine Eltern, meine Kollegen, meine Freunde; welche Bedeutung hat die Zwischenprüfung für mich)
- Ermittlung der Entscheidungsmöglichkeiten (rechtzeitig, intensiv, geplant Lernen oder nur kurzfristig das Allerwichtigste lernen)
- Beurteilung der jeweiligen Folgen (rechtzeitiges Lernen heißt eine gute Chance auf ein ordentliches Ergebnis)
- Entscheidung für eine Möglichkeit
- Beobachtung des weiteren Verlaufs (bei rechtzeitigem Lernen ergibt sich eine gute Bewertung in der Prüfung, im Betrieb und beim Ausbilder sowie bessere Chancen auf eine gute Abschlussprüfung)
Erste Trainingsaufgabe
Beantworten Sie schriftlich folgende Fragen: Welche wichtigen Entscheidungen mussten Sie als Auszubildender bisher treffen? Erklären Sie anhand einer Entscheidung, die Sie vor kurzem treffen mussten, die sechs Entscheidungsschritte.
Zweite Trainingsaufgabe
Sie sind Auszubildender in einem Computerladen und haben es mit einer Kundenreklamation zu tun. Folgender Fall: Ein Seniorenehepaar kauft einen PC mit dem Betriebssystem Windows 7. Wenig später kommen sie in den Laden und reklamieren, dass ein gebrauchter Drucker, den sie von Bekannten bekamen, nicht mit dem PC funktioniert. Sie haben den Herrschaften vorher den PC verkauft und haben heute jedoch Berufsschule und sind nicht anwesend. Da der Drucker älter ist, ist er noch nicht mit dem Betriebssystem 7 kompatibel und funktioniert nicht. Einen aktuellen Treiber für den alten Drucker kann man sich auch nicht aus dem Internet herunterladen.
Beantworten Sie die folgenden Fragen: Für welchen Antwortweg entscheiden Sie sich (telefonisch, persönlich im Laden, Brief, E-Mail, Fax)? Welche Entscheidungsschritte vollziehen Sie dabei und nach welchen Kriterien entscheiden Sie? Notieren Sie sich Stichpunkte.
Nützliche Hilfestellungen zu den Trainingsaufgaben
- Überprüfen Sie immer erst, ob die Lösungsvorschläge für ein Problem auch realisierbar sind.
- Analysieren Sie, ob die Vorschläge auf objektive Daten oder auf subjektive Meinungen und Wertungen zurückgehen.
- Bei jeder Lösungsmöglichkeit kann eine Pro- und Contra-Gegenüberstellung erstellt werden. So stellt sich schnell die Alternative mit den meisten Pro-Argumenten heraus.
- Welcher Lösungsvorschlag nützt wem?
- Wie ist die Risikoeinschätzung bei den einzelnen Lösungsmöglichkeiten?
- Wenn mehrere Alternativen gleich zu bewerten sind, sollte man mindestens eine Nacht darüber schlafen und sich gegebenenfalls von einer erfahrenen Vertrauensperson beraten lassen.
Literaturhinweis:
Stefan Dassler: Schlüsselqualifikationen für Auszubildende. Übungen und Trainingsbeispiele. Igel Verlag 2009. 196 Seiten. Euro 19,90.
