
- Kind im Park - Marta Kudratova
Die heutige moderne Gesellschaft ist von zunehmendem Leistungsdruck geprägt. Schon die Kleinsten kriegen dies zu spüren. Einschulungstests, Zensuren und Kopfnoten sind zur Selbstverständlichkeit geworden. Aber auch in der Freizeitgestaltung zeichnet sich die Tendenz zur immanenten Effektivität ab: Eltern muten ihren Kindern oftmals zu viel zu. Drei Hobbys, wie z. B. Klavierunterricht, Fußball und die Mitgliedschaft in einer Pfadfindergruppe, scheinen zur Norm geworden zu sein. Gute Leistung in der Schule, Nachhilfe und das Pflegen sozialer Kontakte, meint Verabredungen, kommen zur Erwartungshaltung hinzu und der Tag ist schnell ausgefüllt.
Freizeitstress
Neben den beschriebenen Erwartungshaltungen der Eltern bekommen Kinder allerdings auch von Gleichaltrigen permanenten Druck zu spüren. Freizeitgestaltungen werden verglichen, ebenso wie Handys, MP3-Player und Klamotten – will man dazugehören, muss man mithalten. Es fängt bereits im Kindergarten an. Wenn die beste Freundin reitet, will das eigene Kind auch reiten. Alles wird „mal mitgemacht“, doch eine Fokussierung erweist sich als schwierig. Eltern freuen sich oft über das breit gefächerte Interesse ihrer Kinder, übersehen jedoch den damit verbundenen Stressfaktor. Entwicklungspsychologisch ist es zwar wichtig, dass Kinder es lernen sich auszuprobieren und ihre Stärken und Schwächen entdecken. Ebenso bedeutsam und unbedingt im selben Atemzug zu nennen ist jedoch auch das Erlernen Entscheidungen zu fällen. Wenn die Hobbys einfach „zu viel“ werden, sollte überlegt werden, welches gestrichen werden kann. Am besten geschieht dies in Zusammenarbeit mit dem Kind.
Wann endet die Freizeit und wann beginnt der Stress?
Eltern und Lehrer klagen zunehmend über mangelnde Konzentrationsfähigkeit bei Kindern. Es gibt eine ganze Palette an Übungen, die konzentrationsfördernd sind und sowohl im Unterricht, als auch im häuslichen Umfeld durchgeführt werden können. Dazu findet sich im Buchhandel eine Vielfalt an Ratgebern. Zu kurz kommt aber die Relevanz der Erholungsphasen, deren Mangel oft allein der Erwachsenenwelt zugeschrieben wird. Konzentrationsschwäche ist oft ein Zeichen für Überlastung, auch bei Kindern. Diese Überlastung rührt häufig nicht aus einer Quelle (z.B. schlechte Schulnoten), sondern aus mehreren zugleich. Jeder Mensch sollte Ruhephasen haben, in denen er bewusst eine Auszeit aus dem Alltag nimmt. Was für die Großen gilt, gilt auch für die Kleinen. Der oben beschriebene Freizeitstress führt nicht bloß zu einem überfüllten Terminkalender. Oftmals ist es Kindern unmöglich die vielen Eindrücke zu verarbeiten, was wiederum zu der beschrieben Konzentrationslosigkeit führt. Eltern sollten ihren Kindern von Anfang an zeigen, wie wichtig es ist abzuschalten und sie dabei nach Möglichkeit unterstützen.
Abschalten ja. Aber wie?
Je nach Alter des Kindes ist verschiedene Unterstützung zum Abschalten gefragt. Kinder im Vorschulalter lassen sich in der Regel gerne etwas vorlesen. Kleine Streicheleinheiten wirken ebenfalls beruhigend. Gemeinsam puzzeln oder singen lenkt ebenfalls ab. Grundschulkinder können durchaus auch Atemübungen erlernen und kleine altersgerechte Massagen vertragen.
Am besten ist es, wenn Eltern von Anfang an kleine Rituale einführen, z.B. vor dem Schlafen gehen und/oder nach dem Mittagessen, die das Kind zum Entspannen animieren. Das schafft zum einen eine Vertrauensbasis in der Eltern-Kind-Beziehung, ermöglicht aber auch den Eltern eventuelle Überforderungen zu erkennen oder ihnen vorzubeugen. Je älter das Kind wird, desto weniger ist es auf das Beisammen mit einem Elternteil in der Entspannungsphase angewiesen. Jugendliche können beispielsweise durch das Hören ihrer Lieblingsmusik abschalten; dazu benötigen sie keine Hilfe. Wichtig ist jedoch, dass Kinder es lernen wie wichtig es ist sich eine Auszeit aus dem Alltag zu nehmen und dass Eltern ihnen dies alters- und entwicklungsgerecht ermöglichen.
