Entstehungsgeschichte des Neuen Rathauses zu Leipzig

Neues Rathaus - Pleißenburg in Leipzig - Viola F. Ording
Neues Rathaus - Pleißenburg in Leipzig - Viola F. Ording
Dank historischer Umstände darf sich Leipzig einer großen Besonderheit rühmen: Die Stadt besitzt zwei prächtig gebaute Rathäuser.

Die sächsische Metropole Leipzig bietet dem Besucher neben anderen Sehenswürdigkeiten eine wichtige Besonderheit: Die Stadt besitzt zwei imposante Rathäuser. Altes sowie Neues Rathaus prägen das Gesicht des Zentrums von Leipzig. Wurde das Alte Rathaus als Renaissance-Bau errichtet, so glänzt das Neue Rathaus als Perle des Historismus. Noch heute beherbergt es die Leipziger Stadtverwaltung. Für alle Besucher sei erwähnt, dass das Neue Rathaus sich am Martin-Luther-Ring 4 befindet.

Die Stadt Leipzig bekam 1557 ein neu gebautes Altes Rathaus

Während des Schmalkaldischen Krieges von 1547 wurde das damalige spätgotische Rathaus stark beschädigt. Der Bürgermeister Hieronymus Lotter entschied sich gegen einen Wiederaufbau und sollte damit eine gute Wahl treffen. Noch heute lockt der Nachfolgebau die Touristen nach Leipzig. 1557 war der Bau des Alten Rathauses (von den Leipzigern liebevoll als Lotterbau bezeichnet) abgeschlossen. Als Steinmetze zeigten sich Paul Wiedemann und Paul Speck verantwortlich. Hilfe bekam Hieronymus Lotter außerdem von Ratsmaurer Pfretzschner und Ratszimmermann Perfordt. Ein besonderer Glanzpunkt des Alten Rathauses ist der 50 Meter lange Festsaal. Hier feierten die Zünfte ihre Handwerkerbälle, führten die Bürger ihre Taufen und Hochzeiten durch und hielt der Rat seine Empfänge und andere Festlichkeiten ab.

Leipzig entschloss sich im 19. Jahrhundert zum Bau des Neuen Rathauses

Im 19. Jahrhundert hatte sich Leipzig zu einer deutschen Großstadt entwickelt. Die Messestadt war bedeutsamer Eisenbahnknotenpunkt, erster Druckort des Landes, Mittelpunkt des Buchhandels sowie wichtiger Industriestandort geworden. Das Alte Rathaus war den neuen Aufgaben, die die Stadtverwaltung übernehmen musste, nicht mehr gewachsen. Auch die Bausubstanz befand sich allmählich in bedrohlichem Zustand. 1879 wurde Hugo Licht zum Leiter des Hochbauamtes berufen. Er favorisierte einen Neubau des Rathauses als weitläufiges Verwaltungsgebäude. Aufgrund zu hoher Kosten wurde der Licht-Plan jedoch aufgegeben. Mit dem Beginn der Eingemeindungen im Jahr 1889 wurde ein Neubau aber immer dringender notwendig. 1890 war die Entscheidung zum Neubau des Rathauses vor allem durch den unermüdlichen Einsatz des Oberbürgermeisters Dr. Otto Georgi endlich getroffen.

Der Baubeginn des Neues Rathaus von Leipzig verzögerte sich

Nun musste für den Neubau des Rathauses nur noch ein geeignetes Grundstück gefunden werden. In Frage kam die ehemalige Pleißenburg. Das sogenannte Schloss wurde im Schmalkaldischen Krieg stark in Mitleidenschaft gezogen und zwischen 1549 und 1569 zur Festung umgebaut. Auch diese Bauaufgabe hatte damals Hieronymus Lotter übernommen. Im 18. Jahrhundert wurde die Pleißenburg als Festungssitz zunehmend aufgegeben. 1790 wurde sogar auf dem Turm die Sternwarte der Universität errichtet. Im 19. Jahrhundert befanden sich verschiedene Einrichtungen in der Pleißenburg, die zuvor umgesiedelt werden mussten, bevor die Stadtverwaltung einziehen konnte. Am 1. April 1897 verabschiedete Oberbürgermeister Georgi die letzten Bewohner der Pleißenburg - das 107. Infantrie-Regiment, welches in die Kaserne nach Möckern umzog. Wenige Tage später wurde mit dem Abriss der geschichtsträchtigen Burg begonnen.

Die Arbeiten am Neuen Rathaus zu Leipzig begannen 1899

Für den Neubau des Rathauses wurde ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Ein für die Leipziger Stadtväter wichtiger Punkt war die Integrierung des alten Turmes der Pleißenburg als Wahrzeichen. Als Gewinner trat der zuvor bereits besprochene Prof. Hugo Licht hervor. Die feierliche Grundsteinlegung erfolgte am 19. September 1899. Schon bald stellte sich heraus, dass die Einbeziehung des alten Turms schwieriger war als erwartet. Nur ein 2 Meter starkes Korsett konnte dem Turm Halt geben. Außerdem wurde der Turm auf ca. 115 Meter erhöht. Bis in das Jahr 1968 war das Neue Rathaus das höchste Gebäude der Messestadt. Erst die Errichtung des Universitätshochhauses (auch Uniriese oder Weisheitszahn genannt) änderte dies. Nach vielen Schwierigkeiten, die es zu meistern galt, fand die Rathausweihe am 7. Oktober 1905 statt. Über dem Haupteingang prangt bis heute das abgewandelte Motto des Lichtschen Wettbewerbsentwurfes "Arx nova surrexit MDCCCXCIX - MDCCCCV" - Eine neue Burg ist erstanden 1899-1905.

Viola Fatima Ording - Freiberufliche Texterin & Grafikerin - www.textsolistin.de Mitgestalterin von Apps für iPhone, iPod touch und iPad - ...

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