
- Clownfisch - Bernd Lynen / pixelio.de
Kinder lieben Tiere. In der Natur genauso wie als Märchenfigur oder im Fernsehen. Micky Maus, Dumbo, Bambi, Flipper, Fury und Lassie kommen gut bei den Kleinen an. Und auch im Zoo sind Kinder schnell für Tigerbabys, Elefanten und Giraffen zu begeistern. Diesen Umstand - und die Tatsache, dass es scheinabr ein Defizit im Bereich Aquazoos in Deutschland gab - hat sich auch die britische „Merlin Entertainments Group“ zunutze gemacht und innerhalb weniger Jahre insgesamt 26 Sea Life Aquarien aufgebaut. Zehn davon befinden sich in Deutschland.
Warum auch nicht? Seltene Fische und andere Meeresbewohner hautnah erleben zu können, ist nun wirklich auch einen Ausflug wert. Wenn man seine Kinder fördern will und ihr natürliches Interesse an Tieren wachhalten möchte, dann ist es doch eine tolle Gelegenheit, als Familie einen Abstecher in eines der Sea Life Aquarien zu unternehmen. Auf der Homepage von Sea Life wird die Vorfreude groß. Staunende Kinderaugen, inmitten einer Unterwasserlandschaft, umringt von Haien, Riesenschildkröten und Clownfischen suggerieren ein wahrlich großartiges Erlebnis.
Diese Erwartungen erfüllt Sea Life nicht
Wer wirklich am Leben in unseren Meeren interessiert ist, muss sich im Sea Life schon Mühe geben. Zwar gibt es durchaus einige Fische, Seepferdchen, „Nemos“ und sonstige Wassertiere zu sehen, aber davon werden die Besucher systematisch abgelenkt. Es fehlt an Platz, es ist dunkel und eng und eine ständige Hintergrundmusik treibt empfindliche Gemüter schnell in den Wahnsinn. „Die Merlin Entertainments Group ist der führende Name wenn es um lokale und qualitative hochwertige Familienunterhaltung geht.“, heißt es auf der Homepage des Mutterkonzerns.
Was allerdings bei einem Sea Life unter hochwertige Familienunterhaltung zu verstehen ist, wird beim Besuch im Sea Life Speyer erst nach und nach klar. Die Besucher, häppchenweise in das Unterwasser-Museum geschleust, um dann im Eiltempo, auf der Suche nach den angekündigten Attraktionen durch die schmalen Gänge zu huschen. Dass man dabei auch ein paar Tierchen links und rechts wahrnimmt, ist mehr zufällig. Der große WOW-Effekt bleibt aus. Das Aquarium ist nicht groß und nicht beeindruckend. Es ist auf Sensation getrimmt und auf Umsatz ausgerichtet. Das wird auch dem letzten Besucher klar, wenn er in der zweiten Etage ankommt und statt größerer Fische nur noch Spendenboxen, Fotoautomaten und den Ausgang durch den Souvenir-Shop findet. Dass das ganze garniert wird von Bekundungen, dass unsere Meere bedroht und schützenswert sind, ist dabei fast zynisch.
Markenunterhaltung statt Naturerlebnis im Sea Life
Die Betreibergesellschaft ist unter anderem auch für die Grusel-Häuser „The Dungeons“, das Riesenrad „London Eye“, das Legoland und Madame Tussauds verantwortlich und damit hinter Disney der größte Anbieter von „standortbasierter Markenunterhaltung“, wie so etwas im Fachjargon heißt. Und nichts anderes bekommt man hier. Ein ausgeklügeltes Produkt, das mit Leben unter dem Meer, geschweige denn mit naturkundlichen Erlebnissen, nicht mehr viel zu tun hat.
Die Hauptzielgruppe Familie wird im Sea Life nicht glücklich
Gerade mit Kinderwagen hat man schon starke Probleme sich durch das Sea Life Speyer zu bewegen. Der Zugang über die Rampe führt zu einer verschlossenen Tür. Die Parkplätze sind relativ weit entfernt, direkt vor dem Sea Life gibt es keine ausreichenden Parkmöglichkeiten. Die Gänge im Inneren des Sea Life sind eng und man muss aufpassen, diese nicht selber zu blockieren. Dadurch wird man immer wieder weiter gedrängt und kann sich keine Zeit nehmen, die einzelnen Stationen genauer anzuschauen. Die Kinder zeigen, sofern sie noch etwas kleiner und auch noch nicht durch regelmäßigen Fernsehkonsum abgehärtet sind, eher Angst als Begeisterung. Dunkelheit, eine psychedelische Unterwassergeräuschkulisse, Skelette und Schwarzlicht versprühen Geisterbahn-Flair und drängen einen zusätzlich ans Tageslicht. Im Shop dann einen Slalom um Plastik-Haie und Delfinschlüsselanhänger (beides Tiere, die nicht gezeigt werden), bevor man endlich raus ist und neben Postkartenautomat und Bällchenbad in der Kantine steht.
Pommes Currywurst für sechs Euro
Der Dunkelheit entkommen, landet man natürlich im Restaurant. Das kennt man schon von Ikea. Aber hier gibt es wirklich kein sinnvolles Angebot. Nicht jeder will Pommes. Und nicht jeder will dafür Preise wie in einem guten Restaurant zahlen. Pommes und Currywurst für 5,90 Euro sind weder annähernd gesund, noch als günstiger Snack zu bezeichnen. Da hilft nur noch die Flucht in die Innenstadt von Speyer. Und da bekommt man, was man wirklich braucht: Sehenswürdigkeiten, viel Platz, Tageslicht und eine vernünftige Mahlzeit.
Fazit des Besuchs im Sea Life
Wer ein großer „Sponge-Bob“ Fan ist und „Findet Nemo“ sowie „Fluch der Karibik“ rückwärts pfeifen kann, für den lohnen sich die 13,50 Euro Eintritt pro Erwachsenen eventuell. Auch Rummelplatzfreunde und Geisterbahnfahrer sind hier sicher gut aufgehoben. Für alle anderen gilt: Es gibt schönere Ziele für Familien.
Bildnachweis: Bernd Lynen / Pixelio.de
