Entwicklung zur Bevölkerungsexplosion, ihre Ursachen und Folgen

Bis 2070 wird die Weltbevölkerung weiterwachsen. - Lucia Reinsperger
Bis 2070 wird die Weltbevölkerung weiterwachsen. - Lucia Reinsperger
Rasant ist die Menschheit auf 7 Milliarden herangewachsen. Warum Armut als Ursache für Bevölkerungsexplosion gilt und erneuerbare Energien eine Lösung sind.

Die Organisation der Vereinten Nationen (UNO) hat in ihrem Weltbevölkerungsbericht das Geburtsdatum des 7-Milliarden-Babys für den 31. Oktober 2011 berechnet. Und die Menschheit wächst weiterhin. Das war aber nicht immer so: Am Ende der Eiszeit, vor 10.000 Jahren, gab es 5 Millionen Erdenbürger. Kriege und Seuchen sorgten für eine langsame Ausbreitung.

Historische Bevölkerungsentwicklung

Eine Million Jahre später, um 1830, waren es 1 Milliarde Einwohner, 1930 schon doppelt so viele. Dafür verantwortlich war vor allem die Industrialisierung, die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begann. Sie sorgte für Verbesserungen im medizinischen und hygienischen Bereich und für eine Senkung der allgemeinen Sterberate und Säuglingssterblichkeit.

Ab 1930 setzte das ungebremste Bevölkerungswachstum ein, sodass noch vor der Jahrtausendwende die 6. Milliarde erreicht wurde. Die Menschen haben sich also im 20. Jahrhundert nahezu vervierfacht, für die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung "ein in der Geschichte der Menschheit einmaliger Vorgang". Die nächste Milliarde ist ist nur 12 Jahre später erreicht: 2011.

Für das Jahr 2050 reichen die Prognosen von 10 bis 12 Milliarden Menschen. Auch, wenn die Wachstumsraten insgesamt sinken, wächst die Bevölkerung bis 2070. Es gibt aber große regionale Unterschiede: Die Hälfte der Menschheit lebt auf etwa 5 Prozent der Erdoberfläche. Während die Bevölkerungszahl in Europa immer kleiner wird, nimmt der Anteil Afrikas auffallend zu - 2050 wird jeder fünfte Mensch in Afrika leben.

Armut als Ursache für Bevölkerungsexplosion

Für manche ist der Zusammenhang unverständlich: Wenn jemand arm ist, warum bekommt er dann noch mehr Kinder? Wer aber den eigenen Tellerrand überblickt und versucht, die Situation armer Familien aus deren Augen zu sehen, wird verstehen. Wissenschaftler erklären den enormen Bevölkerungsanstieg in Entwicklungsländern mit dem demographischen Übergang. Demzufolge befindet sich die sogenannte Dritte Welt derzeit in einem Stadium, in dem der Westen im 19. Jahrhundert war: zur Zeit der Industrialisierung. Menschen, die nicht durch ein Pensions- und Gesundheitssystem sozial abgesichert sind, brauchen Kinder schon aus rein wirtschaftlicher Sicht - umso mehr, umso besser. Sie stellen eine zusätzliche Einnahmequelle und eine Absicherung für die Zukunft dar.

Entscheidend ist auch die Stellung und Bildung der Frau. Ihre Autonomie und ihr Ansehen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft stehen in Zusammenhang mit der Familiengröße. Oft fehlen die Zugänge zur Familienplanung - auch, was Information betrifft. Der Bedarf an Verhütungsmitteln ist längst nicht gedeckt: Mehr als 200 Millionen Frauen können nicht verhüten, obwohl sie es wollen. Hinzu kommt die junge Altersstruktur in Entwicklungsländern. In Afrika sind 42 Prozent der Menschen unter 15 Jahre alt. In Kombination mit einer hohen Fertilitätsrate bedeutet es hohes Bevölkerungswachstum. Hingegen sind die Industriestaaten heute in einer Phase, die durch eine niedrige Geburten- und Sterberate gekennzeichnet ist, was eine stagnierende oder sinkende Bevölkerungszahl zur Folge hat.

Leben bereits zu viele Menschen auf der Erde?

Bei Anbetracht der heutigen Lage werden die Optimisten immer leiser, die eine solche Bevölkerungsentwicklung als Chance für beispielsweise "tiefere Arbeitsteilung bei gleichzeitiger Erhöhung von Produktion und Stückzahlen" betrachten, wie es Münz & Ulrich in "Bevölkerungswachstum und Familienplanung in Entwicklungsländern" noch 1994 taten. Hingegen sind es die negativen Folgen, die überwiegen und beängstigen.

Angefangen bei der Ressourcenknappheit, die zweifellos besteht. Muss eine größere Bevölkerung mit Nahrungsmitteln, Wasser und Energie versorgt werden, müssen die natürlichen Ressourcen übermäßig beansprucht werden. Eine Gefährdung der Umwelt besteht in der Folge durch Bodenerosion, Waldzerstörung und Verschmutzung der Gewässer. In aller Munde sind Themen wie die hohe Abfallproduktion und die Klimaveränderung - verstärkt durch Bevölkerungswachstum.

In diesem Zusammenhang steht auch die Frage der Tragfähigkeit der Erde: Wie viele Menschen hält unsere Erde überhaupt aus? William E. Rees und Mathias Wackernagel haben das Konzept des "ökologischen Fußabdruckes" entwickelt, das berechnet, wie viele Menschen nachhaltig auf der Welt leben können. Dafür sind Faktoren wie der Ressourcenverbrauch und die angewandten Technologien ausschlaggebend - Stichwort Kohle- oder Sonnenenergie?

Das Rezept für die Zukunft: nachhaltig leben

Es gibt also keine Zahl, die als maximale Bevölkerungsgröße gilt. Viel mehr kommt es darauf an, wie die Menschen leben. Während Inder einen ökologischen Fußabdruck von 0,4 Hektar pro Jahr hinterlassen, haben Amerikaner den höchsten mit 5,1 Hektar. Sparsamer Umgang mit Süßwasser, Energie und endlichen Rohstoffen sollte daher genauso im Vordergrund stehen wie der Fokus auf alternative, erneuerbare Energiequellen. Regierungen arbeiten daran, den Bedarf an Familienplanung zu decken und die Nachfrage zu erhöhen. Die Bevölkerungskomission der UNO beschäftigt sich mit Bevölkerungsfragen und ihren Auswirkungen. Jeder und jede von uns kann mit seinem persönlichen, nachhaltigen Lebensstil für eine bessere und gesündere Zukunft sorgen - besonders für jene Milliarden, die noch ungeboren sind.

Quellen und weiterführende Links

Literatur

  • Steinicke (1997): Abiturwissen Bevölkerungsgeographie, Ernst Klett Verlag
  • Bähr (1988): Bevölkerungsgeographie, Geographische Rundschau 40
  • Preve, Kytir, Lebhart, Münz (1999): Bevölkerung in Österreich, Institut für Demographie
  • Münz, Ulrich (1994): Bevölkerungswachstum und Familienplanung in Entwicklungsländern, Deographie aktuell