
- Marieke Boersma mit Kindern in Äthiopien - Licht für die Welt
Äthiopien ist seit vielen Jahren ein Schwerpunktland der Projektarbeit der österreichischen Hilfsorganisation „Licht für die Welt“. Im Jahr 2005 wurde auf Initiative der holländischen Physiotherapeutin Marieke Boersma ein ganz spezielles Programm - zur gemeindenahen Rehabilitation – gestartet.
Behinderungen in Äthiopien
Der Hintergrund: In Äthiopien treten Behinderungen oft aufgrund von armutsbedingten Krankheiten auf. Betroffene, beziehungsweise Eltern von betroffenen Kindern, suchen sich jedoch kaum je medizinische oder physiotherapeutische Hilfe im Spital. Behinderte Menschen werden vielmehr oft im Haus versteckt und befinden sich in einem schlechten gesundheitlichen Zustand. Ziel der Projekte von "Licht für die Welt" zur gemeindenahen Rehabilitation ist, vor Ort - unter Einbeziehung der Familien und der Dorfgemeinschaft - Verbesserungen zu erreichen. Die Autorin sprach mit Projektexpertin Marieke Boersma über ihre Erfahrungen.
Suite101: Frau Boersma, wie kamen Sie auf die Idee, Projekte für gemeindenahe Rehabilitation in Äthiopien zu initiieren?
Marieke Boersma: 2003 wurde an der Universität Gondar in Nord-Äthiopien ein Physiotherapie-Ausbildungslehrgang – es war der erste im Land - gestartet. Ich wurde von einer Hilfsorganisation entsandt, um ihn zu leiten. Die angehenden Physiotherapeuten lernten, wie man in Spitälern arbeitet. Viele Menschen mit Behinderung in Äthiopien kommen jedoch nicht ins Spital. So entwickelte sich die Idee, die Studenten auch Erfahrungen außerhalb des Spitals sammeln zu lassen, sie also auch die Arbeit in Dorfgemeinschaften zu lehren. Die ersten Projekte wurden 2005 gestartet und liefen über die Universität, die im selben Jahr auch ein Medizin-Kolleg startete. Was uns noch fehlte, war eine Hilfsorganisation, die die Projekte für uns aufsetzt und unterstützt. „Licht für die Welt“ erklärte sich dazu bereit.
Suite101: Was schätzen Sie ganz besonders an diesen Entwicklungsprojekten von "Licht für die Welt"?
Marieke Boersma: Von uns ausgebildete Fieldworker, die die lokalen Bedingungen kennen, gehen in jeden Haushalt und erheben, ob dort Menschen mit Behinderungen leben. Die Familien haben oft sehr sehr lange nicht gewusst, wie sie mit der Behinderung umgehen sollen. Sie denken ein Kind, das blind ist oder einen Klumpfuß hat, hat keine Zukunft. Es ist sehr schön, wenn wir ihnen das Gegenteil beweisen können. Wer eine medizinische Rehabilitation benötigt, wird an die Krankenhäuser vermittelt. Vorort lehren wir zum Beispiel behinderten Kindern, eigenständig zu sitzen, zu gehen, zu essen, sich zu waschen. Oftmals können wir ihnen auch ermöglichen, eine Schule zu besuchen, die Blindenschrift oder Gebärdensprache zu lernen…. Die Kinder werden dadurch unabhängiger, sie bekommen eine Zukunft. Das macht nicht nur sie selbst, sondern auch die Familie sehr glücklich!
Suite101: Wie vielen Menschen kann in Äthiopien mit dem Entwicklungsprojekt in etwa geholfen werden?
Marieke Boersma: 2009 konnten in Äthiopien rund 700 Kinder zuhause rehabilitiert werden. Indirekt helfen wir auch, indem wir Kinder zum Beispiel an Klumpfußkliniken überweisen; indem wir Sensibilisierungsmaßnahmen setzen, um die Stigmatisierung von Menschen mit Behinderung zu reduzieren; oder in dem wir den Aufbau von eigenständigen Behindertenorganisationen in Äthiopien unterstützen. Nach einem Jahr sollen notwendige Rehabilitationsmaßnahmen von den Familien unabhängig weitergeführt werden können.
Infos & Spendenkonto: PSK 92.011.650, BLZ 60.000, "Licht für die Welt" oder bei "Kinderpate". Kennwort Rehabilitation Äthiopien. Mit 25 Euro pro Monat fördern Sie als Pate ein behindertes Kind in Afrika.
Bitte beachten Sie, dass ein Suite 101-Artikel generell fachlichen Rat – zum Beispiel durch einen Arzt – nicht ersetzen kann.
