
- Kleinkind - Birgit Schüler
Manche Eltern bemerken an ihren Kindern bereits im Säuglingsalter, dass etwas mit ihnen „nicht stimmt“. Oft ist es nur ein unbestimmtes Gefühl. Der erste Schritt ist meist der Weg zum Kinderarzt. Vielleicht kommt aber auch der erste Hinweis von diesem selbst nach einer Früherkennungsuntersuchung.
Entwicklungsverzögerungen können auftreten
• im motorischen Bereich (krabbeln, sitzen, laufen)
• in der Koordinationsfähigkeit (rückwärts gehen, einbeinig hüpfen)
• in der Sprachentwicklung (Artikulation, Lauterwerb, Wortschatz Grammatik)
• im geistigen Bereich (Zusammenhänge verstehen, logisches Denken)
• im Sozialverhalten (Regelverständnis, Kontaktfähigkeit)
• im emotionalen Bereich (Wahrnehmung und Ausdruck der Gefühle)
• in den Sinneswahrnehmungen (hören, sehen, fühlen)
Kinder können in einem oder mehreren Bereichen in ihrer Entwicklung verzögert sein. Ob ein Kind wirklich entwicklungretardiert ist, können Psychologen, Heilpädagogen, Mediziner und Krankengymnasten anhand von Tabellen und Tests feststellen.
Ursachen der Entwicklungsverzögerung
Die Ursachen sind möglicherweise vielfältig. Durch eine Anamnese erfährt der Therapeut alles, was für eine Behandlung bedeutsam sein könnte.
Dazu gehört:
• der Verlauf der Schwangerschaft
• die Geburt selbst
• besondere Ereignisse im Kleinkindalter
• vorhandene Krankheiten und Allergien in der Familie
• sowie die allgemeine Familiensituation
Sehr häufig ist eine medizinische Ursache nicht zu entdecken. Der ganze Vorgang der Entwicklung, der sich in aufeinanderfolgenden Schritten vollzieht, ist sehr komplex. Oft lassen sich keine einfachen Erklärungen finden.
Schuld an der Entwicklungsverzögerung kann beispielsweise sein:
• eine vererbte Stoffwechselkrankheit
• Sauerstoffmangel während der Geburt
• eine Schieflage des Kopfes nach der Geburt (KISS-Syndrom)
• Krankheiten wie Hirnhautentzündung in der frühen Kindheit
• auch Medikamente und Infektionen während der Schwangerschaft
• eine angeborene Hörschwäche (verzögerte Sprachentwicklung)
• fehlende Anregungen und mangelnde Ansprache der Umwelt
Frühförderung bei Entwicklungsverzögerungen
Hilfen gibt es in Frühförderzentren, heilpädagogischen Praxen sowie in sozialpädiatrischen Zentren. Zuerst erfolgt eine Diagnostik durch Fachkräfte. Diese wird meist anhand eines Hausbesuches und ausführlichen Gesprächen mit den Eltern erstellt. Die gleiche Stelle hilft auch weiter bei der Beantragung von Frühförderung.
Die Finanzierung wird bei genehmigter Antragsstellung übernommen. Der Rechtsanspruch hierauf ergibt sich aus dem Sozialgesetzbuch (SGB XII), dem Rehabilitationsgesetz (SGB IX, § 30), dem Krankenversicherungsrecht (SGB V) und dem Kinder- und Jugendhilferecht (SGB VIII). Der Genehmigung geht eine Vorstellung bei dem zuständigen Amtsarzt voraus. Im Amtsdeutsch heißt es: „Frühförderung erhalten Kinder mit kognitiver und seelischer Behinderung sowie Kinder, denen ohne Förderung eine entsprechende Behinderung droht.“
Die Frühförderung wirkt dadurch, dass von pädagogischen Fachkräften spielerische, gezielte Entwicklungsanreize dort gegeben werden, wo sie im einzelnen Fall von dem Kind benötigt werden. Spezielle Förderung erfolgt auch durch Logopäden, Ergotherapeuten, Krankengymnasten und Motopäden.
Fazit
Niemand sollte zögern, Hilfen in Anspruch zu nehmen, der einen bestimmten Verdacht sein Kind betreffend hat. Ein Kind, das entwicklungsverzögert ist, braucht die bestmögliche Förderung und Hilfe. Keiner braucht sich dafür zu schämen, dass sein Kind Unterstützung benötigt. Es ist wunderbar, dass wir heutzutage diese Möglichkeiten haben und die Kenntnisse der Entwicklungspsychologie und der Pädagogik so weit fortgeschritten sind.
Es ist ein Irrtum zu glauben, dass es sich "irgendwie zurecht wächst". Die einzelnen Entwicklungsschritte bauen aufeinander auf. Wenn ein Schritt nicht vollständig bewältigt wurde, kann auch der nächste Entwicklungsabschnitt nicht vollends gelingen.
Frühförderung wird den Kindern längstens bis zum Schuleintritt gewährt. Je früher der Beginn der Förderung, desto besser. Die Behandlung kann zuhause stattfinden, es werden aber auch gelegentlich Förderstunden in den Kindertagesstätten angeboten. Regelmäßige Gespräche mit den Eltern gewährleisten eine bestmögliche Zusammenarbeit. Denn die Eltern sollten mit dem Therapeuten an einem Strang ziehen.
Geeignete Anlaufstellen: www.fruehfoerderstellen.de
