Das Erdbeben vor der Küste Japans und der darauf folgende Tsunami stürzte den Inselstaat in die größte Krise, die das Land nach der Einschätzung seines Premierministers Naoto Kan seit dem Zweiten Weltkrieg erlebt habe: Nach dem Erdbeben der Stärke 9 drang am 11. März 2011 eine etwa zehn Meter hohe Flutwelle bis zu zehn Kilometer in die Präfektur Miyagi des Kaiserreiches ein. Der darin begründete Ausfall der Kühlsysteme des Kernkraftwerkes Fukushima und die dadurch befürchtete Kernschmelze baute sich zur existenziellen Bedrohung der Bevölkerung auf. Die deutsche Lufthansa bietet Reisen zu zwölf Flughäfen des Inselstaates an. Zu Fragen, wie sich die Situation dort auf die Airline auswirkt, bezog ein Sprecher am 15. März 2011 gegenüber Suite101.de Stellung.

Lufthansa und Japan: Fragen und Antworten, eine Momentaufnahme

Die Situation in Japan rund um das Veröffentlichungsdatum dieses Artikels änderte sich ständig. Von daher können dessen Aussagen nur den Moment beleuchten, zu dem die Fragen an die Deutsche Lufthansa AG gestellt wurden. Zu den Zielen, die über die unternehmenseigene Homepage zu buchen sind, gehören unter anderem die Flughäfen von Tokio (Haneda und Narita), Nagasaki, Fukuoka, Okinawa, Osaka, Sapporo und Sendai; letztgenannter Airport wurde durch den Tsunami vollständig zerstört. Auf die Frage, ob auch Mitarbeiter der Lufthansa unter den Opfern der Naturkatastrophe zu beklagen waren, erhielt Suite101.de ein klares Nein von Thomas Jachnow, dem Chef vom Dienst Konzernkommunikation Deutsche Lufthansa AG.

Auch Büros der Lufthansa wurden vom Erdbeben und seinen Folgen nicht in Mitleidenschaft gezogen, so der Unternehmensvertreter. Bemerkenswert in Relation zum Ausmaß der Naturkatastrophe: In den Tagen nach dem Beben gab es nur einige wenige Verspätungen innerhalb der Abwicklung des Flugverkehrs der Lufthansa nach Japan, so Thomas Jachnow. Ausfälle von Flügen wurden überhaupt nicht registriert. Am Tag der Veröffentlichung dieses Artikels entschied die Fluggesellschaft, die Flüge, die vom 15. März 2011 bis einschließlich Sonntag, den 20. März 2011 von Frankfurt und München nach Tokio abzuwickeln sind, nach Osaka und Nagoya zu verlegen. Sendai, über die Lufthansa-Website zu buchen, wurde von der Airline selbst nicht angeflogen.

Lufthansa: Kein Anlass zur Reduzierung des Flugangebotes

Das Unternehmen vertrat am 15. März 2011 die Ansicht, dass es auch keinen Anlass zur Reduzierung der Kapazitäten für seinen Luftverkehr nach Japan gebe. Alle Japan-Flüge seien nach Angaben des Chefs vom Dienst gut gebucht; auch in Richtung Japan gebe es bislang keine großflächigen Stornierungen. Die Fluglinie konnte in den vergangenen Tagen alle Gäste, die sich an den japanischen Flughäfen eingefunden haben und mit Lufthansa fliegen wollten, mitnehmen. Sonderflüge seien derzeit nicht geplant, so Thomas Jachnow. Auf die Frage, ob die Lufthansa die Ansicht vertritt, dass sich gar nichts ändere, weil die Geschäftsreisenden nach wie vor nach Tokio reisen müssen: „Ist nicht vorhersehbar und wäre in der derzeitigen Situation rein spekulativ.“

Und genau dieser Punkt bestimmte am 15. März 2011 das Nachrichtengeschehen: Nach insgesamt drei schweren Explosionen und angesichts der Unsicherheit, ob es zu einer Kernschmelze in Fukushima komme oder nicht und ob größere Mengen Radioaktivität die nur 250 Kilometer südlich liegende Hauptstadt Tokio mit ihren 36 Millionen Einwohnern in Mitleidenschaft zieht oder nicht, wurde letztlich zur Frage zur Zukunft des Landes erhoben. Eine Evakuierung einer derart hohen Zahl von Menschen von einem Inselstaat hat es noch nie gegeben; vor allem nicht im Hinblick auf die Kürze der Zeit, innerhalb der es zur Kernschmelze kommen kann: In den Medien und selbst den Regierungskreisen Japans stand am 15. März 2011 nicht fest, was wirklich in Fukushima passiert.

Flugzeuge der Lufthansa: Nicht von Radioaktivität betroffen

Wie an diesem Tag auch in der Onlineausgabe der Bildzeitung nachzulesen war, hatte die Lufthansa in München und Frankfurt Maschinen überprüfen lassen, die aus Tokio zurückgekehrt waren. Dabei sei keine radioaktive Strahlung festgestellt worden, erklärte ein Unternehmenssprecher. Die Entfernung von Frankfurt nach Tokio beträgt 9.330 Kilometer. Der Flugverkehr der Lufthansa zwischen Deutschland und Japan wird von Flugzeugen der Interkontinental-Flotte abgewickelt. Zu dieser gehören Maschinen wie der neue Airbus A380 oder der Jumbo-Jet, die Boeing 747 in der Spezifikation 747-400 sowie auch das Großraumflugzeug Airbus A340-600.

Wohl auch im Vertrauen darauf, dass das boomende Asien-Geschäft anhält, initiierte die Lufthansa ein Update des Jumbo-Jets und sorgte mit ihrer Bestellung von 20 Boeing 747-8I für die Weiterentwicklung der beliebten Großraummaschine, die nach Auskunft der Airline ab 2012 eingeflottet werden soll und am 13. Februar 2011 ihr Rollout im Rahmen einer feierlichen Zeremonie im Boeing-Werk Everett feierte. Darüber hinaus unterzeichnete die Lufthansa eine Option von 20 weiteren 747-8I, die man nicht ziehen muss, wenn die schlimmsten Befürchtungen der Atomkraft-Gegner Realität werden und der Nordosten Japans durch ein Totalversagen des Kraftwerkes Fukushima unbewohnbar werden sollte.

Erdbeben und Tsunami in Japan: Ursachen und Hintergründe

Die Boeing 747-8 Intercontinental