Erdbeeren im Winter

Äpfel aus China, Trauben aus Brasilien und Mangos aus Peru

Ist es wirklich so schwer, auf verschiedene Obst- und Gemüsesorten zu verzichten? Braucht man zu jeder Jahreszeit das ganze Angebot an frischen Früchten?

Die meisten unter Ihnen werden sich noch erinnern: Als Kind wartete man das ganze Jahr, bis es im Frühsommer wieder so weit war und die ersten Erdbeeren reif wurden. Entweder man hatte das Glück, diese wunderbaren Früchte im eigenen Garten zu haben oder man bekam sie auf dem Markt oder vom Erzeuger direkt. Der höchste Genuss ist es, die vollreifen Früchte „sonnenwarm“ zu verspeisen – quasi vom Strauch in den Mund. Und dann war Eile angesagt: Mutter musste Erdbeerkuchen backen, Marmelade kochen und der Rest wurde eingefroren oder in Gläser eingekocht – als Wintervorrat. Als besondere Delikatesse galt seinerzeit Erdbeeren mit Zucker gesüßt und kalter Milch übergossen.

Erdbeeren niemals im Kühlschrank aufbewahren

Noch ein Wort zur Aufbewahrung: Am besten man lagert die empfindlichen Früchte in einem kühlen Keller oder Vorratsraum, mit einem Leinentuch abgedeckt. Im Kühlschrank verlieren Erdbeeren sehr schnell ihr Eigenaroma und nehmen stattdessen die Aromen der Umgebung auf.

Heute bekommt man frische Erdbeeren das ganze Jahr über. Und dazu muss man kein Spezial- oder Delikatessengeschäft aufsuchen. Selbst Discounter – oder gerade die – führen Erdbeeren und „andere Exoten“ aus der ganzen Welt das ganze Jahr über.

Manche Obst- und Gemüsesorten sind weiter gereist als die Menschen, die sie verzehren

Die Regale und Auslagen sind übervoll von Früchten und Gemüsen, von denen man einige weder vom Aussehen, Namen oder Geschmack her kennt. Gekauft wird trotzdem. Dabei wissen viele Hausfrauen oder Hobbyköche noch nicht einmal, wie diese Obst- und Gemüsesorten zubereitet werden sollen. Wichtiger scheint die exotische Herkunft oder der fremdartig klingende Name zu sein. Schließlich will man bei der nächsten Einladung zum Essen seine Freunde beeindrucken.

Nachfrage nach Exoten im Obst- und Gemüsebereich steigend

Und womit gelänge das einfacher als mit beispielsweise: "Papageienfisch an Tamarillo-Jackfrucht-Emulsion mit glasiertem Thaispargel und Yambohnepüree". Möglicherweise würden sich die Gäste viel mehr über eine knusprige Freilandpoularde aus dem Backofen mit Schmorgemüse und Rosmarinkartoffeln freuen – man weiß es nicht. Müssen Früchte und Gemüse immer einen so weiten Weg zurücklegen? Man könnte es so machen wie zu den Zeiten, als es noch keine Kühlschränke gab.

Antiquierte Aufbewahrungsmethode: die Sandkiste

Da hat man seine Karotten, den Sellerie, Rübchen und auch verschiedene Kohlsorten einfach im Keller in einer Sandkiste eingeschlagen. Das hielt sich Monate lang frisch.

Da erinnert man sich mit Wehmut an die Zeit zurück, als es im Winter in den Häusern nach Äpfeln roch. Da wurden spezielle Sorten im Keller auf mit Zeitungspapier ausgelegten Holzregalen gelagert. Die Äpfel wurden im Laufe der Zeit zwar etwas schrumpelig, doch im Geruch und Geschmack wurden sie dadurch nur noch intensiver. Leider gibt es diese Art von Äpfeln heute so gut wie nicht mehr. Wozu auch einkellern, kann man doch Äpfel täglich und überall kaufen. Die kommen dann aus Argentinien, Neuseeland, Chile und neuerdings auch aus China.

Helmut Riegel, Helmut Riegel

Helmut Riegel - Im Jahr 1977 begann ich eine Ausbildung zum Koch. Die Leidenschaft am Kochen entdeckte ich jedoch schon viel früher: Mein erstes ...

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