Und so erschließt sich uns erstaunlichesaus der Geschichte, das meist fast völlig der Vergessenheit anheimgefallen ist.
1712: Der 30. Februar
In Schweden hatte man sich im Jahre 1700 entschieden, vom julianischen zum gregorianischen Kalender zu wechseln. Dazu hätte man bis zum Jahre 1740 auf insgesamt elf Schaltjahre verzichten müssen. Schweden hätte dann allerdings für vierzig Jahre „einen eigenen Kalender gehabt“. Im Jahr 1700 übersprang man den 29. Februar. Damit hinkte man dem gregorianischen Kalender zehn Tage hinterher und war dem julianischen einen Tag voraus. König Karl XII. entschied dann im Jahr 1712, doch wieder zum julianischen Kalender zurück zu kehren. So kam Schweden dann im Jahr 1712 zu einem 30. Februar.
1812: Premierminister erschossen
Auf dem Weg ins Parlament wird der britische Premierminister Spencer Perceval Opfer eines Pistolenattentats. Er wird von John Bellingham erschossen. Spencer Perceval ist bis heute der einzige britische Premier, der einem Anschlag zum Opfer fiel. Der Attentäter, der eine Entschädigung für Gefangenschaft in Russland (er war dort als Kaufmann auf Grund verschiedener Intrigen mehrfach inhaftiert worden) hatte erlangen wollen, wurde schuldig gesprochen und öffentlich gehängt. In seiner politischen Laufbahn war Spencer Perceval unter anderem an dem Gesetz zur Abschaffung der Sklaverei maßgeblich beteiligt.
1812: Der funkensprühende Hufschlag
Die napoleonische Armee, die halb Europa besetzt hat, führt am 01. September 1812 nicht mehr benötigte Munitionsvorräte durch Eisenach zurück. Plötzlich kommt es innerhalb des pferdegezogenen Munitionszuges zu drei Explosionen. Drei mit Munition beladene Pferdewagen waren detoniert. Als Ursache wurde angenommen, dass aus den Wagen herausrieselndes Pulver entweder durch eine heiß gelaufene Wagenachse entzündet worden war, oder durch den Funkenschlag eines Pferdehufeisens auf dem Straßenpflaster entzündet worden ist.
42 Einwohner wurden getötet, sechs weitere Einwohner verstarben später, fünf Fuhrleute aus Gotha und neun französische Soldaten fanden ebenfalls den Tod. Der materielle Schaden betrug rund 200.000 Taler. Der Herzog zu Weimar ließ eine Hilfskommission einsetzen und Kaiser Napoleon spendete 120.000 Francs.
1812: Der Große Brand von Moskau
Napoleon Bonaparte, der aus Korsika gebürtige Kaiser der Franzosen, der sich ursprünglich Napoleone Buonaparte nannte, steht mit seinen bereits stark geschwächten Truppen in Moskau. In der Nacht nach dem Einmarsch, am 12. September 1812, bricht in der Stadt Feuer aus. Zuerst verdächtigt man plündernde, französische Soldaten, von denen man annimmt, dass sie durch die Brände ihr Treiben verschleiern wollen.
Bald stellt sich jedoch heraus, dass es sich bei dem Brand um einen Akt patriotischer Selbstaufopferung handelt: Dem Polizeikommissar von Moskau war befohlen worden, die gesamte Stadt durch Feuer zu vernichten. So wurden vor dem Einmarsch der Franzosen alle Häftlinge der Stadt freigelassen und mit großen Mengen brennbaren Materials versorgt. Die Brände breiten sich mit unwahrscheinlicher Geschwindigkeit aus und fressen sich bis zu den Staatsgebäuden vor. Napoleon muss den Kreml räumen. Rund drei Viertel der Stadt sind den Flammen zum Opfer gefallen, die Franzosen richten über 400 Brandstifter hin. Am 18. September setzen Regenfälle dem lang anhaltenden Brand ein Ende.
1812: Der Erbprinz oder Kaspar Hauser
Am 29. September 1812 wird in der badischen Residenz Karlsruhe dem seit 1811 regierenden Großherzog Karl und seiner Gattin Stephanie, geborene de Beauharnais und Adoptivtochter des Kaisers Napoleon, der lang ersehnte Erbprinz geboren. Das Kind stirbt überraschend am 16. Oktober und wird in der Fürstengruft in Pforzheim als zwar getaufter, aber namenloser Erbprinz beigesetzt. Als an Pfingsten 1828 in Nürnberg ein unbekannter Findling auftaucht, der den Namen Kaspar Hauser erhält, und 1833 an den Folgen eines mysteriösen Attentats im Ansbacher Hofgarten stirbt, wird er mit dem Tod des Erbprinzen in Verbindung gebracht: Bis heute ist offen, ob Hauser der – gegen ein sterbendes Kind – ausgetauschte Erbprinz war.
1912: Untergang der „Titanic“
Sie war bei ihrer Indienststellung im April 1912 das größte Passagierschiff der Welt, und sicher auch das modernste und luxuriöseste: Die „RMS Titainic“, welche der „White Star Line“ gehörte. Noch auf ihrer Jungfernfahrt, am 14. April 1912, kollidierte das Schiff bei Neufundland mit einem Eisberg und sank rund drei Stunden später. Die „Titanic“ hatte als unsinkbar gegolten, was wohl die Ursache dafür war, dass die Zahl der Rettungsboote an Bord nicht für alle Menschen ausreichend war. Von den 2.200 an Bord befindlichen Menschen starben zwischen 1490 und 1517 Personen in den eisigen Fluten. Der Untergang der „Titanic“ wurde zu einer der größten Katastrophen der Seefahrt. Der verlustreichste Schiffsuntergang der Geschichte war übrigens der Untergang des Flüchtlingsschiffes „Wilhelm Gustloff“ nach einem russischen Torpedoangriff am 30. Januar 1945 nahe Stolpmünde (heute polnisch Ustka, Wojewodschaft Pommern, Powiat Slupski). Dabei fanden rund 9.000 Menschen den Tod.
1912: Luftwaffe gegründet
Nachdem bereits im Jahre 1890 eine Balloneinheit der „Royal Engineers“ gegründet worden war und im Jahr 1911 eine Flugschule gefolgt war, wurde durch königliche Anordnung das „Royal Flying Corps“ gegründet. Die britische Luftwaffe trug diesen Namen bis in Jahr 1918. Sie bestand aus einer Armee-, einer Marine- und einer Reserveeinheit. Im gleichen Jahr wurde die königlich-preußische Fliegertruppe gebildet, der auch die sächsischen und württembergischen Luftstreitkräfte angegliedert waren. Preußen hatte bereits 1884 ein Ballondetachement und 1887 eine Luftschifferabteilung gebildet. Im Jahr 1912 wurde ebenfalls die Gründung der Seeflieger der Kaiserlichen Marine beschlossen, ferner stellte Bayern das 1. Königlich Bayerische Fliegerbataillon auf.
