Erfurter Hauptbahnhof Ende 2008 übergeben

Verkehrskreuz für den Schienenverkehr in der Mitte Deutschlands

Hauptbahnhof Erfurt - Deutsche Bahn
Hauptbahnhof Erfurt - Deutsche Bahn
Neuer ICE-Bahnhof in Erfurt in Betrieb, große Bedeutung national und international, Verkürzung der Reisezeiten, Übergabe durch Bundesverkehrsminister Tiefensee.

Sieben Jahre der Umgestaltung des Erfurter Hauptbahnhofes sind im Dezember 2008 zu Ende gegangen. Anlass für die Übergabe war der Start für den ICE-Verkehr, der die Strecken Frankfurt am Main – Dresden, München – Berlin und Ruhrgebiet – Chemnitz unter Einbeziehung von Weimar und Jena bedient. Hier ist ein Verkehrskreuz entstanden, das in der Mitte Deutschlands wichtige Fernstrecken miteinander vernetzt und so auch internationale Bedeutung erlangt hat.

Hochrangige Gäste

Die Bedeutung des Bahnhofs wurde mit der Gästeliste deutlich: Wolfgang Tiefensee, Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Erfurt Andreas Bausewein gaben dem gelungenen Projekt ebenso die Ehre wie Gerold Brehm, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für den Freistaat Thüringen und Dr. André Zeug, Vorstandsvorsitzender der DB Station&Service AG.

Zahlreiche geladene Gäste aus Politik und Wirtschaft, Verwaltung und Kultur waren der Einladung gefolgt. Die Bischöfe Dr. Joachim Wanke, Bistum Erfurt und Christoph Kähler, Föderation Evangelischer Kirchen in Mitteldeutschland segneten den Bahnhofsneubau während einer ökumenischen Andacht.

Respekt und Ausblick

Einig waren sich alle Festredner über die große Bedeutung des Verkehrskreuzes für den nationalen und internationalen Bahnverkehr. Das Investitionsvolumen von 430 Millionen Euro für den Bahnhof und die Strecke Erfurt – Würzburg mache „die Schieneninfrastruktur des Freistaates Thüringen fit für die Zukunft“, so Dr. André Zeug. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee sieht einen deutlichen Anstieg der Fahrgastzahlen für Erfurt, was die Infrastruktur des Landes durchaus beflügeln kann.

Ministerpräsident Dieter Althaus freut sich über Stärkung der Verkehrsinfrastruktur in Thüringen, eine sinnvolle Verknüpfung von Fern-, Nah- und Individualverkehr sei hier gelungen und der Freistaat werde auch wirtschaftlich davon profitieren.

Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein sieht nicht nur den neuen Bahnhof an sich, sondern insbesondere die Impulse für die Entwicklung des Bahnhofsumfeldes. Die Sanierung des ehemaligen Erfurter Hofes, der Willy-Brandt-Platz und die aufgewertete Bahnhofstraße seien für Gäste einladend und eine gute Visitenkarte für die Landeshauptstadt.

Technische Höchstleistungen

Beeindruckend ist schon auf den ersten Blick das imposante Hallendach von 10.000 Quadratmetern Fläche. Es dominiert die gesamte Konstruktion, lässt aber die historische Substanz, die erhalten wurde wirken und bildet eine harmonische Einheit mit dem sanierten Vorempfangsgebäude. Erinnern kann man sich an die anfängliche Skepsis bei den Erfurtern, die gewaltige Konstruktion werde die Bahnhofstraße erdrücken. Davon ist nichts mehr übrig, das Bild scheint angenommen.

Natürlich ist das Äußere auch hier nicht das Entscheidende, viel bedeutender ist die Erneuerung und Erweiterung der technischen Anlagen. So wurde ein hochmodernes elektronisches Stellwerk in Betrieb genommen, das auch zukünftigen Anforderungen gewachsen sein wird. Signal-, Oberleitungs- und Gleisanlagen wurden erneuert, der ICE-Verkehr hat neue Bahnsteige bekommen und erfährt in den kommenden Jahren weitere Modifizierungen.

Auch der Nahverkehr ist im Zuge dieses Großprojekts bedacht worden, der Neubau von Brücken und Teilstrecken sowie Übergängen ermöglicht eine deutliche Steigerung der Geschwindigkeiten und somit eine Verkürzung der Reisezeiten auch in diesem Verkehrsbereich. Durch moderne Stellwerke für den Regionalverkehr in Bad. Neustadt an der Saale und in Arnstadt wird die neue Strecke, die Thüringen mit Franken verbindet, optimal betrieben und eine Belebung der regionalen Wirtschaft ist zu erwarten.

Übergabe und Bahnhofsfest störungsfrei

Erstaunlich war, daß keine Proteste während des Ereignisses zu registrieren waren. Zum Einen kann man annehmen, daß die Erfurter den neuen Bahnhof schon gern angenommen haben, zum Anderen war aber auch genügend Sicherheit aufgeboten worden. Geschickt war die Terminierung, die Übergabe zeitlich etwas vom Fahrplanstart abzusetzen. Was nämlich bei Kritikern der Bahn zum neuen Fahrplan am 14. Dezember aufstoßen wird, ist die Preiserhöhung. Eines der Argumente dafür ist seitens der Bahn der Anstieg der Personalkosten. Daran zu glauben, fällt schwer angesichts der wachsenden Serviceprobleme für vor Allem ältere Menschen und Behinderte. Aber nicht nur diese sind betroffen, es gibt auch genügend junge Menschen, die mit schmalem Einkommen werktäglich auf regionalen Nahverkehr angewiesen sind und in erhebliche finanzielle Bedrängnis geraten. Das ist zwar vielleicht nicht allein Schuld der Preispolitik der Deutschen Bahn, griffige Angebote für solche Personenkreise wären aber mehr als notwendig.

Lutz Lehmann, Lutz Lehmann

Lutz Lehmann - Ich bin freiberuflicher Musiker und verfüge über langjährige Erfahrung im lokalen Fernsehen. Gute Kenntnis des kulturellen ...

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