Merzouga - Sahara-Trekking in der marokkanischen Erg Chebbi-Wüste

Sonnenuntergang - Martin A. M. Gansinger
Sonnenuntergang - Martin A. M. Gansinger
Bis zu 200 Meter hohe Sand-Dünen formen fantastische Wüsten-Landschaften, die zu einem unvergesslichen Trekking-Abenteuer einladen

Das Tor in die Sahara - von wo aus einst Karawanen ihren langen Weg nach Timbuktu begannen - befindet sich zwar weiter süd-westlich, in Zagora. Die beeindruckensten Sand-Dünen Marokkos gibt es aber im Erg Chebbi bei Merzouga zu bestaunen. Gelegen entlang einer langen Bergkette, welche die Grenze zu Algerien markiert, lockt dieser Ausläufer der Westsahara nicht nur Individual-Touristen und Naturliebhaber an. Neben den Rallye-Teilnehmern, die hier alljährlich Station machen, pilgern auch Rheuma-Patienten in die grösste Sandkiste der Welt, um sich - bis zum Hals eingegraben in den Wüstensand - von ihren Schmerzen zu erholen.

Prachtvolle Dünen, üppige Oasen und fossile Schätze

Eine weitere Besonderheit des Erg Chebbi besteht darin, dass sich bereits wenige Meter unter dem Sand kostbares Nass findet, das für teils üppige Vegetation sorgt und dem Sand seine erdige Ockerfarbe verleiht. Nicht umsonst gilt Merzouga als die Region mit den grössten Wasser-Ressourcen in Marokko. Neben majestätischen Palmen sorgen vor allem die zahlreichen Aloe Vera-Pflanzen für wohltuende grüne Farbsprengsel. Im feinen Sahara-Sand finden sich aber auch Schätze wie versteinertes Holz und fossile Überreste, die ein geschichtsträchtiges Grats-Souvenir darstellen.

Stolze Berber-Nomaden

Vereinzelt sind auch heute noch Berber-Nomaden in der Wüste anzutreffen, die kleine Oasenplantagen betreiben, von Viehzucht leben oder sich mit der Bewirtung von hungrigen Sahara-Touristen den wöchentlichen Einkauf ihrer Nahrungsmittel-Vorräte in Merzouga finanzieren. Auch viele der Guides, die für die Durchführung der Touren verantwortlich sind, stammen aus diesem stolzen und schweigsamen Volk und sind selbst als Nomaden aufgewachsen.

Anreise

Erreichen lässt sich Merzouga über die Dattel-Metropole Erfoud, die von zahlreichen Linien-Bus-Unternehmen angesteuert wird. Schwindelfreien Landschafts-Liebhabern sei besonders die Etappe Marrakech-Ourzazate ans Herz gelegt, die über die atemberaubenden Gipfel des Hohen Atlas führt. Für eilige Reise empfiehlt es sich direkt von Rabat aus einen Flug nach Ourzazate zu buchen oder die Route von Fez aus über den Mittleren Atlas zu wählen. Von Erfoud aus fahren Mini-Busse und Taxis nach Merzouga, viele Biwak-Camps bieten aber auch ein Abholservice an.

Unterkunft/Trekking

Im Erg Chebbi gibt es mehrere Anbieter von Touren mit Geländewagen, ATVs und Motorrädern, Kamel-Trekking und Biwak-Unterkünften. Das Preisniveau variiert mit dem gebotenen Luxus, der vom einfachen Nomaden-Zelt bis zum Wüstenschloss mit Offroad-Flotte reicht. Die Auswahl reicht von Kurz-Trips bis hin zu einwöchigen Kamel-Trekkings, die sowohl in die spektakulären Dünen-Landschaften als auch ins angrenzende Gebirge führen. Neben Sonnenschutz-Utensilien für Augen, Kopf und Haut empfehlen sich warme Kleidungsstücke für die Nacht als Ausrüstungsgegenstände.

Brunch im Berber-Zelt

Ein guter Tag in der Wüste beginnt mit einem herrlichen Sonnenaufgang, der auf keinen Fall verschlafen werden sollte. Aber auch der Rest des Tages wird ganz von dem allgegenwärtigen Himmelskörper bestimmt. Nach einem zeitigen Abmarsch vom Basis-Camp und den ersten Stunden im Kamel-Sattel bietet ein ausgedehnter Brunch im Berber-Zelt - wie üblich umrandet von reichlich Minze-Tee und Keksen - Gelegenheit, die aufkommende Mittagshitze auszusitzen. Bis die anschliessende Siesta beendet ist, haben die Temperaturen wieder erträgliche Werte angenommen und der kühlender Wind kündet bereits vom Ende des Tages.

Sternenhimmel in der Sahara

Der späte Nachmittag ist aber auch die beste Zeit, sich gut gestärkt noch einmal auf den Rücken seines Kamels zu begeben und die letzte Etappe des Tages in Angriff zu nehmen. Auch das Erklimmen der beeindruckenden Sand-Dünen fällt um diese Tageszeit nicht allzu schwer. Nach Erreichen des Nachtlagers gilt es sich noch einmal zu beeilen und den perfekten Platz ausfindig zu machen, an dem sich das Schauspiel des Sonnenuntergangs gebührend zu Gemüte führen lässt. Unter einem vollkommenen Sternenhimmel rückt die Milchstrasse zum Greifen nahe heran und es bleibt nur noch, sich in der allumfassenden Stille der Wüstennacht am Lagerfeuer sitzend vom Tag zu verabschieden.

Gemächliches Schauckeln am Wüstenschiff oder actionreiche Quad-Rallye

Der Ritt am Kamel ist zwar schon ein Erlebnis für sich und die legendäre Entspanntheit des gemütlichen Lastenträgers trägt seinen Teil zum perfekten Wüsten-Erlebnis bei. Andererseits kann diese Art der Fortbewegung aber auch zur Belastungsprobe für Rücken und Bandscheiben werden. Ein flinkes Quad-All Terrain Vehicle bieten eine actionreiche Alternative und garantiert zügiges Vorankommen für alle, die es eilig haben.

Martin Gansinger, Martin Gansinger

Martin Gansinger - Dr. Martin A. M. Gansinger arbeitete u.a. als Ao. Univ.-Professor für Kommunikationswissenschaft an der European University of Lefke ...

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