
- Für Lisa - Insel Verlag
Sein Internet-Auftritt ist typisch, ehrlich – und lässt schmunzeln: Da liest nämlich der neugierige Surfer nach einem „Herzlichen Willkommen“ das Eingeständnis, „ich muß zugeben, dass ich mit dem Medium Internet nur am Rande zu tun habe. Wenn ich schreibe, ist mir die alte Schreibmaschine und das Handschriftliche lieber als der Computer“. Jener graubärtige „Krieger“, der sich so unverhohlen zum Ende des Jahres 2011 mitteilt – es ist der Sozialdemokrat Erhard Eppler. Am 9. Dezember 2011 ist er 85 Jahre alt geworden. Wer ihn kennt, mag schon staunen, dass er es zugelassen hat, dass ihm jemand das Portal mit Biographie, Aktuellem, einer Bibliographie gestaltet hat. Sachlich und spröde, wie der Politiker nicht immer war, aber meistens wirkte.
Differenzen mit Bundeskanzler Helmut Schmidt
Erhard Eppler, der jetzt 85 Jahre alte Politiker, verkörpert ein gutes, ein wesentliches Stück Bundesrepublik; in deren föderalem Aufbau genauso wie in vielerlei Facetten der Bundes-, der Bonner Republik. Der am 9. Dezember 1926 in Ulm geborene Gymnasiallehrer (Deutsch und Geschichte), im Jahr 1951 zum Dr. phil. promoviert, begründete im Jahr 1952 zusammen mit dem späteren Bundespräsidenten Gustav Heinemann die Gesamtdeutsche Volkspartei. Sie haben sich vier Jahre später der SPD zugewandt. Dort war Eppler Mitglied im Parteivorstand, im Präsidium, SPD-Landesvorsitzender in Baden-Württemberg, Leiter der Grundwertekommission der Partei. Für die Sozialdemokraten saß er von 1961 bis 1976 im Bundestag; 1968 wurde er Bundesminister für Wirtschaftliche Zusammenarbeit. Aus dem Amt schied er 1974 wegen tiefgreifender Differenzen mit Bundeskanzler Helmut Schmidt.
Weder Pietist noch Marxist
Dieser Sozialdemokrat hat tiefe Spuren hinterlassen in der Entwicklungsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland. Nicht selten wurde er dabei, auch von den eigenen Genossen, ziemlich verkannt. Böse beispielsweise war das Wort des früheren SPD-Fraktionsvorsitzenden Herbert Wehner, der ihn als “Pietcong“ bezeichnete, als Mischung aus hochfahrenden Pietisten und Marxisten. Er war keines von beidem. Ein Querdenker allerdings war er allemal, zugleich einer, der wusste, „dass die Utopie von heute die Realität von übermorgen“ ist, wie es der schwäbische Schriftsteller Thaddäus Troll einmal gesagt hat.
Präsident des Evangelischen Kirchentags
Dieser Politiker, der nie Fanatiker war, der vielmehr aus einem liberalen Elternhaus stammte, das dem Gedankengut Friedrich Naumanns verpflichtet war, hat sich zugleich auch stets in der Evangelischen Kirche engagiert. Mehrfach war er beispielsweise Präsident des Evangelischen Kirchentags. Was ihn geprägt hat, schon früh, lässt sich nachlesen in seinen Briefen an seine Enkelin Lisa, erschienen unter der Überschrift „Als Wahrheit verordnet wurde; eine Jugend zwischen 1933 und 1945“.
Vor genau 20 Jahren, 1991, hat er der Politik „Auf Wiedersehen“ gesagt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn vor drei Jahren hat er sich zwischenzeitlich zurückgemeldet, mit Gedanken zu „sozialdemokratischen Zukunftsprojekten“. Erhard Eppler – immer den Blick nach vorn gerichtet; auch im hohen Alter.
