
- Ein Häuschen in Blankenese - Katharina Hamberger
Vom Wasser aus betrachtet, sieht Blankenese fast aus wie Italien: Kleine helle Häuschen schmiegen sich an einen Hang, durchzogen von engen Gässchen. Alles wirkt sehr friedlich und idyllisch. Das ehemalige Fischerdorf im Westen Hamburgs wurde 1301 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Von da an war es noch ein weiter Weg zum Teil der Hansestadt: 1640 wurde Blankenese dänisch, 1850 fiel es an Holstein, 1866 an Preußen, zum heutigen Hamburger Stadtteil Altona gehört es seit 1927 und tatsächlich zur Hansestadt seit 1937.
Heute hat Blankenese den Ruf eines Viertels für Reiche. Was sicherauch nicht verkehrt ist. Überall findet man riesige Häuser: Alte oder moderne Villen, die einen mit offenem Mund stehen undstaunen lassen und viele Herrenhäuser.
Schmale Gässchen und steile Treppen
Das ist es aber nicht unbedingt, was den Reiz von Blankenese ausmacht. Vielmehr sind es die Dinge, die den Ort früher bestimmt haben: Kleine Fischerhäuschen, zum Teil seit Generationen in Familienbesitz, die wie willkürlich in den Hang, der hinunter zur Elbe führt, hineingebaut wirken.
Man läuft auf schmalen Wegen an ihnen vorbei, bis man am Strandweg angekommen ist. Falsch machen kann man nicht viel, wenn man ans Wasser will: Es geht nur bergab. Die Straßen heißen Rutsch oder auch Steiler Weg. Das sagt einiges. Die vielen Treppen, die die Gässchen immer wieder unterbrechen, geben diesem Teil von Blankenese seinen Namen: Das Treppenviertel.
Wer sich nicht hinuntertraut, oder die Anstrengung des Rückwegs nicht auf sich nehmen will, der kann auch mit dem Bus fahren. „Bergziegen“ nennen die Blankeneser liebevoll die kleinen Fahrzeuge der Linie 48, weil sie sich wendig, wie eben diese Tiere durch die engen Straßen manövrieren lassen. Autos sind fast keine unterwegs.
Kleinstadtflair
Was Blankenese außerdem ausmacht: Es ist eine Kleinstadt, mit der Großstadt vor der Haustür. Die Blankeneser gehen nicht mal schnell einkaufen. Sie gehen „ins Dorf“. Wer nach Hamburg fährt, fährt „in die Stadt.“ Diese Kleinstadtatmosphäre geht auch sofort auf die Besucher über. Hamburg scheint plötzlich weit weg. Nicht nur weil man geradefast eine halbe Stunde mit der S-Bahn von der Innenstadt hierher gefahren ist. Auch weil es plötzlich so ruhig ist. Alles scheint ein wenig langsamer zu gehen. Eine angenehme Erfahrung. Niemand hetzt einen oder schubst sich vorbei, wenn man mal kurz auf dem Weg nach unten an den Elbstrand stehen bleibt, um die Aussicht zu genießen.
Wenn man richtig steht, am besten noch ein bisschen höher, nämlich auf dem Süllberg, hat man eine wunderbar weite Sicht bis zum Obstanbaugebiet Altes Land und der Insel Neßsand. Außerdem sieht man das Mühlenberger Loch. Es ist heute das größte Süßwasserwatt Europas und eine Buchtsüdlich des Hauptstroms der Elbe, auf welchem sich hin und wieder gemächlich eines der riesigen Schiffe auf seinem Weg zum Hamburger Hafen vorbeischiebt.
Essen und Trinken
Nicht nur sehen, sondern manchmal auch spüren kann man sie beim Essen im Restaurant „Fischclub“ am Strandweg. Sitzt man in dem Lokal, dass sich direkt auf dem Fähranleger befindet und einer dieser schwimmenden Riesen fährt an einem vorüber, hat man das Gefühl, das Lokal schaukele ein wenig. Aber eben nicht viel. Das Restaurant hat neben der tollen Aussicht auf das Wasser auch noch gute Gerichte auf der Karte. Zumeist Fisch. Das Publikum ist so, wie man es sich vielleicht für Blankenese vorstellen mag. Gut gekleidet und wohl eher mit weniger Geldsorgen. Das Ambiente wirkt aber nicht übermäßig schick oder übertrieben, mehr natürlich und ursprünglich.
Für die Kaffeepause nach einem Spaziergang an der im Moment ziemlich kalten Luft, lässt es sich gut in einem der Cafés in Blankenese aushalten. So wie zum Beispiel in Lühmanns Teestube. Ein gemütliches Lokal mit gemischtem Publikum: Junge Eltern mit Kindern, Pärchen oder Freunde, die sich über alte Zeiten unterhalten. In dem verschieden gestalteten Räumen hängt ein wenig das Flair alter Fischerzeiten. An den Wänden sind unzählig viele Bilder von Booten und Schiffen. Die Möbel sind ein bisschen wacklig, was am alten Dielenboden liegen mag, und aus Holz. Tee oder Kaffee gibt’s in runden Bechern aus Ton, an die sich die kalten Hände gut anschmiegen können und die Kuchenstücke sind groß und zum Teil in außergewöhnlichen Sorten.
Solche Cafés stehen mehr für das etwas andere Blankenese, jenes, welches nicht dem Klischee vom Bonzenort entspricht. So wie auch Schuldts Kaffegarten. Das Lokal auf dem Süllberg hat eine lange Tradition. Als Blankenese noch Kurort war, kamen die ärmeren Hamburger hierher, um sich den selbstmitgebrachten Kaffee mahlen und aufbrühen zu lassen. Belohnt wurde die Sparsamkeit mit einem gigantischen Elbblick. Auch heute ist das Kaffeeangebot bei Schuldts noch minimalistisch. Latte Macchatio oder sonstige Kreationen fehlen auf der Karte.
Große Sehenswürdigkeiten hat Blankenese nicht. Trotzdem sollte man dieses Kleinod am Rande Hamburg besuchen. Schrieb doch schon Hans Leip in seinem Gedicht „Blankenese“: „Ein Dorf, das wie ein Eden liegt?Und sanft nach Grog und Flundern riecht.?Von angenehmen Parks verschönt,?von einer Gastwirtsburg gekrönt.“
