
- Andreas Hamann präsentiert seine Erzeugnisse - Wilhelm Ruprecht Frieling
Weit über die Grenzen der Stadt Berlin hinaus bekannt ist die Erich Hamann KG für erlesenes Konfekt und Schokolade. Nach klassischer Rezeptur werden hier in Handarbeit vor allem Bitter- und Borkenschokolade hergestellt.
Konfektmacher seit 100 Jahren
Wer das Ladengeschäft in der Brandenburgischen Strasse 17 in Laufnähe des Adenauerplatzes betritt, wird in die Vergangenheit versetzt. Er blickt auf ein Interieur, das seit 1928 nahezu unverändert erhalten ist: Die Ladeneinrichtung stammt vom Begründer der Farbtypenlehre Johannes Itten. Den Bauhauskünstler hatte Unternehmensgründer Erich Hamann beim Segeln auf dem Wannsee kennen gelernt.
Hamann gründete seine Manufaktur für feines Konfekt anno 1912 und errichtete 14 Jahre später das Gebäude, in dem auch heute noch produziert wird. Der Firmensitz blieb im Bombenkrieg verschont und präsentiert sich weitgehend im ursprünglichen Gewand.
Unternehmer in dritter Generation
Andreas Hamann, Enkel des Gründers, führt heute die Geschäfte der Manufaktur. Mit seinem Vater steht er an einer historischen Granitwalze, auf der die Borkenschokolade produziert wird. Wie vor hundert Jahren werden Borkenschokolade und hauchfeine Schokoplatten hergestellt.
Zwölf Fachkräfte für Süßwarentechnik helfen, die hochwertige Kuvertüre zu verarbeiten. Dabei haben zartbittere Sorten mindestens fünfzig, bittere mindestens 70 Prozent Kakaoanteil.
Für die Handfertigung von Konfekt werden noch Original-Metallformen eingesetzt, die der Firmengründer ersann und herstellen ließ. So werden über 60 verschiedene Sorten Pralinen mit Sorgfalt und Hingabe geschaffen.
Design überdauert Jahrhunderte
Äußeres Zeichen der Beständigkeit des Unternehmens sind die zeitlos zart karierten Konfektschachteln mit blauen Schleifen und der geschwungene Firmenschriftzug, die beide wie vor hundert Jahren eingesetzt werden.
Hamann grenzt sich bewusst von Kettenläden und Discountern ab. Er möchte mit seinen Produkten das Geschmackserlebnis Kakao sinnlich erfahrbar machen und dennoch erschwinglich bleiben. Dabei betont er auch die gesundheitliche Bedeutung guter Schokolade, die nachweislich blutdrucksenkend wirken kann.
Dazu zählt Andreas Hamann auch die Verwendung natürlicher Produkte, die zum Kakao passen. So gibt es wohlschmeckende Schokolade mit rotem Pfeffer und Chili, mit Kaffee und Mocca aber auch mit fermentiertem Ceylontee sowie unfermentiertem grünen Tee.
Wachsendes Bewusstsein für Qualität
Das Interesse an hochwertigen Schokoladenprodukten steigt durch ein wachsendes Qualitätsbewusstsein spürbar an, sagt der Konfektmacher. Neben einer treuen Stammkundschaft interessieren sich zunehmend jüngere Menschen für seine hochwertigen Leckereien.
Es sei auch nicht mehr so, dass sich eher eine männliche Klientel für bittere Schokolade (früher hießen die Produkte bisweilen deshalb „Herrenschokolade“) interessieren. Schließlich sei die einstige geschmackliche Trennung Deutschlands in Nord (bitter) und Süd (süß) lange Vergangenheit.
Fachhandel und Direktvertrieb
Um die Marke kontrollierbar zu halten, werden ausschließlich Fachgeschäfte beliefert. Rund 50 Einzelhändler in Berlin und weitere 70 in deutschen Landen vertreiben jährlich vierzig Tonnen Naschwerk aus der Manufaktur.
Gern werden die Erzeugnisse des Konfektmachers auch an Privatkunden versandt. Auf diesem Weg gelangen Hamanns Ingwer-Stäbchen, Borkenschokolade, Mokka-Bohnen, Schokotafeln und Konfekt buchstäblich in aller Munde.
Wer das Stammhaus selbst aufsucht, kann die verschiedenen Spezialitäten verkosten und wird fachmännisch beraten. Außerdem bietet der Eintritt in Erich Hamanns Ladengeschäft eine nostalgische Zeitreise fernab großstädtischer Hektik.
