
- Natur und Skulptur im Einklang - Kunststiftung Erich Hauser
Am 15. Dezember 2010 hätte der Künstler Erich Hauser seinen 80.Geburtstag gefeiert. Er starb am 28. März 2004 in Rottweil, wo er im Lauf von Jahrzehnten sein Anwesen zu einem eindrucksvollen Park ausgebaut hatte. Auf dem weitläufigen Gelände sind zahlreiche Skulpturen des Stahlbildhauers ausgestellt. Am Rande des Parks befinden sich außerdem die ehemaligen Werkstätten Hausers, die Wohnpyramide, in der er bis zu seinem Tod 2004 lebte und das ehemalige Wohnhaus, in dem seine Kunstsammlung untergebracht ist. Zwischen April und September ist das Gelände am jeweils letzten Sonntag im Monat auch öffentlich zugänglich und bietet jedem die Möglichkeit, sich mit der Kunst Erich Hausers vertraut zu machen und die Verbindung von Architektur, Landschaft und Bildhauerei zu bestaunen.
Vom Stahlgraveur zum Künstler Erich Hauser
Erich Hauser wurde 1930 in Rietheim im Landkreis Tuttlingen geboren, nach der Volksschule absolvierte er eine Lehre als Stahlgraveur, nahm jedoch − wie seiner Biografie zu entnehmen ist – zu dieser Zeit bereits Unterricht im Zeichnen und Modellieren im Kloster Beuron. Über Abendkurse an der Freien Kunstschule in Stuttgart gelang es ihm, sich aus einfachen Verhältnissen heraus zu einem bedeutenden Künstler zu entwickeln. Bereits mit 22 Jahren begann Hauser seine Laufbahn als freier Bildhauer in Schramberg. Nachdem ihm in den sechziger Jahren der künstlerische Durchbruch gelungen war, wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, er nahm mehrmals an der Documenta teil und war auch international sehr erfolgreich, so wurde ihm 1969 der Große Preis der X. Biennale in São Paulo verliehen. Hauser war Mitglied der Berliner Akademie der Künste, bekam 1986 vom Land Baden-Württemberg den Professorentitel verliehen und war seit den 70er Jahren einer der erfolgreichsten Bildhauer im öffentlichen Raum in Deutschland.
Die raumgreifenden silberglänzenden Stahlskulpturen Erich Hausers ziehen in vielen Städten die Blicke der Passanten auf sich. Hauser-Skulpturen stehen etwa vor der Neuen Pinakothek in München, auf der Skulpturenmeile in Hannover oder vor der Mannheimer Kunsthalle. Innen sind die Edelstahlgebilde, die sich mit den geometrischen Grundformen auseinandersetzen, hohl. Während die frühen Kunstwerke noch raue Oberflächen hatten, entschied sich Hauser später für glatte Oberflächen.
Der Skulpturenpark in Rottweil
1970 zog der Künstler nach Rottweil, wo er neben seiner Werkstatt in der sogenannten Saline im Industriegebiet mit der Schaffung eines eigenen Skulpturenparks begann. Mehr als 30 000 Quadratkilometer misst der hügelige Park. Einige der zum Teil riesigen Skulpturen kann man von außen sehen, jedes Jahr von April bis September ist der Park jedoch am letzten Sonntag im Monat für Besucher kostenlos zugänglich, wer an einer Führung teilnimmt bezahlt 2,50 Euro. Wenn man dann über das Gelände spaziert, kann man das Zusammenwirken der Skulpturen, die keinen chronologischen Vorgaben folgen und Hausers Schaffen von den 60er Jahren bis zum Jahr 2003 dokumentieren, mit der Parklandschaft und den Gebäuden erleben. Neben der ehemaligen Werkstatt, einem Fachwerkgebäude, sind dies die neue Werkstatthalle am Rande des Parks, das ehemalige 1970 errichtete Wohnhaus des Bildhauers und die später erbaute Wohnpyramide, die sich ebenfalls harmonisch in das Ensemble aus Parklandschaft, Skulpturen und Gebäuden einfügt.
Ausstellungen, Bastelworkshops und Kunstpreise
In der Werkstatthalle, die Hauser bauen ließ, als das niedrige Fachwerkgebäude nicht mehr genügend Platz bot, um die größer werdenden Skulpturen zu fertigen, finden an den offenen Sonntagen für Kinder und Jugendliche kostenlose Bastelworkshops statt. Anwesend sind dann auch eingeladene Künstler, die sich gemeinsam mit den Acht- bis Sechzehnjährigen dem Werk Erich Hausers nähern und dem Nachwuchs Anregungen für eigenes künstlerisches Gestalten geben. Außerdem wird die Halle, ebenso wie die frühere Werkstatt, für Ausstellungen genutzt. So wird seit 2008 der Erich-Hauser-Preis an einen Künstler aus dem engeren Kollegen- und Freundeskreis des Bildhauers verliehen, verbunden mit einer Ausstellung des Preisträgers in der Werkstatthalle. Bereits 1997 vergab Hauser, dem die Kunstförderung sehr wichtig war, erstmals den Werkstattpreis zur Förderung junger Künstler, der bis 2007 jährlich verliehen wurde und nun alle zwei Jahre im Wechsel mit dem Erich-Hauser-Preis vergeben wird.
Konzerte, Vorträge und Projekte
Im ehemaligen Wohnhaus Hausers ist heute seine Kunstsammlung untergebracht, die den Schwerpunkt auf die Malerei der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts legt und an den offenen Sonntagen ebenfalls zu besichtigen ist. Verwaltet wird das Anwesen, auf dem auch regelmäßig Konzerte, Vorträge und weitere Aktivitäten stattfinden von der von Hauser 1996 gegründeten Kunststiftung Erich Hauser, die auch die Preisverleihungen organisiert. Die Stiftung dient dazu, die Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur unter besonderer Berücksichtigung der Bildhauerei zu unterstützen, insbesondere jedoch, das künstlerische Werk Erich Hausers zu fördern, der Allgemeinheit zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
