Erich Mendelsohn - Kaufhaus Schocken Stuttgart

Ein einheitliches Gebäude aus vier unterschiedlich hohen Bauteilen

Abschüssiges und assymetrisches Baugelände ergaben einen Entwurf mit abweichenden Fassaden. Das repräsentativ runde Schaufenster lockte die Kundschaft in den Haupteingang

Der Berliner Architekt Erich Mendelsohn plante im Laufe seiner Karriere mehrere Kaufhäuser. Gleich für drei Bauprojekte dieser Art beauftragte ihn die Warenhauskette Schocken in den 20er Jahren. Die Gebrüder Schocken expandierten in den zwanziger Jahren aus Sachsen zunächst nach Nürnberg, wo Mendelsohn eine Fabrikanlage in ein Kaufhaus umbaute. Im Laufe der Jahre wurde er zu einer Art Generalgestalter für die Firma Schocken. Neben drei Bauten entwarf er eine Corporate Identity: eine Schrift, Plakate und Prospekte. Zur Eröffnung des Stuttgarter Kaufhauses verteilte man einen "Führer durch das Kaufhaus Schocken Stuttgart", dessen Vorderseite eine dynamische Skizze Mendelsohns zeigte. Bis 1930 entwickelte sich die Firma Schocken zu Deutschlands fünft größten Kaufhauskonzern.

Schwierige Baubedingungen

Ein brillianter Kaufhausbau entstand in Stuttgart 1926-1928. Viel edler als das Warenhaus in Nürnberg gestaltete der Architekt diesen Stahlskelettbau. Es wurde sein bedeutenster Kaufhausentwurf, obgleich das Baugrundstück abschüssig und assymetrisch war und eingebunden von unterschiedlich breiten Straßen. Es entstand ein vier bis sechs Stockwerk hohes Bauwerk mit vier Flügeln, unterschiedlich hohen Bauteilen und voneinander abweichenden Fassaden. Dennoch formte er den Bau zu einer Gesamtheit. Hauptaugenmerk lag auf dem großen, rund verglasten Treppenturm über dem Haupteingang zur Eberhardtstraße. Im Erdgeschoss empfing man Kunden mit einem nach oben angeglichenen runden Schaufenster, das in den Haupteingang daneben lenkte. Drei Seiten der Fassade zierte dunkler Eisenklinker. Angelehnt an den Stadtteil Cannstatt verwendete man als Baustoff edles Cannsttätter Travertin zwischen Klinker und Fenster an der Schaufront.

Stilkunde - Firmenname in Riesenlettern

Oberhalb der seitlichen Schaufenster an der Schaufront zierten 2,30m hohe Leuchtbuchstaben die Fassade. Der Firmenname "Schocken" erstreckte sich über die gesamte Breite des südöstlichen, niedrigeren Bauteils. Um diesen Schriftzug musste Mendelsohn kämpfen. Sie gehörten zum Gesamtbild seiner Architektur dazu und waren in gestalterischer Abstimmung mit Höhe der Fenster und des Gebäude entstanden.

Schlichtheit im Inneren

Die Innenräume überzeugten durch vornehme Schlichtheit. Überwiegend Holzmöbel statteten die Stockwerke aus. Im Zentrum der Verkaufsräume konnte man diese von einem oval gestalteten Aussichtsbalkon von oben betrachten. Mit heutigen klimatisierten Kaufhäusern sind die damaligen Standards nicht vergleichbar. Klimaanlagen gab es damals noch nicht. Man lüftete über die Vielzahl an Fenstern. Den Lebensmittelverkauf verlagerte man ins Untergeschoss, da es dort kühler war. Eine Wareneinteilung, die man bis heute übernommen hat.

Der traurige Abbruch eines beispielhaften Kaufhauses

Den Zweiten Weltkrieg überlebte der Bau. Doch in den 60er Jahren musste er einem Zweckbau von Egon Eiermann weichen, fensterlos und kubusformig. Auch starke Proteste nutzen nichts. Begründung war unter anderem der offene Innenhof, der nach Ansicht des Bauherrn zwecklos war. Ein Bestandteil, zu dem die Baubehörde Mendelsohn genötigt hatte.

Katrin Braun, Foto Sauter München

Katrin Braun - Nach meinem Studium der Geschichte fand ich bald Gefallen am Verlagswesen. Publizieren im Print- und Onlinebereich begeisterte mich von ...

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