Der Bau eines Pelzhauses, eines Hauses allein für den Verkauf von Pelzen! Das passt gewiss nicht in die Jahre des neuen Jahrtausends und auch nicht in die 70 Jahre zuvor. Das Haus entstand in den Goldenen Zwanzigern, es wurde zwischen 1923 und 1929 geplant und errichtet. Anschauen kann man sich das Vorzeige-Kaufhaus heute nicht mehr. Im Zweiten Weltkrieg wurde es zerstört.
Aus Drei mach Eins - Umbau und Erweiterung
Berlin, Leipziger Straße, die damalige Shoppingmeile der Hauptstadt schlechthin. Das Kaufhaus Herpich war ursprünglich in zwei Altbauten beheimatet. In Gebäuden, die äußerlich nicht wirkungsvoll genug waren und im Inneren nicht den Ansprüchen gerecht wurden. Man gab Mendelsohn der Auftrag, die beiden alten Bauten umzubauen. Zusätzlich sollte auf dem Nachbargrundstück ein Erweiterungsbau entstehen, wofür ein Haus abgerissen wurde. Die Bauphase war von 1925 - 1929. Das umgebaute und erweiterte Haus erhielt den Anschein eines kompletten Neubaus. Die verglaste Fassade fasste die drei Häuserfronten gleichmäßig zusammen. Auch eine Aufstockung von zwei neuen Obergeschossen erhielt das Gebäude. Diese mußten man laut Berliner Bauordnung zurückgesetzt errichtet werden, da sie sonst die Straße verschattet hätten.
Perfekte Planung der Fassade im Detail
Mendelsohn versuchte aus Fehlern bestehender Kaufhausbauten zu lernen und es am eigenen Gebäude besser zu machen. Ein paar Hundert Meter weiter östlich in der Leipziger Straße lag das Warenhaus Tietz. Eine große Glasfassade zeichnete die Architektur des Gebäudes aus. Nachteil war, dass die Fenster in den Obergeschossen weder mit Tischen gestaltet werden konnten, noch als Schaufenster nutzbar waren. An der Ecke Leipziger Platz stand das Kaufhaus Wertheim. Es galt bislang als führend in der deutschen Kaufhausarchitektur. Eine vertikale Fassade mit gotischen Pfeilern ließen jedoch nur kleine Schaufenster am Gebäude zu. Mendelsohn löste das Fassadenproblem beim Herpich'schen Pelzhaus anders. Er hängte eine Glasfassade in horizontaler Form vor die Wand und verglaste auf diese Weise sowohl Erdgeschoss als auch Obergeschoss, so dass man Verkaufsmöbel vor die Fenster stellen konnte. Die Fenster ermöglichten zusätzlich eine bessere Belichtung der Verkaufsräume. Seitlich war die Fassade durch jeweils zwei schlanke Erker mit abgerundeten Fenstern eingefasst. Auerkalkplatten und eine bronzene Fassung der Fenster, Erker und Gesimse verliehen dem Bau eine räumliche Wirkung. Insgesamt muss die Außenerscheinung wohl sehr elegant und edel gewesen sein. Diesen Effekt verstärkte Mendelsohn zusätzlich durch eine Anreihung von Glühbirnen unterhalb der Fenstersimse. Nachts beleuchteten diese die Wande indirekt. Schon bald ahmten viele Architekten seine Beleuchtungsweise nach, und die horizontale Verglasung galt als Vorbild für zukünftige Kaufhausbauten.
Beginn einer Marktlücke - das Baugerüst als Werbefläche
Marketingmaßnahmen steckten damals zwar noch in den Kinderschuhen. Jedoch war die Idee des Architekten, das Baugerüst so zu gestalten, daß es mit Reklame geschmückt werden konnte, revolutionär und erhielt hohe Beachtung. Durchaus kann man dies als Vorläufer heutiger Fassadenplakate betrachten.
