Ericksons Hypnose-Methode

Seine persönlichen Erfahrungen wurden die Basis der Hypnotherapie

Kämpfend gegen eine schwere Krankheit fand Milton H. Erickson seinen eigenen Weg zur Hypnose. Obwohl er keine Theorie hinterließ, beeinflusste er die weitere Entwicklung

Die moderne Anwendung der Hypnose in der Psychotherapie hat der amerikanische Psychiater Milton H. Erickson (1901 – 1980) mitgestaltet und stark beeinflusst. Er hat dafür eigene Erfahrung eingebracht.

Der Kampf gegen Krankheit

Entscheidend für diese Karriere war seine schwere Erkrankung. Mit 17 erlitt Erickson Kinderlähmung. Dem Tode nahe überlebte er nur knapp. Völlig gelähmt saß er im Rollstuhl; er konnte sich weder bewegen noch verständigen.

In nur einem Jahr gelang ihm aber das Unmögliche: Er schaffte es, mit Krücken wieder zu laufen. Übermütig unternahm er sogleich eine viermonatige Reise mit dem Kanu auf dem Mississippi und bezwang den Fluss und die eigene Schwäche. Später legte er die Krücken ganz ab.

Die Kinderlähmung suchte ihn nochmals im Alter von 51 Jahren heim. Und auch sonst plagten ihn über Jahrzehnte chronische Schmerzen in Muskeln und Gelenken. Seine körperliche Verfassung verschlechterte sich zunehmend. In den letzten Jahren konnte er sich nur im Rollstuhl bewegen. Dennoch arbeitete er bis zum Schluss unermüdlich weiter.

Am Anfang war die Selbsthypnose

Er nutzte die Selbsthypnose, um sein Leid zu bekämpfen. Dabei stellte er fest, dass die hypnotische Trance einen Zugang zu eigenen Ressourcen öffnete. Eine Therapie sollte lediglich auf dem Wege dahin helfen.

Erickson hat seine Forschung weder in eine Theorie umgeformt, noch sich um eine Systematisierung bemüht. Wahrscheinlich lag der Grund darin, dass er in jedem Patienten einen einzigartigen Fall sah. Demnach hätte jeder einer eigenen Theorie bedurft. Gleichwohl kann man aus Ericksons Werk und Nachlass einige Regeln herausformulieren. Seine Methode breitete sich auch in Deutschland aus.

In sich selbst suchen

Erickson glaubte, dass nur wir selbst uns helfen können. Jeder trage die Fähigkeit in sich, sich zu verändern und seine Probleme selbst zu lösen. Allerdingsrealisiere man dies in einer Krise oder Notlage meist nicht. Die entsprechenden Ressourcen seien jedoch im Unbewussten verborgen. Für Erickson glich das Unbewusste einer Schatzkammer.

Auf dem Weg zur Lösung müsse jeder die erworbenen und die selbst gesetzten Barrieren überwinden. Dafür sollten Patienten die gewohnten Muster und Loyalitäten in Beziehungen und in der Familie durchbrechen. Die Lösung des Problems führe somit durch eine völlig neue Ausrichtung.

Hypnose als Kommunikation

Erickson verstand Hypnose „als eine komplexe Form der Kommunikation, bei der in verbaler und nonverbaler, direkter und indirekter, expliziter und metaphorischer Weise dem Klienten geholfen wird, seine durch bewusstes Denken und vorbewusste Wertungen eingeengte Flexibilität zu erweitern“.

Er selbst galt als ein virtuoser Erzähler von Anekdoten, Geschichten und Metaphern und schaffte es, seine Patienten in die Trance hineinzureden.

Mit Patienten arbeiten

Die Hypnosetherapie diente der Mobilisierung eigener Kräfte des Patienten. Um dies zu erreichen, solle sich der Therapeut auf den jeweiligen Patienten und dessen Eigenarten einlassen.

Der Patient solle dem Therapeuten als Ganzheit – mit all seinen Charakterzügen und Verhaltensmustern – erscheinen und nicht zu seinem Problem reduziert werden.

Verwirren

Erickson glaubte, dass die Verwirrung einen guten Boden für die Bereitschaft darstellt, Änderungen vorzunehmen. Wer in diesen Zustand gerrate, habe schon den ersten Schritt getan. Demjenigen falle es dann leichter, die vertrauten Gewohnheiten zu verlassen und sich in die unwillkürliche Trance zu wagen.

Ein Beispiel dafür könnte ein begrifflicher Wirrwarr liefern:

„Um in Trance zu gehen, müssen Sie verstehen, dass Sie verstehen, was Sie unbewusst richtig machen, wenn Sie sich bewusst entschieden haben in Trance zu gehen. Denn Sie wissen nicht, ob Sie bewusst mehr von dem lernen, was Ihr Unbewusstes schon immer richtig gemacht hat oder ob Sie unbewusst davon lernen, was Sie bewusst immer wieder richtig entschieden haben“.

Die Starre umgehen

Um den Widerstand des Patienten zu vermeiden, indem man an der „Fassade“ seiner festen Überzeugungen rüttelt, sollen Suggestionen nur indirekt, beiläufig gegeben werden. Metaphern eignen sich nach Meinung Ericksons besonders für diese Aufgabe.

Bescheiden

Seine Rolle sah Erickson nüchtern: Nicht der Therapeut, sondern das Unbewusste des Patienten heilt.

Zitate und Quelle: Dirk Revenstorf et al., Hypnose in Psychotherapie, Psychosomatik und Medizin, 2001.

Grazyna Gintner, Grazyna Gintner

Grazyna Gintner - Ich habe als Journalistin in Polen gearbeitet. Seit Jahren lebe ich in Deutschland. Neulich brachte ich unter dem Pseudonym Lydia Sanojar ...

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