
- In Deutschland zirkulierende Grippe-Viren nach RKI - Dr. Gerald Albach
Aus dem australischen Bundesstaat New South Wales meldet die Weltgesundheitsbehörde (WHO) am 9. September 2011 einen kleinen Cluster von 25 Tamiflu-resistenten Grippe-Fällen des Influenza-Virus A(H1N1) 2009; doch auf der südlichen Welthalbkugel nehmen die Grippe-Fälle insgesamt weiter ab, und auf der nördlichen Welthalbkugel verbleiben die Grippe-Fälle weiter auf niedrigem Niveau: Dies zeigt auch der Bericht der europaweiten Influenza-Überwachung des Europäischen Influenza Surveillance Netzwerks (EISN, EuroFlu) vom 9. September 2011. In Deutschland und Europa ist die Krankheitsaktivität der akuten Atemwegserkrankungen (ARE) in der 35. Kalenderwoche (KW) nicht besonders aktiv – nur Aserbaidschan meldet weiterhin sporadische Grippe-Erkrankungen.
Wächter wachen über Erkältungs- und Grippe-Symptome
Weltweit wacht ein Wächtersystem der WHO über akute respiratorische Erkrankungen (ARE) und influenza-ähnliche Erkrankungen (ILI für Influenza-Like Illness): In EuroFlu wacht ein Verbund aus freiwillig teilnehmenden Arztpraxen aus 53 Ländern der europäischen Region – die wachsamen Ärztinnen und Ärzte berichten wöchentlich über die ARE-Infektionen aus ihren Arztpraxen: Dazu gehören Entzündungen der Bronchialschleimhäute (Bronchitis), des Rachenraums (Pharyngitis) und der Lungen (Pneumonie). Hellwach berechnen Statistiker von EuroFlu aus diesen Daten so genannte Inzidenzen, wie viele Menschen also pro 100.000 Einwohner an ARE oder Grippe erkrankt sind. So gewinnt das Wächtersystem einen Indikator für das tatsächliche Grippegeschehen in Deutschland und Europa.
Die Erkältungen liegen in der 35. Kalenderwoche im grünen Bereich
Die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) des Robert Koch-Instituts (RKI) berechnet zusätzlich einen ARE-Praxisindex für die deutschen AGI-Regionen – liegt der Praxisindex unter 115 (roter Balken), liegt alles im grünen Bereich: In der 35. KW berichten folgende Länder über akute Atemwegserkrankungen (ARE, siehe Grafiken): In Armenien 28 ARE-Fälle pro 100.000 Einwohner, in Belgien wieder 749 ARE-Fälle, in Deutschland 409 ARE-Fälle, in England 179 ARE-Fälle, in Estland 106 ARE-Fälle, in Litauen 91 ARE-Fälle, in Moldawien 19 ARE-Fälle, in Nord-Irland 184 ARE-Fälle, in Rumänien 448 ARE-Fälle, in Russland 290 ARE-Fälle, in Schottland 159 ARE-Fälle, in der Slowakei 386 ARE-Fälle, in Slowenien 419 ARE-Fälle, sowie in Weißrussland 533 ARE-Fälle pro 100.000 Einwohner.
Nur in Aserbaidschan grippelt die Grippe sporadisch
In der 35. Kalenderwoche berichtet wieder nur Aserbaidschan über einen sporadischen Grippe-Ausbruch: Mit 53 Ländern ist das Wächtersystem der europäischen WHO-Region recht groß, denn Aserbaidschan grenzt an den Iran und liegt am Kaspischen Meer. Folgende Länder der europäischen WHO-Region melden influenza-ähnliche Erkrankungen (ILI, siehe Grafiken): Aserbaidschan jetzt 135 ILI-Fälle pro 100.000 Einwohner, in Belgien nunmehr 18 ILI-Fälle, in England und Estland jeweils 3 ILI-Fälle, für das aserbaidschanische Nachbarland Georgien 256 ILI-Fälle, in Griechenland 23 ILI-Fälle, in Irland konstant 2 ILI-Fälle, in Nord-Irland 8 ILI-Fälle, in Polen 4 ILI-Fälle, in der Slowakei 24 ILI-Fälle, sowie in der Ukraine ein einziger ILI-Fall pro 100.000 Einwohner.
Fliegende, galoppierende und zirkulierende Grippevirus-Subtypen in Deutschland
Die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) meldet mit Datenstand vom 7. September 2011 auf SurvStat 43.587 übermittelte Grippe-Fälle für Deutschland (siehe Grafik): Laut RKI unterscheiden unsere Ärzte zwischen dem anfliegenden Vogelgrippe-Virus (H5N1), dem angaloppierenden pandemischen Schweinegrippe-Virus A(H1N1) 2009, und den saisonal zirkulierenden Grippe-Viren der Subtypen A(H1N1), A(H3N2) und Subtyp B. Die Typisierung nach den antigenen und/oder genetischen Eigenschaften ergab 9.145 Influenza-A-Virus-Subtypen (zwei gemeldete Fälle in KW 34), unverändert 3.989 Influenza-A/B-Virus-Subtypen und mittlerweile 9.208 Influenza-B-Virus-Subtypen (drei gemeldete Fälle in KW 31). Laut AGI wird "das Risiko einer weiteren Verbreitung" von Oseltamivir (Tamiflu)-resistenten Influenza A(H1N1) 2009-Viren aus Australien "als derzeit gering eingeschätzt".
Weitere Informationen
Den EuroFlu Electronic Bulletin (Ausgabe 411) "Sporadic cases of laboratory-confirmed influenza in the WHO European Region" über die Kalenderwoche 35 vom 9. September 2011 finden Sie online auf der Homepage von EuroFlu. Den Monatsbericht mit dem ARE-Praxisindex der AGI-Regionen über die Kalenderwochen 32 bis 35 (vom 6. August bis zum 2. September 2011) finden Sie auf der Homepage des Robert Koch-Instituts (RKI) – dort befindet sich auch die Datenbank SurvStat.
Bild-Informationen: Schema eines Influenza-A-Virus nach ViralZone: Hämagglutinin (HA, rosa); Neuramidase (NA, türkis); Nucleo-Protein (NP, orange); Nucleares Export Protein (NEP, grau); Matrix-Protein (hellgrün); M2-Ionen-Kanal (M2-IK, rot). Die photorealistische Szene programmierte der Autor mit POV-Ray (Persistence of Vision). POV-Ray ist ein kostenloser Ray-Tracer – ein 3D-Computergrafik-Programm.
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