Erlebnisurlaub am ehemaligen Grenzstreifen

Deutschlands Juwel: die unberührte Natur im ehemaligen Grenzgebiet

Grünes Band Thüringen - Christine Rödel
Grünes Band Thüringen - Christine Rödel
Das Pilotprojekt "Erlebnis grünes Band" ermöglicht mit dem sanften Tourismus an der innerdeutschen Grenze ausgestorben geglaubte Pflanzen und Tiere wieder zu entdecken.

Die Jahrzehnte lange Teilung Deutschlands hat seine Spuren hinterlassen. Was die Menschheit in Ost und West trennte, schützte Flora und Fauna im Grenzbereich. Die unberührte Natur im ehemaligen Grenzstreifen behütet Schätze von Pflanzen und Tieren, die bereits auf der roten Liste als vom Aussterben bedroht vermerkt waren. Der Naturschutzbund entdeckte eine Chance, die Artenvielfalt aufrecht zu erhalten. Das Pilotprojekt „Erlebnis grünes Band“ ist ein Modell, in dem drei verschiedenen Grenzregionen selektiert wurden, um die einstigen Grenzen nachhaltig mit sanftem Tourismus aufzuheben. Im Frühjahr 2007 wurde dieses Modell vom Bundesamt für Naturschutz gestartet. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. hat hierfür die wissenschaftliche Begleitung übernommen.

Im Bereich der ehemaligen innerdeutschen Grenze überlebten 600 bedrohte Pflanzen- und Tierarten

Das Hauptanliegen ist die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Bezug auf Naturschutz, Landwirtschaft, Geschichte und Tourismus. Als Testregionen wurde das Elbe-Altmark-Wendland, der Harz und der Thüringer Wald mit seinen Naturparks gewählt. Künftig sollen die hier gesammelten Erfahrungen auf die übrigen Regionen angewandt werden. Durch die Kultivierung der Ländereien sind die natürlichen Kulturlandschaften vielerorts verschwunden, doch der 1.400 Kilometer lange Grenzbereich ist vom menschlichen Eingriff in die Natur verschont geblieben. Wertvolle Lebensräume mit über 600 bedrohten Pflanzen- und Tierarten sind hier erhalten, die bereits auf der roten Liste verzeichnet waren. Bisher konnten 150 Naturschutzgebiete im Grenzbereich des Grünen Bandes registriert werden. Der Artenreichtum blieb aufgrund der wechselseitigen Zonen von offenem Land und Wald erhalten.

Erlebnisurlaub "grünes Band" im Elbe-Altmark-Wendland

Mit dem „Erlebnis grünes Band“ sind Unternehmungen und Reisen organisiert, die sich entlang des ehemaligen Grenzstreifens befinden, oder die Aktivitäten im Wechsel der sich gegenüberliegenden Ortschaften stattfinden.

Für diese Region werden Erlebnistouren mit unterschiedlicher Tagesdauer angeboten. In jedem Fall wird der Teilnehmer sich aktiv beteiligen und sich selbst erleben. Die Angebote reichen von Backen von Brot, Kuchen oder Pizza in einem Holzbackofen, Pressen von Fruchtsäften, Marmeladekochen bis hin zum Arbeiten mit Lehm. Kinder reiten auf Eseln oder auf Pferden in Ziemendorf, entlang der ehemaligen Grenze. Hier finden je nach Jahreszeit geführte Beobachtungen von Bibern, Wildgänsen oder Kranichen statt. Eine dreistündige Bootstour auf der Elbe kann mit einem Gang in der finnischen Sauna enden. In dem schönen Städtchen Salzwedel geht es auf die Spurensuche berühmter Schriftsteller.

Erlebnisangebote "grünes Band" für den Harz

Im Harz findet die Wiederbegegnung mit den Hexen, aber auch Heine und Goethe, statt. Die einst durch die Grenze getrennten Städte Hornburg und Osterwieck laden zu einem Besuch ein, wie auch das Nationalpark-Besucherzentrum Torfhaus. Hier geht es auf Spurensuche durch die Wildnis des Nationalparks im Harz. Ebenso warten hier Neuigkeiten aus dem Luchsprojekt. Alternativ können Urlauber auch 58 Kilometer auf dem Harzer Grenzweg wandern. Diese Tour beinhaltet vier Übernachtungen.

Erlebnisurlaub "grünes Band" in Thüringen lockt nicht nur mit dem Rennsteig

Frühaufsteher können zum Sonnenaufgang geführte Vogelstimmenwanderungen oder eine Kutschfahrt, an der ehemaligen Grenze entlang, mitmachen oder während der Waldspaziergänge essbare Wildgewächse sammeln und anschließend zubereiten. Die Sinne des Hörens und Sehens werden während der Nachtwanderungen sensibilisiert. Für Nervenkitzel sorgt das Wandern auf den Pfaden der einstigen Schmuggler, oder die symbolischen Grenzgänge mit Klettern in Bäumen, am Seilsteg und im Spinnennetz. Geführte Wanderungen finden außerdem entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze zum Grenzturm nach Probstzella statt. Im Angebot sind auch die Besichtigung der Meisterconfiserie in Lauenstein, das Schiefermuseum in Ludwigstadt, das Bauhausgebäude in Probstzella, das Technischen Denkmal in Lehesten und das Flakonglasmuseum in Kleintettau. Die Kreativen sind eingeladen, sich aktiv zu betätigen mit Porzellanmalen in Tettau und Pralinen formen und dekorieren in einer Meisterconfiserie. Auf die Bastler wartet der Bau von Seilbrücken und einem Floss, oder das Kennenlernen der Schieferverarbeitung. Hier wird ein Dachschiefer, eine Schiefertafel und der zum darauf Schreiben erforderliche Griffel hergestellt. Für die Erholungsbedürftigen stehen der Besuch der Ardesia Therme in Bad Lobenstein oder der Therme in Bad Steben zur Auswahl.

Auch die kulinarische Seite kommt bei den Erlebnisreisen grünes Band nicht zu kurz. Neben den selbst bereiteten Speisen, wird im Schloss Wespenstein zum Ritteressen geladen.

Anlässlich des Jubiläums der zwanzigjährigen Grenzöffnung finden weitere Veranstaltungen und Events an verschiedenen Grenzorten statt.

Christine Rödel, Christine Rödel

Christine Rödel - Ich bin in Thüringen geboren und aufgewachsen. Mitte der achtziger Jahre genügte der sich immer mehr verengende Radius nicht ...

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