Erlösung heißt Aufhebung der Individualität

Der Aufstieg der Seele in die kosmische All-Einheit

Über viele Leben hinweg muss der Mensch sich vom schlechten Karma befreien, bevor er in den unumkehrbaren Zustand der Erlösung (Moksha) eingehen kann.

Wie im Buddhismus und im Hinduismus gehört auch bei den Jains der Glaube an das Karma zu den Herzstücken ihrer Religion. Karma, die Vergeltungskausalität von Taten und der durch sie bestimmten Wiedergeburt, wird bei den Jains stofflich, materiell aufgefasst. Danach zieht jede inkarnierte Seele im Laufe ihrer Inkarnation je nach Gedanken, Worten und Taten, materielle Atome an. Verlangt wird eine Umstellung der Lebensführung, wenn man sich vom Karma befreien und aus dem immer wiederkehrenden Kreislauf von Geburt und Tod ausscheiden will. Auch hier werden wiederum nach den strengen Regeln der sog. Luftbekleideten Asketen (Digambaras) Frauen von der Möglichkeit der Erlösung ausgeschlossen. Bei den Weißbekleideten (Shvetambaras) spielt das Geschlecht hingegen keine Rolle. Durch Regulierung des Denkens und Handelns, wie z.B. durch Askese und Meditation und durch die Befolgung der Vier Vorschriften, löst sich schädlicher Karmastoff auf. Die Vier Vorschriften sind: 1. Kein Lebewesen darf verletzt werden (Ahimsa), 2. Es besteht die Pflicht die Wahrheit zu sagen, 3. Man darf nicht stehlen, 4. Der Besitz von Eigentum ist nicht erlaubt. (Gilt für religiöse Spezialisten, wie z.B. Asketen)

Die Überwindung des Karmas

Der Jainismus ist eine Erlösungsreligion. Nach dem Glauben der Jains kann es nur Menschen gelingen sich vom Karma zu lösen. Auch Götter müssen demnach den Umweg über ein Dasein als Mensch einschlagen, um erlöst zu werden. Karma wird prozesshaft aufgelöst. Über die Verringerung der Intensität von Karma werden Störung von Glauben und Wandel beseitigt, bis hin zur gänzlichen Eliminierung vom Irrglauben. Förderlich sind Verdienste, wie z.B. Spenden und Wohltun mit Gedanken, Worten und Taten. Hinderlich sind Sünden, wie z.B. Zorn, Stolz und Tadelsucht. Die Vollendeten (Siddhas) gehen für die Ewigkeit in die höchste und edelste Himmelsregion ein. Ohne Individualität und ohne Gestalt, sich aber dennoch räumlich ausdehnend, erfahren die befreiten Seelen Wissen, Schau, Kraft und Wonnen in aller Unendlichkeit.

Anshu Jain und Dr. Narendra K. Jain

Da auch der Jainismus, wie fast alle etablierten Religionen, patriarchal organisiert ist, nehmen Männer die bedeutenderen Positionen ein. Dies spiegelt sich in der Öffentlichkeit wieder. Darüber hinaus sind die Jains in Indien, wie hinduistische und buddhistische Gruppierungen auch, in Kasten organisiert, in denen Frauen ebenfalls nachrangig behandelt werden.

Vorzugsweise in der Händlerkaste und im Bankenwesen findet man überproportional viele Jains. Geschäftstüchtigkeit und Bildung zählen zu den angestrebten Zielen. Zwei Anhänger der Jainreligion, die durch die Printmedien bekannt geworden sind, sind Anshu Jain (London) und Dr. Narendra K. Jain (Berlin). Die Nachnamen der beiden, aus Indien stammenden Männer, bringen unmittelbar deren Zugehörigkeit zur Jainreligion zum Ausdruck. Zu den einflussreichsten Jains des europäischen Bankenwesens gehört Anshu Jain. Als erfolgreichster Vizechefs des Investmentbankings des letzten Jahrzehnts, zählt er zu den tragenden Pfeilern des Frankfurter Geldhauses Deutsche Bank, unter der Führung des Vorstandsvorsitzenden Josef Ackermann. Als dessen Nachfolger war A. Jain bis vor kurzem sogar noch im Gespräch. Dr. Narendra K. Jain ist Künstler, Philosoph und Yogalehrer. Er bemalte u.a. ein Stück der East-Side-GalleryDiese weltweit größte Open-Air-Gallerie ist ein erhaltener Abschnitt der ehemaligen Berliner Mauer entlang der Spree, beginnend an der Oberbaumbrücke, die die Bezirke Kreuzberg und Friedrichshain miteinander verbindet. Von Dr. N. K. Jain ist eine bildliche Darstellung der „Sieben Stufen zur Erleuchtung“ zu sehen.

Literatur, siehe Artikel:

Die Jains

Über Dichtung, Kult und Laienschaft der Jains

Aziz Weineck, Aziz Weineck

Aziz Weineck - Religionswissenschaftler, frei schaffender, bildender Künstler

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