
- Rasante, aber nachhaltige Fortbewegung - Wolfgang Reuter
Als die Männer in der Steinzeit auf die Jagd gingen und die Frauen Beeren und Früchte sammelten, lebten die Menschen ausgesprochen nachhaltig. Daran änderte sich auch nichts, als die Sammlerinnen und Jäger vor etwa 10.000 Jahren sesshaft wurden und Ackerbau und Viehhaltung betrieben. Zum Problem für den Planeten Erde wurde die Menschheit erst, nachdem sie ein gewisses technologisches Niveau erreicht hatte. Nun war sie in der Lage, Wälder abzuholzen, Tierarten auszurotten oder Meere zu überfischen.
Nachhaltigkeit - worum geht es?
Das aktuell größte Nachhaltigkeitsproblem ist der Klimawandel. Die Erde droht zu überhitzen, eine existentielle Gefahr. Ursache ist vor allem der im letzten Jahrhundert enorm gestiegene und weiter steigende Verbrauch fossiler Energieträger, wie Kohle, Erdöl und -gas und der daraus resultierende Ausstoß von CO2, einem Treibhausgas.
Eine Zäsur: Der Club of Rome meldet sich zu Wort
Im Jahr 1972 erschien eine bahnbrechende Studie: "Die Grenzen des Wachstums". Darin wurde aufgezeigt, dass die Ressourcen der Erde endlich sind und die jetzige Wirtschaftsweise zwangsläufig zu einem Kollaps führen müsse. Der Club of Rome ist ein internationaler Zusammenschluss von Persönlichkeiten aus der Wissenschaft und anderen Bereichen des öffentlichen Lebens. Auf die Tagesordnung rückte das Thema Nachhaltigkeit 1992 mit der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro, Brasilien (auch: Erdgipfel).
Von der nachhaltigen Theorie zur nachhaltigen Praxis
Nachhaltige Entwicklung heißt, Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen. Zukunftsfähig wirtschaften bedeutet also: Man muss seinen Kindern und Enkelkindern ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Gefüge hinterlassen. Das eine ist ohne das andere nicht zu haben (Rat für Nachhaltige Entwicklung, ein beratendes Gremium der Bundesregierung). Nachhaltigkeit ist ein Querschnittsthema, das alle Lebensbereiche betrifft - Ernährung, Mobilität, Energieverbrauch, Wohnen, Reisen. Wer vor solch einem Wust von Anforderungen und Problemen steht, verzagt, weiß nicht, womit zu beginnen. Für Jede und Jeden gibt es Möglichkeiten zu handeln. Erste simple Schritte, aber auch anspruchsvollere - einfach mal anfangen.
Schritte zu einem nachhaltigen Lebensstil bei der Ernährung
Konsumentinnen und Konsumenten, die einen nachhaltigen Lebensstil anstreben, treffen ihre Entscheidungen bewusst nach sozial-ökologischen und ethischen Kriterien. Die private Nutzenmaximierung steht nicht im Mittelpunkt. Beim Einkauf der Lebensmittel eröffnet sich eine Vielzahl von Handlungsmöglichkeiten hin zu einem gesünderen und nachhaltigen Lebensstil, der das Klima und die Ressourcen schont.
- Bio-Lebensmittel: die erste Wahl Sie weisen keine chemischen Rückstände auf, die Nutztiere haben artgerechtere Lebensbedingungen, ihre Mast erfolgt langsamer, damit ist ihr Fleisch genussvoller. Die Wirtschaftsweise der Bio-Landwirtschaft bietet eindeutige Vorteile: ökologische, soziale, ethische. Klar: Bio ist teurer, aber auch besser.
- Regional und saisonal einkaufen Obst und Gemüse zu erstehen, das aus der näheren Umgebung stammt und dann, wenn es erntereif angeboten wird, steht für ein weiteres Prinzip eines nachhaltigen Lebensstils. Man ist es gewohnt, dass der Handel ganzjährig ein breites Sortiment von Obst und Gemüse anbietet. Das ist durchaus angenehm. Häufig aber mit langen Transportwegen erkauft und entsprechend hohem Energieverbrauch sowie Schadstoffausstoß. Wenn die Produkte einige Tage im LKW unterwegs sind, werden sie unreif geerntet, damit sie transportfähig sind. Das führt zu Einbußen beim Geschmack und Nährstoffgehalt. Eine gute Einkaufsquelle sind zum Beispiel regionale Bauernmärkte. Dort wird nur das angeboten, was in der näheren Umgebung produziert wurde. Frische garantiert.
- Mittelwege sind gefragt Wie fast überall im Leben, sind auch beim Prinzip des saisonalen und regionalen Einkaufs Kompromisse erforderlich. Bananen, Mangos oder Apfelsinen wachsen nun mal nicht hier. Auch nicht im Treibhaus. Einen Verzicht darauf, wird aber ernsthaft niemand fordern. Was aber tabu sein sollte, sind zum Beispiel Erdbeeren zu Weihnachten oder Weintrauben zu Ostern. Diese Früchte werden mit dem Flugzeug aus Chile, Südafrika und anderen weit entfernten Ländern gebracht. Die langen Strecken und der hohe Kerosinverbrauch der Flugzeuge sowie CO2-Ausstoß sind nicht akzeptabel und sollten zu einem eindeutigen Nein! von Verbraucherinnen und Verbrauchern führen
- Fleischkonsum Es wird immer wieder darauf hingewiesen, dass der Fleischkonsum in Deutschland zu hoch ist. Das ist nicht gesund und zudem keine nachhaltige Lebensweise. Je nach Tierart müssen in der Mast zehn oder mehr Futterkalorien eingesetzt werden, um eine Kalorie Fleisch zu produzieren. Das Futter, zum Beispiel Soja oder Getreide, kommt häufig aus Ländern der Dritten Welt, in denen Menschen hungern. Blähende und rülpsende Wiederkäuer stoßen massiv das klimaschädigende Gas Methan aus. Was tun? Wer mag, kann sich vegetarisch ernähren. Es gibt empfehlenswerte und gesundheitsfördernde Varianten. Ansonsten gilt: Fleischkonsum reduzieren. Ernährungsfachleute empfehlen nicht mehr als zwei bis drei Fleischmahlzeiten pro Woche. Ein dritter Weg: Fleischportionen reduzieren. Wählen Sie nicht das Riesen-Steak oder -Schnitzel, sondern ein kleineres Stück. Dann kann es auch mehr als zweimal in der Woche Fleisch geben.
- Fisch auf den Tisch? Fachleute empfehlen, dass mindestens eine Seefischmahlzeit auf dem wöchentlichen Speiseplan stehen sollte. Seefisch und andere Meerestiere liefern hochwertiges Eiweiß, sie sind eine wichtige Quelle für die Jodversorgung. Das Dilemma: Die meisten Meere sind überfischt bis teilweise leergefischt. Daher sollten nur Fische aus bestandserhaltender Fischerei gekauft werden. Sie werden mit dem MSC-Siegel gekennzeichnet und werden in den meisten Geschäften angeboten.
- Fairer Handel, ein ethisches Argument Erst kommt das Fressen, dann die Moral, textete der Dramatiker Bertold Brecht in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Damit meinte er: Mit leerem Magen sind moralische Fragen nicht relevant. Da hier zu Lande niemand Hunger leiden muss, kann man moralisch handeln. Wenn man anderen gegenüber für mehr Gerechtigkeit sorgen will, sollte man zu fair gehandelten Erzeugnissen greifen. Damit werden Kleinbauern in armen Ländern unterstützt und ihnen geholfen, ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Die Produzenten erhalten durch einen Fairer-Handel-Aufschlag mehr Geld als auf dem Weltmarkt.
- Ressourcenschonung beim Einkauf Die Einkäufe sollten möglichst abfallarm erfolgen, aufwändige Verpackungen vermieden werden, möglichst Getränke in Pfandflaschen gekauft werden.
- Einkaufen und Mobilität Die Einkäufe können zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) oder mit dem Auto erledigt werden. Wer eine ökologisch korrekte Entscheidung trifft, wird eine der ersten drei Varianten wählen, zumindest möglichst oft. Das Problem bei der PKW-Nutzung sind Lärmentwicklung, Abgase und, vor allem: der CO2-Ausstoß. Eine weitere Möglichkeit ist das Car-Sharing (deutsch: Auto-Teilen). Devise: Nutzen statt besitzen. Vorteil: Es wird nur für das gezahlt, was beansprucht wird. Auf dem Parkplatz steht kein totes Kapital, es fallen keine Werkstattbesuche oder TÜV-Termine an.
