Ernährung auf dem Jakobsweg

Typische Speise auf dem Jakobsweg - Tim Ruster
Typische Speise auf dem Jakobsweg - Tim Ruster
Bei der anhaltenden Belastung auf dem Jakobsweg ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung sehr wichtig. Dem Pilger bieten sich viele Möglichkeiten.

Die richtige Ernährung ist essentiell auf dem Jakobsweg - schließlich werden täglich circa 30km zurückgelegt. Der Pilger sollte sich hier eine individuelle Taktik zurechtlegen, denn jeder arrangiert sich anders mit zeitlicher Not und Angebot.

Die Mittagshitze und Zeitdruck

Gesund wäre bei der langanhaltenden Anstrenung wahrscheinlich ein ausgedehntes Mittagessen, das stärkt und eine lange Pause verschafft. Auf den ersten Etappen praktizieren viele Pilger dieses Ritual noch, indem sie sich auf der Hälfte der Tagesstrecke ein leckeres Pasta- oder Reisgericht mit einem Campingkocher zubereiten. Auf den späteren Abschnitten des Caminos sieht man dies so gut wie nie. Das hat zwei Gründe: Erstens, man verliert durch ein derart langes Mittagessen viel Zeit und muss unter Umständen danach in der Mittagshitze weiter pilgern. Zweitens nutzen die meisten anderen Pilger diese Zeit und kommen früher in den Herbergen an, die dann relativ schnell voll werden. Die Mittagshitze und der Zeitdruck machen das eigentlich benötigte Mittagessen also zunichte.

Umstellung des Rhythmus

Pilger sind also gezwungen, ihren Essrhythmus umzustellen. Wer schnell genug ist, erreicht sowieso gegen 1 oder 2 Uhr die Herberge und kann sein Mittagessen dort einnehmen. Langsamere Pilger sollten sich zusätzlich zum obligatorischen Abendessen einen reichhaltigen Nachmittagssnack zubereiten. In einigen Herbergen wird abends zusammen gekocht und durch die vielen internationalen Einflüsse entstehen meist sehr gesunde und nahrhafte Gerichte. Da kann es passieren, dass Japaner die italienischen Pasta würzen und Deutsche den Salat zubereiten.

Am wichtigsten ist vielleicht sogar das Frühstück. Die dort erhaltene Energie muss immerhin für eine ganze Tagesetappe reichen. Zurückhaltung sollte ein Tabu sein und das Wort "Dickmacher" kann man als Pilger getrost aus seinem Vokabular streichen; man braucht jede noch so kleine Menge Energie. Für den Weg selber bieten sich Müsliriegel oder frisches Obst an.

Essen in Restaurants

Eine gute Alternative zum selbst Kochen ist natürlich das Aufsuchen von Restaurants, Hotels oder Pensionen, die Essen anbieten. Davon gibt es auf dem Jakobsweg reichlich. In fast jeder noch so kleinen Stadt findet man eine kleine Bar vor, die ein Menü anbietet. Selbst die kleinen Dörfer in der menschenleeren Meseta stellen hier keine Ausnahme dar. Oftmals bieten die Restaurants in Nordspanien ein sogenanntes Pilgermenü an, das immer um die 6 bis 10€ kostet. Der niedrige Preis sollte den Pilger aber nicht abschrecken, denn in den meisten Fällen wird bei diesen Menüs ordentlich aufgetischt und nicht selten enthalten sie lokale Spezialitäten wie etwa die Blutwurst Morcilla in der Gegend um Burgos.

Supermärkte in Nordspanien

Viele Pilger führen auf dem Jakobsweg ein sehr preiswertes Leben und vermeiden den Gang ins Restaurant. In spanischen Supermärkten kann man sich billig versorgen, man wird allerdings auch einige Unterschiede zu deutschen Märkten finden. So ist die Dichte an Supermärkten viel geringer. Im Gegensatz zu Deutschland, wo jedes noch so winzige Dorf einen Discounter beheimatet, findet man sie in Nordspanien nur in den großen Städten. Desweiteren wird kaum Dosenessen angeboten. Nur den asturischen Bohneneintopf Fabada erhält man regelmäßig in Dosen.

Im Prinzip ist man gut damit beraten, regelmäßig in der Herberge Nudel- oder Reisgerichte mit frischem Gemüse selbst zu kochen. Reis und Nudeln werden oft von anderen Pilgern in der Herberge gelassen und so muss man noch nicht mal einkaufen gehen. Man vermeidet mit diesen simplen Speisen eine Mangelernährung und kann durch das Kochen in der Gemeinschaftsküche schnell Kontakte zu anderen Pilgern knüpfen, die wahrscheinlich allzu gerne mitessen würden.

Tim Ruster, © Tim Ruster

Tim Ruster - Tim Ruster ist 20 Jahre alt und studiert Jura in Köln. Im Laufe der Zeit hat er sich eine Menge Wissen über ...

rss