
- Ernest Cline - Ready Player One - Crown
Spätestens wenn man sich zum zweiten Mal dabei ertappt, wie man dieses Buch mit in die Dusche nehmen möchte, sollte man merken, dass man ein Problem hat. Es ist geradezu unmöglich, Ernest Clines Debütroman zur Seite zu legen. Dann doch eher das Duschen verschieben.
Die Zukunft - praktisch nur noch virtuell
Im Jahr 2045, in dem der Protagonist Wade Watts lebt, sieht es für den Planeten Erde nicht besonders rosig aus. Fossile Brennstoffe sind beinahe komplett verbraucht, mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung hungert und Arbeit zu finden grenzt an Unmöglichkeit. Kein Wunder also, dass seit Erschaffen der OASIS, einer virtuellen Plattform, jeder der sich das Equipment leisten kann, jede freie Sekunde seiner Zeit in dieser Welt verbringt. Die "credits", die man in der OASIS für bezwungene Drachen, einfache Dienstleistungen, technische Berufe oder Verkauf von Gegenständen erhält, sind inzwischen eine stabilere Währung als der Dollar, Euro oder Yen.
Als der Erfinder dieser OASIS, James Halliday, stirbt, hinterlässt er der Welt ein hochinteressantes Testament. In der OASIS - die Tausende von Planeten mit je Hunderten von eigenen Welten umfasst - sind drei Schlüssel versteckt, die zu drei verstecken Toren führen. Der Spieler, der diese drei finden und bezwingen kann, findet das geheime Osterei. In Hallidays Fall ist das Ei sein gesamtes Vermögen von über vier Millarden Dollar wert sowie die Rechte zur OASIS selbst.
Eine Schnitzeljagd der Superlative
Dass dieses Versprechen bald Millionen von Menschen auf den Plan ruft, die alle auf ein besseres Leben hoffen, ist keine Überraschung. Doch lange Zeit findet man gar nichts. Als einzigen Anhaltspunkt hat Halliday einen Reim hinterlassen, ebenso wie das Wissen um seine Leidenschaft zu allem, was mit den 80er Jahren zu tun hat.
Wade, der in der OASIS Parzival heißt, lernt seit frühester Kindheit schon alles über diese Dekade, was es zu wissen gibt. Von Star Wars über Videospiele, Musik und Mode, weiß er so gut wie alles. Aber ob es ihm auch hiflt, den ersten Schlüssel zu finden?
Ein Riesenspaß für Nerds und Fans der 80er
Dass Ernest Cline selbst ein großer Fan ist, merkt man sehr schnell. Auch für jüngere Menschen, die den Star Wars Hype nicht live miterlebt oder im Freundeskreis Klingonisch und Elbisch gelernt haben, sind die Hinweise und Witze über diese Zeit verständlich. Die Geschichte selbst ist durchwegs mitreißend, packt einen sowohl in Wades echter Welt als auch in den unendlichen Möglichkeiten der OASIS. Dieses Buch nicht in einem Rutsch durchzulesen gleicht einer Bestrafung.
Es fließen nicht nur Science Fiction Klassiker in die Geschichte mit ein, auch Monty Python, der Herr der Ringe kommen vor. Die Musiktitel, die immer wieder eingesträut werden, machen sich toll als Hintergrundmusik zur Lektüre und eine Wikipedia-Seite zeigt sich als sehr nützlich für solche, die jedem Hinweis nachgehen wollen.
Cline hätte in dieser Welt weit mehr auf die politische Lage eingehen können, aber das Ende - das zwar sehr schön abgerundet und aufgelöst ist - lässt die Möglichkeit einer Fortsetzung offen. Man hofft also auf den zweiten Teil.
Die Filmrechte wurden bereits an Warner Bros. verkauft und sollte dieser Film zustande kommen, wird dies das perfekte Popcorn-Kino für alle, die über die neueren Star Wars Filme enttäuscht waren. Man bekommt unglaubliche Lust, die 1980er für sich selbst zu erkunden, wieder mal Tetris oder gar PacMan zu spielen und gespannt auf Ernest Clines nächsten Roman zu warten.
Auf der offiziellen Webseite zum Buch findet man neben 80er-Jahre-Playlists (mit allen erwähnten Songs aus dem Roman) auch noch allerlei andere Extras findet und Bilder sowie Neuigkeiten zur Taschenbuchausgabe, Filmrechten, etc.
Ernest Cline: Ready Player One. Crown, 2011. Hardcover, 384 Seiten. 11,95 Euro
