Ernest Hemingway und Ezra Pound

Trotz verschiedener Ideologien – Schriftsteller und Freunde

Ezra Pound - Pisaner Cantos - weltbild
Ezra Pound - Pisaner Cantos - weltbild
Nicht viele Freundschaften Hemingways hielten über Jahre. Literarisch gab er sich als oft gnadenloser Kritiker seiner Kollegen. Anders bei Ezra Pound.

In den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts, gerade in Paris angekommen, findet Ernest Hemingway schnell Anschluss an die literarische Szene der Stadt. In Ezra Pound, anerkannter Dichter und Redakteur, treffen die jungen, hoffnungsvollen Literaten einen Förderer und Freund. Dies wird Hemingway nie vergessen.

Ezra Pound und Hemingway in Paris

Pound fördert Hemingway, bringt einige seiner Gedichte und Kurzgeschichten in Zeitschriften unter, Hemingway revanchiert sich, indem er versucht, seinem Förderer in die Kunst des Boxens einzuweihen. In seinen Erinnerungen an diese Zeit sollte Hemingway später schreiben: "Ezra war der großzügigste Schriftsteller, den ich je gekannt habe, und der uneigennützigste. Er half Dichtern, Malern, Bildhauern und Prosaschriftstellern, an die er glaubte, und er half jedem, wenn er in Schwierigkeiten war, ob er an ihn glaubte oder nicht." An Hemingway glaubt Ezra Pound uneingeschränkt, und als er (Pound) 1924 Paris den Rücken kehrt und sich in Italien niederlässt, besucht ihn Hemingway und man bleibt in Briefkontakt.

Briefe und Faschismus

Pound hat immer einen literarischen Rat zur Hand, und Hemingway berücksichtigt in seinen frühen Werken den einen oder anderen Hinweis. "Ich schreibe an ein paar ziemlich guten Erzählungen. Ich wollte, Du wärst hier, um mir das zu bestätigen", lässt Hemingway in einem seiner Briefe wissen, berichtet aber auch den neuesten Klatsch, informiert seinen Freund über das Leben in der Stadt.

Pound wird in Italien von der faschistischen Regierung Mussolinis umgarnt und umschmeichelt, erfährt höchste literarische Anerkennung und beteiligt sich aktiv an antiamerikanischer und faschistischer Propaganda. Hemingway sollte später dazu Stellung nehmen: "Ezra ist ein großer Dichter, der zu gewissen geistigen Verwirrungen neigt."

Pound und Hemingway im Krieg – An verschiedenen Fronten

Hemingway engagiert sich im Spanischen Bürgerkrieg, nimmt 1944 an der Invasion in der Normandie teil, ist später stolz, gegen den Faschismus gekämpft zu haben; Ezra Pound macht während des Zweiten Weltkriegs Propaganda für das faschistische Italien, wird 1945 von den Amerikanern festgenommen, in Pisa inhaftiert und 1946 in den USA wegen Hochverrats angeklagt. Die Todesstrafe steht im Raum, und Hemingway kämpft mit vielen anderen Schriftstellern und Künstlern, dies zu verhindern. Unter anderem schrieb er bereits 1943, während des Krieges, an Allen Tate: "Sie dürfen den Kerl (Pound) weder hängen noch sonst irgendwie zum Märtyrer machen. Er gehört in die Klapsmühle, darauf hat er Anspruch. Wir wissen auch, was für ein großer, tiefer und guter Dichter er ist und was für ein großzügiger, wirklich nobler Mensch er war."

Geisteskrank?

Pound entgeht der Todesstrafe, wird allerdings im St. Elisabeth’s Krankenhaus als Geisteskranker inhaftiert. Fortan geht es Hemingway und vielen Kollegen darum, um seine Freilassung zu kämpfen. Es wird argumentiert, dass es für eine Nation wie den Vereinigten Staaten unwürdig wäre, sich vor einem Dichter zu "fürchten", die dauerhafte Inhaftierung wäre gegen jede "kulturelle Mission", man müsse den Unterschied von Pound, dem Dichter, und Pound, dem Menschen, erkennen.

1949 erhält der immer noch inhaftierte Ezra Pound den Bollingen Preis für die beste Dichtung des Jahres, in Amerika entflammt eine hitzige, emotionale Diskussion.

1954 wird Ernest Hemingway mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet und sagt: "Ich glaube, dies wäre ein gutes Jahr für die Freilassung von Dichtern." Ezra Pound schreibt er in die Haftanstalt: "Nimm, wenn Du kannst, die Medaille (Nobelpreismedaille) und diesen Scheck (1.000 Dollar) an." Hemingway sieht in Pound den Dichter, der den Nobelpreis mehr als er selbst verdient hätte, überreicht seinem Kollegen damit symbolisch den Preis, tatsächlich stiftet er die Medaille dem Heiligtum der Virgen del Cobre in Kuba.

1958 hat eine durchdachte und abgestimmte Aktion von Archibald MacLeish, T.S. Eliot, Robert Frost und Ernest Hemingway endlich Erfolg. Am 18.April wird Ezra Pound aus der Haft entlassen, kehrt nach Italien zurück, lebt dort zurückgezogen und stirbt am 1. November 1972 in Venedig.

“Pound took six of my poems. He thinks I’m a swell poet“ – Ernest Hemingway in einem Brief an Sherwood Anderson 1922.

A.P.Schlöglmeier, Michael Stoifl

A.P. Schlöglmeier - A.P. (Andreas Pankraz) Schlöglmeier wurde 1970 unter anderem Namen geboren, ist Gastronom, Maler und Schriftsteller. Lebhaft zur ...

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