Erneut Kämpfe im Libanon

Nach nur einem Monat der Ruhe schon wieder Gewalt im Nahen Osten

Der Libanon ist erneut Schauplatz von Gewalt und Krieg. Seit mehr als 30 Jahren beherrschen nun schon Bürgerkrieg und Chaos das Land.

Die Ruhe war trügerisch und dauerte lediglich einen Monat. Nach den schweren Auseinandersetzungen zwischen den Regierungstruppen und Milizen der Hisbollah im Mai dieses Jahres war eigentlich eine diplomatische Lösung gefunden worden. Doch aufgrund von Ränkespielen um personelle Entscheidungen entfachte der Konflikt erneut.

Seit dem 22. Juni 2008 kommt es vor allem in der Hafenstadt Tripolis immer wieder zu Kämpfen zwischen den Milizen und Anhängern der prowestlichen Regierung. Neun Menschen sollen seitdem getötet worden sein. Laut Medienberichten will nun die Armee die Unruhen endlich beenden. Der Libanon ist seit mehr als 30 Jahren von Bürgerkrieg, Gewalt und Terror gekennzeichnet, ein Land im permanenten Ausnahmezustand. Es ist ein Konflikt zwischen Schiiten, Sunniten und Christen, zwischen der pro iranischen Hisbollah und der westlich orientierten Regierung. Seit dem Ausbruch des Bürgerkrieges vor über 30 Jahren flohen über eine Millionen Libanesen ins Ausland und tausende Menschen starben. Der Weg zu einer friedlichen Lösung scheint immer noch steinig und unwägbar.

Anfänge eines Krieges

Allen Anfang nahm der gewalttätige Konflikt im Jahr 1975. Damals töteten die Kata’ib palästinensische Businsassen auf deren Rückweg in ein Flüchtlingslager. In Folge dieses Attentats kam es zwischen den palästinensischen und libanesisch-muslimischen Milizen auf der einen und der Kata’ib-Miliz auf der anderen Seite zu kämpferischen Auseinandersetzungen. Nach mehreren Attentaten, unter anderem verursacht durch die PLO, marschierte die israelische Armee 1978 in den Süden des Libanon ein und besetzte ein Teil des Landes. Auf den israelischen Einmarsch folgten kurz darauf die UNIFIL-Schutztruppen, die künftig das Gebiet kontrollieren sollten. Allerdings hatten die UN-Truppen lediglich einen Beobachterstatus, also kein robustes Mandat.

Vier Jahre später marschierten die israelischen Truppen erneut ein, und zwangen die PLO, den Libanon zu verlassen. Durch die Vertreibung der PLO war der Konflikt aber noch nicht beigelegt. Erst viel später, im Jahr1989, wurde mit dem Abkommen von Taif eine endgültige Grundlage für eine friedliche Lösung des Konfliktes geschaffen. Da Frieden im Nahen Osten aber ein sehr zerbrechliches Gebilde ist, kam es auch in den darauf folgenden Jahren immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Jetzt war es vor allem die durch die syrische und iranische Regierung geförderte Hisbollah, die im Zentrum des Konfliktes stand.

Hisbollah

Die Hisbollah richtete ihre Attentate hauptsächlich gegen Israel. Daher bombardierte die israelische Armee immer wieder Stellungen der Hisbollah. Erst im Jahr 2000 zog sich die israelische Armee aus dem Libanon zurück. Seitdem war nur noch die syrische Armee als eine Art Schutzmacht im Libanon stationiert. Doch war das vielen Libanesen ein Dorn im Auge. Auch der damalige Ministerpräsident Rafiq al-Hariri forderte den Rückzug der Syrer, konnte sich mit seinen Forderungen aber nicht durchsetzen. Erst nachdem al-Hariri im Februar 2005 ermordet wurde, zog sich die syrische Armee aus dem Libanon zurück. Doch war mit dem Rückzug der Syrer immer noch kein Frieden in Sicht. Nach dem Abzug und der Ermordung Hariris entstand im Libanon ein Machtvakuum, welches bis heute nicht gefüllt ist.

Regierungssuche

Entstanden ist dieses Vakuum nach den Parlamentswahlen. Diese gewann die „Zukunftsbewegung“ unter Führung von Saad al-Hariri, dem Sohn des ermordeten Rafiq al-Hariri. Da die Hisbollah aber auch in das Parlament gewählt wurde, schaffte es Saad al-Hariri nicht, eine Regierung zu bilden. Aus diesem Grund ist der Posten des libanesischen Präsidenten immer noch vakant. Nach den Auseinadersetzungen im letzten Monat einigte man sich auf eine Regierungsbildung unter Einbeziehung der Hisbollah. Doch dies führte jetzt erneut zu gewalttätigen Konflikten. Diese können auch die nach dem Libanonkrieg 2006 mit einem robusten Mandat ausgestatteten UNIFIL-Truppen nicht eindämmen. Die internationalen Truppen patrouillieren lediglich im südlichen Grenzgebiet und auf hoher See. Ihre Aufgabe besteht hauptsächlich darin, den Waffenschmuggel zu kontrollieren. So ist die Regierung auf sich allein gestellt und ein Ende des immer wieder aufbrandenden Konfliktes noch lange nicht in Sicht.

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