Erfolgreiches und angenehmes Lernen ist möglich - nur wie?

Spass am Lernen - Jürgen Acker / pixelio.de
Spass am Lernen - Jürgen Acker / pixelio.de
Lernen assoziieren Menschen oftmals mit negativen Gefühlen und Stress. Diese negative Einstellung lässt sich ändern, sodass Lernen auch Spaß machen kann.

Es wird zunehmend von individualisiertem Unterricht an den Schulen gesprochen und vielerorts auch bereits umgesetzt. Was allerdings kaum an institutionellen Einrichtungen thematisiert wird ist die Motivation, die mit dem Lernen verbunden ist. Bereits einige negative Erfahrungen können ausreichen, um einem Kind die Lust und Freude am Lernen zu nehmen.

Was ist eine ungünstige Lernlaufbahn?

Sofern bei einem Kind, verglichen mit Gleichaltrigen - trotz hinreichender Intelligenz und ausreichender Beschulung - ein erhebliches Defizit im Erlernen und Beherrschen einer oder mehrerer grundlegender Fertigkeiten wie Lesen, Schreiben oder Rechnen vorliegt, wird von Lernschwäche gesprochen. Doch auch wiederholte negative Lernerfahrungen können das zukünftige Lernen beeinträchtigen. Die Folgen können weitreichend sein: Das Kind empfindet sich zunehmend als Versager, sein Selbstbild wird immer negativer. Der psychische Druck auf sich selbst, sowie oftmals auch seitens der Eltern oder Lehrer nimmt unweigerlich zu, sodass sich Ängste oder Misserfolgserwartungen verstärken. Aggressionen gegen sich selbst oder gegen andere können auftreten.

Es entsteht ein Teufelskreis: Das Kind oder der Jugendliche entwickelt Versagensangst bei anstehenden Prüfungen, was zu einem kompletten Blockieren des Lernverhaltens oder zu Blackouts während des Tests führt. Aufgrund der ineffektiven Lernstrategien resultieren zunehmend größere Schwierigkeiten in den schulischen Leistungen. Das Kind fühlt sich durch das wiederholte Scheitern in seinen negativen Annahmen noch bestätigt. Die Misserfolgsorientierung verstärkt sich und der Kreislauf beginnt erneut.

Entwickeln Kinder und Jugendliche schließlich eine regelrechte Aversion oder Angst gegenüber dem schulischen Lernen, kann das gravierende Auswirkungen auf die weitere Schullaufbahn, sowie die Zukunft des Betroffenen haben. Häufig wird die Lernmotivation, die sich ehemals auf die Schule beschränkte hatte, auch auf das Lernen anderer Art ausgeweitet. Für den Menschen ist allerdings lebenslanges Lernen wichtig, um sich weiterentwickeln zu können. Lernen bedeutet zwar Arbeit, doch diese kann sinnvoll und anregend gestaltet werden.

Wie lässt sich das Lernen fördern?

Natürlicherweise verfügt der Mensch über eine gesunde Neugier, um sich aktiv mit seiner Umgebung auseinanderzusetzen. Je nach vorhandenen Interessen und Persönlichkeiten richten Menschen ihre Aufmerksamkeit auf unterschiedliche Reize in der Umwelt. Dinge, die für den Menschen neu sind, etwas komplexer als das Gewohnte, und außerdem auf irgendeine Art im Widerspruch zu bisherigem, vorhandenem Wissen stehen, wecken am meisten Neugierverhalten und steigern die Motivation, sich damit auseinanderzusetzen. Dementsprechend kann die Auswahl entsprechender Lernmaterialien und Lerngegenstände die Motivation fördern. Doch nur wenn der angebotene Lerninhalt mit der vorhandenen Entwicklung übereinstimmt, kann Lernen auf natürliche Weise, aus eigenen Antrieb heraus, stattdinden. Wird ein Kind über- oder unterfordert, nützt das bestmöglich aufbereitete Material nichts, da es nicht auf den kindlichen Entwicklungsstand abgestimmt ist. Bei Übereinstimmung des kindlichen Potentials und dem Lernstoff existieren einige, einfach anzuwendende Möglichkeiten, um effizientes Lernen auf angenehme Weise zu unterstützen:

  • Lernumgebung: Auf dem Pult sollte genügend Platz für das Lernmaterial sein, alles nicht Benötigte wird vom Tisch geräumt, um nicht unnötig abzulenken. Regelmäßiges Lüften, eine gute Beleuchtung, sowie ein passender Stuhl helfen mit, optimale Lernbedingungen zu schaffen.
  • Lernzeiten: Anhand eines Wochenplans mit Teil- und Zwischenzielen, der idealerweise mit einer Person zusammen erstellt wird, die die Leistungen des Kindes gut einschätzen kann, können die Lernzeiten sinnvoll aufgeteilt werden. Kurz vor oder nach einem aufwühlenden, emotionalen Erlebnis sollte nicht gelernt werden, da starke Gefühle den Lernprozess behindern.
  • Dauerhaftigkeit: Um das Gelernte dauerhaft zu erinnern, ist das Herstellen einer Verbindung zum Alltag eine gute Lösung. Zudem muss das Gelernte immer wieder geübt und angewendet werden, bis es im Gehirn ausreichend fest verankert worden ist. Schließlich gibt es ja den berühmten Spruch: Übung macht den Meister!
  • Pausen: Zum Arbeiten gehören auch regelmäßige Pausen, die eine Abwechslung zur Lerntätigkeit darstellen können, und die nach Lust und Laune aktiv oder entspannt verbracht werden darf. Nach maximal 20 – 30 Minuten Lernen sollte die Arbeitsphase 5 Minuten unterbrochen werden.
  • Konzentrationsförderung: Selbstverständlich ist es für Kinder und Jugendliche am abwechslungsreichsten, wenn sie natürliches Lernen in verschiedenen Situationen praktizieren können und zu Themen, die ihnen Freude bereiten. Da dies jedoch nicht immer möglich ist, sollte versucht werden, Abwechslung in die Lernreize zu bringen. Durch Rotation der zu lernenden Fächern, sowie durch das Bearbeiten unterschiedlichen Lernstoffs wird eine Monotonie vermieden. Außerdem können die Lernwege abgewechselt werden, um nicht ständig dieselben Sinneskanäle zu benutzen. Zuerst wird ein Text gelesen und zusammengefasst, anschließend wird ein Lernthema mündlich diskutiert und zum nächsten Lerngegenstand wird eine Grafik erstellt. Konzentration kann durch regelmäßige, spielerische Übungen trainiert werden: Rätselspiele, Fehlersuchbilder.
  • Lerntypen: Da jeder Mensch Sinneseindrücke anders wahrnimmt und verarbeitet, gibt es auch beim Lernen Differenzen. Je nach Veranlagung bevorzugen Kinder oder Jugendliche Lernreize über das Gehörte, das Gesehene, das Gesprochene oder das selbstständig ausgeführte Handeln. Indem ausprobiert wird, welcher Sinneskanal besonders empfänglich ist und die effektive Informationsaufnahme fördert, kann zukünftigen Lernsituationen auf diesem Weg begegnet werden: Der visuelle Typ lernt am einfachsten durch Lesen und schriftliche Darbietungen. Auditive Menschen, die sich Gehörtes gut merken können, können laut vorlesen oder Hörbücher zum Thema verwenden. Spielt der Tastsinn eine wesentliche Rolle, lassen sich insbesondere künstlerische und sportliche Fähigkeiten besser erlernen. Der sensomotorische Lerntyp speichert Informationen bei Bewegungen leichter ab und sollte somit über Bewegungsmöglichkeiten verfügen, um zu lernen. Falls der Gesichts- und Gehörsinn dominierend sind, liegt ein kommunikativer Lerntyp vor, dem Lernstoff im Gespräch gut vermittelt werden kann. Dieser Typ lernt auch besser in Gruppen, da so auch Diskussionen stattfinden können.

Quellen und Literatur

  • Edelmann, W. (2000, 6. vollst. überarb. Auflage). Lernpsychologie. Weinheim.
  • Heckhausen, J., Heckhausen, H. (Hrsg.) (2006, 3. überarb., aktual. Auflage). Motivation und Handeln. Heidelberg.
  • Endres, W. u.a. (1996, 14. Auflage). So macht Lernen Spaß. Praktische Lerntipps für Schüler und Schülerinnen. Weinheim/Basel.

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