Erotische Geschichten schreiben

Der schmale Grat zwischen Lust und Pornographie

Erotische Literatur findet zunehmend mehr Anhänger. Häufig ist jedoch die Abgrenzung zwischen Erotik und Pornographie bei der Beurteilung von Manuskripten schwierig.

Bücher wie Charlotte Roches "Feuchtgebiete", die Bestsellerlisten bei On-Demand-Anbietern wie BoD und die Zugriffszahlen auf Seiten wie www.suchbuch.de zeigen, dass erotische Literatur offensichtlich hoch im Kurs steht und Liebe nicht immer nur rein, jugendfrei und kitschig dargestellt werden muss.

BoD weist vor Herausgabe eines Manuskripts als Buch ausdrücklich darauf hin, dass keine Texte mit Gewalt verherrlichendem, radikalem oder pornographischem Inhalt veröffentlicht werden. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wo die Grenze zwischen Erotik und Pornographie anzusiedeln ist.

Was ist Pornographie?

Um eindeutig zu definieren, was Pornographie eigentlich ist, kann es hilfreich sein, sich auch nur einzelne Szenen aus einem oder mehreren Pornofilmen zu betrachten. Hierbei fällt recht schnell auf, dass bei derartigen Filmen einige Dinge typisch sind:

  • eine Rahmenhandlung, die oft zusammenhangslos ist oder an den Haaren herbeigezogen scheint und im Prinzip nur dazu dient, von einer ausgedehnten Sexszene zur nächsten zu führen,
  • die Haupthandlung besteht zu etwa 90 Prozent aus Sex,
  • es gibt praktisch keine Tabus, es wird alles sehr detailreich gezeigt, vom Anfang bis zum bitteren Ende,
  • die Darsteller können praktisch immer mit jedem/jeder, so als wenn sie auf Batterien laufen würden.

Allgemein gesehen fällt bei Pornos auf, dass gar nicht so sehr die Verbindung zwischen den zwei Menschen, die in irgendeiner Form Sex miteinander haben, im Vordergrund steht, sondern dass es ausschließlich um Sex in allen Spielarten an sich geht. Normalerweise wird das recht schnell langweilig, bisweilen sogar belustigend. Gleichzeitig ist Pornographie eher vordergründig und sehr plakativ, manchmal kann sie sogar etwas Brutales an sich haben.

Die Abgrenzung zur Erotik

Bei der Erotik steht nicht nur der eigentliche Geschlechtsakt im Vordergrund, da sie meist viel hintergründiger ist. Oft wird nur mit anregenden Szenen gespielt wie etwa das verschwörerische Lächeln einer Frau, deren Lippen rot geschminkt sind, eine Entkleidungsszene eines Mannes im Licht eines Deckenfluters, eine Szene unter der Dusche. Erotik deutet eher an, als dass sie lautstark und geradezu offensichtlich mit dem Sex an sich spielt.

Natürlich kann es auch bei erotischen Szenen zum Geschlechtsverkehr kommen, hierbei stehen aber eher die Spielereien zwischen den Partnern wie Küssen, Streicheln und Massieren im Vordergrund als der eigentliche Geschlechtsakt. Zudem wird meist bei erotischen Szenen, die in der Regel auch in Spielfilmen aller Art zum Einsatz kommen, mehr die Beziehung zwischen zwei Menschen betont, die Sex miteinander haben.

Die Beschreibung von erotischen Szenen in einem Manuskript

Wie bereits angesprochen, steht hierbei nicht die detailreiche Beschreibung des Kopulationaktes an sich im Vordergrund, sondern eher Andeutungen, die die Phantasie des Lesers anregen. Geschichten aller Art leben ohnehin davon, sich Szenen, die in einem Buch dargestellt werden, auch in der eigenen Phantasie ausmalen zu können, so dass damit erst die Spannung und das Interesse an einem Buch entsteht. Seitenlange, zu detailgenaue Beschreibungen von Tätigkeiten aller Art wie Sex, Gartenarbeit, Autowaschen nerven den Leser ab einem gewissen Punkt.

Nackte Haut und Anregung der Phantasie

Bei erotischen Geschichten wird zwar oft auch mit nackter Haut gearbeitet, wobei dies noch um eine anregende Komponente ergänzt wird. Beispielsweise kann das warme Wasser der Dusche auf der Haut des Mannes abperlen oder die Haut der Frau durch das vorher aufgetragene Massageöl angenehm im Kerzenschein glänzen. Körperlich definierte Begriffe wie Streicheln oder Massieren beschreiben zwar auch das, was sich zwischen zwei Liebenden abspielt, aber die konkrete Ausgestaltung in der Phantasie bleibt dem Leser überlassen. Jeder wird eine andere Assoziation zu einer Szene haben, in der sich ein nacktes Pärchen bei Kerzenschein gegenseitig zärtlich mit wohlduftendem Massageöl einreibt.

Auch bei direkten Beschreibungen wie der deutlich sichtbaren Erregung beider Partner ist es wichtig, dies nicht zu detailgenau zu beschreiben, da dies unter Umständen schnell flach, vulgär und pornographisch anmuten kann. Natürlich kann man kurz andeuten, dass eine erregte Frau steife Brustwarzen hat, ein seitenlanges Referat hierüber mit sehr detailreicher Beschreibung erstickt die Phantasie des Lesers jedoch direkt im Keim und kann auch schnell langweilig werden.

"Alltagserotik" ist ebenfalls willkommen

Oft muss Erotik nicht zwingend in einen sexuellen Kontext eingebunden sein wie etwa das Liebesspiel zwischen zwei Partnern. Auch bei der Beschreibung alltäglicher Szenen kann sie zum Einsatz kommen. Vielfach wird je nach individueller Vorliebe die Phantasie schon angeregt, wenn ein gut gebauter Bauarbeiter mit nackten, muskulösem Oberkörper im Sonnenlicht steht und einen Schluck Cola aus der Flache trinkt oder wenn einer Frau in der Straßenbahn ein junger Mann gegenüber sitzt, der eine enge, sehr figurbetonende Jeans trägt.

Fäkalsprache vermeiden

Um eine deutliche Abgrenzung zur Pornographie zu schaffen, sollten Geschlechtsteile oder Sexualakt an sich nicht mit Gassenausdrücken belegt werden. In der wörtlichen Rede zwischen den beiden Sexualpartnern kann durchaus von diesem Grundsatz abgewichen werden, wenn beide Paare beispielsweise auf den so genannten "Dirty Talk" stehen, aber die Verwendung von Fäkalausdrücken für Geschlechtsteile oder das Liebesspiel an sich erstickt die Phantasie des Lesers unter Umständen schnell und kann mitunter nicht nur pornographisch, sondern gar peinlich bis primitiv wirken.

Alexandra Döll, Autorin, Marina Hong, Düsseldorf

Alexandra Döll - Persönliche Daten: geboren 1974 in Essen, wohnhaft ebendaFamilienstand: ledig, keine KinderAbitur 1993, anschließend ...

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