Errichtung von Schloss und Park Babelsberg

Der Sommersitz von Kaiser Wilhelm I. entstand in Etappen

Blick auf Schloss Babelsberg von der Havel  - Harald Rossa
Blick auf Schloss Babelsberg von der Havel - Harald Rossa
Der spätere Kaiser Wilhelm I. ließ sich in zwei Bauabschnitten einen imposanten Sommersitz oberhalb der Havel errichten. Dafür musste er mit seinem Vater kräftig kämpfen.

Der preußische Prinz Wilhelm, der spätere preußische König und deutscher Kaiser Wilhelm I., wählte die Höhe Babelsberg an der Havel gegenüber der Schlossanlage von Glienicke und dem Jagdschloss Glienicke als Platz für seinen Sommersitz. Ein wirklich schönes Plätzchen hatte er da gefunden.

Ein Plätzchen, das ganz ähnlich auch im Tal der Themse westlich von London vorstellbar ist. Dazu passte, dass nach der Zeit des Klassizismus mit seinen klaren Formen nun der an gotischen Vorbildern orientierte Tudorstil in Mode kam. Wilhelm und seine Gattin Augusta ließen ihre Vorliebe für diesen Baustil in Babelsberg eindrucksvoll in Mauern umsetzen.

Die Vorgeschichte des Schlosses Babelsberg

1442 wird der Berg südlich von Klein-Glienicke als „Buberow mit dem Holtze drauf“ erstmals erwähnt. Daraus lässt sich vom slawischen Wort Bobr für Biber die deutsche Bezeichnung Biberberg ableiten. Aber im Laufe der Zeit wurde Babelsberg daraus. Bis in das 18. Jahrhundert hinein sollen Biber hier in Scharen gehaust haben.

Der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm ließ einen „kleinen Thiergarten auf dem Baberow“ einrichten. Der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. stellte die Biber am Babelsberg unter seinen ausdrücklichen Schutz. Aber sein Sohn Friedrich II. bereitete dem Biberparadies ein Ende und befahl ihre Bejagung bis zur Ausrottung. Denn er wollte das Land am Babelsberg nutzen. 1750 erhielt der Potsdamer Stadtkommandant Wolf von Retzow die Order, bei dem Dorf Neuendorf eine Weber- und Spinnerkolonie für Exilanten aus Böhmen anzulegen. Diese Siedlung trug später den Namen Nowawes.

1811 entdeckte der preußische Prinz Wilhelm, der zweitälteste Sohn des Königs Friedrich Wilhelm III., erstmals das Gelände um den Babelsberg. Er hielt es in guter Erinnerung und entschloss sich 1829 nach seiner Hochzeit mit der Prinzessin Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach dazu, hier eine Sommerresidenz zu errichten.

Die Baugeschichte von Schloss Babelsberg

Über Jahre strebte Prinz Wilhelm nach einem eigenen Sommerschloss. Lange zögerte sein Vater König Friedrich Wilhelm III. Doch 1833 erlaubte er seinem zweitältesten Sohn den Neubau auf dem Babelsberg. Mit der Planung wurde Karl Friedrich Schinkel beauftragt, dem Skizzen eines gotisch wirkenden Schlosses als Vorlage übergeben wurden. Die stammten von Ludwig Persius, der sie 1831 für das Prinzenpaar anfertigte.

Wilhelms Gattin Prinzessin Augusta von Sachsen-Weimar-Gotha war wohl die eifrigere Verfechterin des Tudorstils. Schinkel plante maßvolle gotische Formen. Die Bauherrin setzte jedoch ihren Geschmack durch und verlangte, vor allem für die Innenausstattung, reiches Dekor. Das führte zu Meinungsverschiedenheiten mit dem Architekten. Und vor allem auch zur Überschreitung des Budgets. Denn der König hatte nur Mittel bewilligt, die ein komfortables Landhaus erlaubt hätten.

So entstand in einer ersten Bauphase ein kleiner Teil der geplanten Schlossanlage. Ein gelber Backsteinbau mit großen neogotischen Fenstern, die den weiten Blick in die Landschaft möglich machen, bildete den Kern des Sommerhauses. Ein oktogonaler Anbau nahm den Speisesaal auf. Im Oktober 1835 konnte der erste Teil des Schlosses Babelsberg eingeweiht werden.

Dann wurde Prinz Wilhelm zum Thronfolger gekürt, da sein seit 1840 regierender Bruder König Friedrich Wilhelm IV. kinderlos war. Babelsberg war nun für einen Kronprinzen zu bescheiden. Und der Gesamtentwurf des Schlosses konnte realisiert werden.

Noch während der Planungen starb 1841 Karl Friedrich Schinkel. Sein Nachfolger Ludwig Persius orientierte sich an den Plänen von Schinkel. Doch wie dieser musste auch Persius viele Wünsche der Kronprinzessin Augusta berücksichtigen.

Die Verbindung zum Erweiterungsbau stellt der über zwei Geschosse sich erstreckende Tanzsaal mit ebenfalls oktogonalen Grundriss her. Im nun entstandenen Westflügel gab es Wohnungen für die Kinder des Prinzenpaares und eine Speisehalle. Ein mächtiger Turm überragt die ganze Anlage.

Als die Fundamente für den Anbau standen, verstarb 1845 Ludwig Persius. Den Weiterbau leiteten dann Johann Heinrich Strack, dessen architektonischen Vorstellungen dem Geschmack der Bauherrin eher entgegen kam. Die Fassade wurde nun durch zusätzliche Türmchen, Erker und verschiedene Fensterformen reicher gegliedert. Im Oktober 1849 fand die zweite Einweihung statt.

Den großen Park gestalteten Peter Joseph Lenné und Fürst von Pückler-Muskau im Stil eines englischen Landschaftsgartens.

Information über Schloss und Park Babelsberg

Amtlicher Führer der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg: Park und Schloss Babelsberg. 3. Auflage 1999