Erst Britannica und die Bibel, jetzt macht A.J. Jacobs weiter

Mensch, bist Du dick geworden - List
Mensch, bist Du dick geworden - List
A.J. Jacobs Leben ist ein einziger Selbstversuch. In seinem Buch „Mensch bist Du dick geworden" berichtet er in radikaler Ehrlichkeit darüber.

Wer hat schon mal einen Monat lang immer die Wahrheit gesagt? Oder sich einen Monat lang an alle von George Washington aufgestellten Regeln betreffend der Höflichkeit und dem Anstand im Umgang und in der Konversation mit anderen gehalten? Oder versucht, einen Monat lang nur reine Vernunft walten zu lassen? Oder sich ganz streng am Monotasking versucht? Oder gar seine geschäftliche und sogar seine private Post, auch den Emailkontakt mit der eigenen Ehefrau, nach Indien outgesourced? Richtig, da kommt nur einer in Frage: A.J. Jacobs, leitender Redakteur beim Esquire in New York und Autor von Büchern wie „Britannica und ich“ und „Die Bibel und ich“.

Radikale Ehrlichkeit

Sein neustes Buch hat verschiedene Kapitel und beschäftigt sich nicht nur mit einer großen Herausforderung. Er hat sich selbst diverse, für seine Verhältnisse, kleinere Aufgaben gestellt. Denn was ist es schon sich einen Monat lang das Lügen zu verkneifen für einen Mann, der für sein letztes Buch ein Jahr lang streng nach allen Vorschriften der Bibel gelebt hat. In bester Journalistenmanier recherchiert er für seine Projekte sehr gründlich, so auch für sein Projekt „Radikale Ehrlichkeit“. Er lernt den Erfinder dieser Theorie kennen und schreibt in schon fast erschreckender Ehrlichkeit, was in seinem Kopf vor sich geht und was er so erlebt.

Outsourcing

Auch seine Freunde und seine Familie nehmen, quasi gezwungener Maßen, an all seinen Projekten teil. Besonders deutlich wird dies, als er beginnt, seine sämtliche Korrespondenz von zwei netten Damen in Indien erledigen zu lassen. Sollten diese Damen wirklich einmal frei haben, dann haben sie eine Vertretung und Jacobs kann somit rund um die Uhr andere Menschen seine Aufgaben erledigen lassen. Vom Interneteinkauf über Recherche für Artikel bis hin zu Geschenken für die Ehefrau und sogar das Vorlesen einer Gute-Nacht-Geschichte für den Sohn am Telefon übernehmen die hilfreichen Geister aus Indien alles, was er ihnen aufträgt. Natürlich übernehmen sie auch die Email-Korrespondenz mit dem Chef, der daraufhin viel nettere Emails von seinem Redakteur bekommt als jemals zuvor. Auch das per Email Streiten mir der Ehefrau wird durch den netten Ton der Dame aus Bangalore um einiges vergnüglicher für beide Seiten.

Die beste Ehefrau von allen

Als Leser hat man unglaublich viel Spaß dabei, Jacobs über die Schulter zu schauen, wie er sich selbst und damit auch die Menschen in seiner Umgebung immer wieder aufs Neue in unglaublich seltsame Situationen bringt. Dank seiner leichten, pointierten und immer gut gelaunten Art das Ganze zu Papier zu bringen kann man es wirklich genießen weiter zu lesen. Doch man beginnt schon bald, seine Frau zu bedauern. Wie kann sie nur so viel mitmachen? Sollte doch nicht Ephraim Kishon mit der besten Ehefrau von allen gesegnet gewesen sein, sondern A.J. Jacobs? Offensichtlich sehen sehr viele Leser es genauso, denn auf Grund von vielen Leserzuschriften ist das letzte Experiment in diesem Buch eine Hommage an Julie Jacobs, die Ehefrau des Autors: Er stellt sich einen Monat lang komplett unter ihren Pantoffel. Ganz so heldenhaft ist er aber dann doch nicht, es war nur ein kurzer Februar. Seine Hoffnung war es, dass seine Frau es schon recht bald leid sein würde, sich von ihm bedienen zu lassen und ihn herumkommandieren zu dürfen. Wer wissen will, ob er mit dieser Theorie recht hatte und ob man den perfekten, dienenden Ehemann wirklich leid werden kann, sollte A.J. Jacobs Buch bis zum Ende lesen. Es lohnt sich.

A.J. Jacobs, Mensch bist Du dick geworden, List Verlag, 8,95 Euro

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