Es war Ironie des Schicksals: Ausgerechnet in dem Jahr, in dem sich Oasis trennten, feierten ihre alten Erzrivalen Blur die Reunion. Nach den umjubelten (und sehr emotionsgeladenen) Reunionskonzerten 2009, u.a. im Hyde Park und beim Glastonbury Festival, waren Blur nun wieder gemeinsam im Studio, um eine Single aufzunehmen.
Erfolgreiche Solokarrieren der Blur-Mitglieder
Zu Beginn schien eine Reunion ziemlich abwegig: Blur waren heillos zerstritten, vor allem die beiden alten Schulfreunde Sänger Damon Albarn und Gitarrist Graham Coxon schienen unversöhnlich. Anders als so viele andere Bands im Reunionswahn hatten Blur es auch wirklich nicht nötig: Alle vier der ehemaligen Mitglieder einer der erfolgreichsten Britpop-Bands der Neunziger Jahre haben sich – getrennt voneinander – ihre eigene Karriere aufgebaut.
Der Erfolgreichste: Damon Albarn
Sänger Damon Albarn feierte mit seinen musikalischen Projekten große Erfolge: Mit den Gorillaz ist er kommerziell erfolgreicher, als er es mit Blur je war, mit dem Allstar-Projekt The Good, the Bad and the Queen gewann er die Anerkennung der Kritiker; auch abseits der Popmusik war er erfolgreich: mit der Oper „Monkey – Journey to the West“ und mit der Konzertreihe „Africa Exprez“. Längst ist Damon Albarn mehr als der Britpop-Star von damals – er wird quer durch die Feuilletons als ernstzunehmender und prägender Künstler gefeiert.
Graham Coxon bleibt Indie treu
Gitarrist Graham Coxon verfolgte in den letzten Jahren eine – kommerziell mäßig erfolgreiche – Solokarriere, genießt aber in der eingeschworenen Indie-Gemeinde nach wie vor hohes Ansehen. Sein Output als Musiker ist beeindruckend: sieben Solo-Alben seit seinem Ausstieg von Blur während der Aufnahmen zum Album „Think Tank“ im Jahre 2003. Und das trotz eines persönlichen Absturzes und Alkoholproblemen. Mittlerweile ist er wieder clean und hat zuletzt mit Peter Doherty an dessen Soloalbum gearbeitet.
Dave Rowntree in der Politik, Alex James macht Käse
Alex James, ehemaliger Blur-Bassist und derjenige der vier, der seinen Starstatus am meisten auskostete und keine Party ausließ, zog sich nach der Trennung aufs Land zurück und wurde Farmer. Er und seine Frau züchten Schafe und stellen exquisiten Schafskäse her. Zwischendurch betätigte er sich als Schriftsteller, schrieb Zeitungskolumnen und seine Autobiografie.
Drummer Dave Rowntree wurde Anwalt, unterstützt Obdachlose und engagiert sich gegen die Todesstrafe. Außerdem ging er in die Politik und kandidierte bei mehreren Wahlen für die Labour Party, eher erfolglos.
Neuer Blur-Song „Fool’s Day“ für den Record Store Day
Anlass für den neuen Blur-Song „Fool’s Day“ ist der britische „Record Store Day“, eine Art Promotiontag für die englischen Indie-Plattenläden, begleitet von speziellen, limitierten Plattenveröffentlichungen (nur auf Vinyl). Sänger Damon Albarn dazu: „Wir wollen, dass es die Independent-Plattenläden weiterhin gibt, denn sie sind ein wichtiger Bestandteil unserer Musikkultur“. Andere Künstler, die streng limitierte Auflagen (7 Inch, zu je 1000 Stück) beisteuern, sind z.B. Babyshambles, Hot Chip, Lily Allen und sogar die Beatles oder Jimi Hendrix. Die meisten Musiker (bzw. ihre Plattenfirmen) liefern bereits veröffentlichtes Material.
Die Folgen dieser ersten gemeinsamen Studioarbeit nach sieben Jahren bleiben abzuwarten. Jedoch hat man seitens der Band schon im Fahrwasser der erfolgreichen Reunionskonzerte ein neues Blur-Album nicht ausgeschlossen.
