
- Die DLG hat schon mal Schilder angebracht - Foto:Gundula Klämt (2011)
Im Herbst 2010 erwarb die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) mit Hauptsitz in Frankfurt am Main für 8,9 Millionen Euro rund 550 Hektar kostbare Schwarzerde-Fläche vom finanziell angeschlagenen Land Sachsen-Anhalt.
Die erste DLG-Veranstaltung am neuen Standort Bernburg-Strenzfeld
Doch nichts für ungut, die DLG hat viel versprechende Absichten. Sie will mit den ebenfalls am Standort Bernburg-Strenzfeld ansässigen acker- und pflanzenbaulichen Bereichen der Hochschule Anhalt sowie der Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (LLFG) als auch mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) in Zukunft eng zusammen arbeiten. Das betonte der DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer zur Eröffnung der ersten Pflanzenbautagung des Vereins an dem neuen Standort am 22. Juni 2011 und beschrieb das neue Internationale DLG-Pflanzenbauzentrum als Ort der angewandten Forschung, Präsentation und Kommunikation rund um den zukunftsfähigen Pflanzenbau. Der Minister für Landwirtschaft und Umwelt Sachsen-Anhalts Dr. Hermann Onko Aeikens hieß die DLG willkommen, und nannte die Veranstaltung, an der alle vorher genannten Partner mitwirkten, ein gutes Signal.
Vorträge am Vormittag stellten den Humus in den Mittelpunkt
Thema der Tagung mit mehr als 300 angemeldeten Teilnehmern war: „Humus - Schwarzes Gold?! – Die Bodenfruchtbarkeit im Blick behalten“. Bei der Vortragsveranstaltung am Vormittag in der Mensa der Hochschule Anhalt sprachen nach dem dritten Willkommensgruß durch den Hochschul-Präsidenten Prof. Dieter Orzessek, der Pflanzenbau-Prof. Olaf Christen von der Uni in Halle, Dr. Ullrich von Wulffen und Dr. Ursel Sperling (LLFG) sowie Herr Theo Remmersmann von der Landwirtschaftskammer in Nordrhein-Westfalen (LWK NRW). Zusammenfassend wurde Folgendes vermittelt: Unsere Böden sind gefährdet. Durch den Anstieg der Siedlungs- und Verkehrsfläche gehen hierzulande täglich 108 Hektar und weltweit sogar zehn Millionen Hektar jährlich verloren. Das Ganze bei wachsender Weltbevölkerung und steigendem Bedarf an Nahrungsmitteln. Boden vergeht aber auch durch Erosion durch Wind oder Wasser, was im oberirdischen Bereich gut sichtbar ist. Nicht sichtbar ist hingegen eine mangelnde Grunddüngung.
Humusgehalte messen ist besser als Humusbilanzierung
Fakt ist, dass wenig zur Entwicklung der Humusgehalte in den Böden gesagt werden kann, da keine verlässlichen Messsysteme vorhanden sind. Neben der analytischen Erfassung des Humusgehaltes bestehen auch rechnerische Thesen. Als „Krücke“ dient die Humusbilanzierung - eine eigentlich einfache Methode, bei der Zufuhr und Abfuhr gegenübergestellt werden und der bis heute große Bedeutung zukommt. Gefährlich sind die neuen Begehrlichkeiten an der Biomasse aus dem vermeintlichen „Reststoff“ Stroh zur Herstellung von Kraftstoffen der zweiten Generation. Im Fazit der Berechnungen der Humussalden, sowohl nach der Humuseinheiten(HE)-Methode mit dem PC-Programm REPRO, als auch nach der Methode des Verbandes Deutscher Landwirtschaftlicher Untersuchungs- und Forschungsanstalten (VDLUFA), ist das Strohpotenzial nicht vorhanden, damit die organische Bodensubstanz (OBS, Humus) keinen Schaden nimmt. Auch bei den Zielwerten anzustrebender Gehalte an organisch gebundenem Kohlenstoff (Corg) bestehen große Unsicherheiten. Bei den rechtlichen Cross-Compliance-Grenzwerten von 1,0 bzw. 1,5 Prozent Humus bei einem Tonanteil unter 13 Prozent bzw. über 13 Prozent handelt es sich viel mehr um politisch abgestimmte, als etwa um wissenschaftlich begründete Zahlen. Daher werden Humusgehalte auch mittels Dauerbeobachtungsflächen erhoben, die schwankende Humusgehalte innerhalb der Fläche besser berücksichtigen als die Humusbilanzierung.
Bei Feldrundfahrt am Nachmittag blieb DLG als Organisator im Hintergrund
Bisher nutzten das Feldversuchswesen und das Lehr- und Versuchsgut als LHO-Betrieb der LLFG sowie die Hochschule Anhalt die Ackerflächen, die nun der DLG gehören. Wer damit rechnete, dass Mitarbeiter der DLG vor Ort sein würden, hatte weit gefehlt. Die LLFG und die Hochschule Anhalt erhielten so genanntes Nießbrauchsrecht und können weiterhin ihre Dauerversuche auf einem Teil der Flächen anlegen. So wurden vier Treffpunkte per Kremser und Bus angefahren, die von der LLFG bzw. der Hochschule Anhalt betreut wurden. Überall war der Boden ausgedörrt und wies Trockenrisse auf. Ein Blick auf die vorletzte Seite des „Versuchsfeldführers 2011“ der LLFG gab via Klimadiagramm Aufschluss: Dieses Frühjahr hat es von Januar bis Mai erst 111 mm Niederschläge im Schwarzerdegebiet des Harzvorlandes gegeben. 2010 waren es im selben Zeitraum wenigstens noch 170 mm gewesen. Die Vorsommertrockenheit hat damit auch in dem Mitteldeutschen Trockengebiet in diesem Jahr Extreme entwickelt, die als aride Klimabedingungen einzuordnen sind. Der Tschernosem kann einiges mit seiner hohen Wasserspeicherkapazität wett machen, aber auch hier zahlen sich pflanzenbauliche Anpassungsstrategien aus. Nach der Veranstaltung zogen dunkle Wolken auf, und ein Starkregen, begleitet von heftigem Wind, ging nieder.
Aussichten der DLG im Regenschatten des Harzes
Der Klimawandel wird in der Feldforschung auf dem Gelände in Bernburg-Strenzfeld eine wichtige Rolle spielen, wenn Sortenzüchtungen, Anbaumethoden, Landtechnik, Pflanzenschutzstrategien usw. erprobt und bewertet werden. Nach einem Bericht des MDR trug auch die grundsätzliche Standorteignung für Versuche mit der Grünen Gentechnik zu der Entscheidung der DLG für ein Internationales Pflanzenbauzentrum in Bernburg-Strenzfeld bei. Bis zum Anbauverbot des gentechnisch veränderten (gv) Maises MON810 wurde dieser in geringem Umfang vornehmlich in Ostdeutschland angebaut. Der Bt-Mais (Bt: Bacillus thuringiensis) ist gegen den Maiszünsler, der wie eine Motte aussieht, insektenresistent. Das Auftreten des Schädlings in Sachsen-Anhalt wurde erstmals 1941 dokumentiert, hatte Dr. Ursel Sperling am Vormittag berichtet. Sie lobt jeden Tag, den der in Süddeutschland Einzug haltende Westliche Maiswurzelbohrer noch nicht in Sachsen-Anhalt aufgetaucht ist. Das Dezernat Pflanzenschutz der LLFG begleitet den Bt-Mais-Erprobungsanbau in Sachsen-Anhalt aus phytophatologischer Sicht. 2011 wurden bis auf zwei Hektar mit der gv-Stärkekartoffel Amflora keine gv-Pflanzen in Deutschland kommerziell angebaut. Es sind 15 aktive experimentelle Freisetzungen gemeldet, davon neun mit gentechnisch veränderten Zuckerrüben, Maispflanzen, Kartoffeln und Sommerweizen-Pflanzen in Sachsen-Anhalt, aber nicht in Bernburg (Saale). Doch zunächst stehen vor Ort erst einmal die DLG-Feldtage vom 19. bis 21. Juni 2012 an, wozu bereits jetzt herzlich eingeladen wurde.
Quellen:
- DLG-Pflanzenbautagung am 22. Juni 2011 in Bernburg-Strenzfeld
- MDR Sachsen-Anhalt
- GVO-Standortregister des BVL
