
- Wenden der Pfannkuchen will gelernt sein. - Ilse-Ruth Uebner
Nach zehn Jahren erfolgreicher Girl’sDays muss Gleichberechtigung für Jungen her, stellte die Mecklenburg-Vorpommernsche Landesregierung fest und veranstaltete am 5. Oktober 2011 den ersten JungsTag MV. Die Verantwortung für die Initiative zur Berufswahlreife und Lebensplanung der Jungen im Lande übernahm eine Landeskoordinierungsstelle, die von der Vereinigung der Unternehmensverbände für Mecklenburg-Vorpommern e.V. und dem DGB Nord unterstützt wurde. Der Tag soll den Jungen Zukunftsorientierung geben, ihre Kompetenzen stärken, helfen, tradierte Rollenbilder aufzubrechen und zur Chancengleichheit und Rollenvielfalt in der Gesellschaft beitragen.
Wie soll der JungsTag in Zukunft aussehen?
Zuerst gilt es, über den Tellerrand zu schauen. Neben Mechatroniker und Ingenieur für Maschinenbau sind auch Streetworker, Gesundheitswissenschaftler und Erzieher durchaus Berufe für Jungen. Deshalb sollen am JungsTag Schüler der 8. Klassenstufen einmal in Arbeitsbereiche hineinschnuppern, die sie bislang für die Berufswahl noch nicht in Betracht gezogen haben, etwa in ein Dienstleistungsunternehmen, in den Pflege- und Gesundheitsbereich oder andere zukunftsorientierte Berufe in Mecklenburg-Vorpommern (MV). Sie sollen Unternehmer, Mitarbeiter und Auszubildenden kennen lernen, vor Ort etwas über das Berufsbild, Karrierechancen, persönliche Eignung erfahren und allerhand Hintergrundinformationen bekommen. Der JungsTag könnte aber auch ein Projekttag an der Schule sein, etwa zum Thema Berufs- und Lebensplanungen, an dem sich Jungen untereinander austauschen, mit Gästen aus Unternehmen und mit ehemaligen Schülern ins Gespräch kommen oder Kompetenztrainings absolvieren.
JungsTag in Ostvorpommern
In diesem Jahr fand der JungsTag MV modellhaft statt. In Ostvorpommern (gehört seit der Kreisgebietsreform MV 2011 gemeinsam mit der Stadt Greifswald, dem Landkreis Uecker-Randow sowie Teilen des Landkreises Demmin zum Landkreis Vorpommern-Greifswald) unterstützten die Agentur für Arbeit Ueckermünde,das Bildungswerk der Wirtschaft gGmbH Stralsund, die Pommerania Seniorenpflege GmbH und das Strandhotel Seerose im Loddiner Ortsteil Kölpinsee diesen ersten Aktionstag für Jungen. Die Schüler erfuhren, was sich hinter den Jobs Anlagenmechaniker, Ergotherapeut, Altenpflegers, Koch oder Erzieher verbirgt. Auch wie man die berufliche Karriereleiter, etwa zum Küchenchef, Restaurantleiter oder Rezeptionschef, erfolgreich erklimmt, wurde verraten.
Kochen – ein Beruf für alle Sinne
Dass Pfannkuchen nicht nur lecker schmecken, sondern auch eine ganze Portion sportlichen Ehrgeiz erfordern, entdeckten Mathias und elf weitere Schüler aus der 8. Klasse der Peenetal-Schule Gützkow in der Wolgaster beruflichen Schule. Zu der JungsTag-Veranstaltung hatten Manja Heinath, Bildungswerk der Wirtschaft Stralsund und der Wolgaster Fachpraxislehrer Thomas Thiel eingeladen. Gemeinsam mit Koch-Lehrlingen des dritten Ausbildungsjahres stellten sie den Schülern den Beruf Koch in Theorie und Praxis vor.
Dass beim Schmecken das Auge mitisst, erfuhren die Schüler beim Verkosten einer blauen und einer weißen Soße. Sie konnten kaum glauben, dass sich beide lediglich durch die Farbe unterschieden. Karen Sandow, drittes Kochlehrjahr, erklärte den Jungen, wie Schmecken geht und dass man es trainieren kann. Aber auch wo Gemüse herkommt, was die Verpackung verrät oder was und wie viel man von bestimmten Lebensmitteln verzehren sollte. Ausgerüstet mit der richtigen Arbeitskleidung konnten die Gützkower Jungen dann ihre Talente selbst ausprobieren und ein leckeres Kirschdessert herstellen. Immer standen ihnen die Lehrlinge zur Seite. "Der Eierkuchenteig muss nicht nur richtig gerührt werden, beim Braten kommt es auch auf eine geschickte Wendetechnik an“, erklärte Ina Putensen dem Schüler Mathias, der gern den Kochberuf erlernen würde.
"Wenn ich einige der Jungs in drei Jahren in der Lehrküche wiedersehe, hat sich der heutige Tag gelohnt", hoffte Lehrausbilder Thomas Thiel. Er findet es gut, dass sich das Bildungswerk der Wirtschaft um die berufliche Orientierung im Gaststättengewerbe kümmert. Um die dringend gebrauchten Fachkräfte aber auch an die Region zu binden, wünscht er sich noch mehr Engagement vor allem vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband Dehoga.
Mehr zum Thema Ausbildungschancen in Vorpommern lesen Sie im Beitrag "CJD-Produktionsschule öffnet Türen ins Berufsleben".
