Erster Kultfilm der Filmgeschichte: Der andalusische Hund

Meister des Surrealismus: Salvador Dalì - Roger Higgins, World Telegram staff photographer
Meister des Surrealismus: Salvador Dalì - Roger Higgins, World Telegram staff photographer
Eine Reflexion über die Geschichte von Kultfilmen muss mit diesem Film beginnen: Der andalusische Hund - ein surrealistisches Meisterwerk von Salvador Dalì.

Eine Warnung gleich vorweg: Versuchen Sie gar nicht erst diesen Film zu verstehen! Schon der Titel erhält seine Daseinsberechtigung einzig aus der Tatsache, dass er einen Inhalt suggeriert, den es gar nicht gibt. Doch wer glaubt, ein Film ohne erkennbare Erzählstruktur und roten Faden kann nicht unterhaltsam sein, der irrt. „Der andalusische Hund“ ist Surrealismus in seiner reinsten und gleichzeitig schönsten Form. Der Film schafft Bilder, die oftmals nur schwer zu verdauen und noch weniger zu vergessen sind. Er ist provokant, unverwechselbar und schockierend. Ein Kultfilm eben - uraufgeführt in Paris im Jahr 1929.

Dalis und Buñuels „Wahrzeichen des Surrealismus“

Salvador Dalì und Luis Buñuel stecken hinter diesem „Wahrzeichen des Surrealismus“, wie es Russ Hunter in Steven Jay Schneiders Standardwerk „101 Kultfilme“ auf den Punkt bringt. Die beiden damals verarmten spanischen Künstler schufen einen Film, der scheinbar wahllos aneinandergereihte Szenen, Bilder und Symbole in schneller Abfolge zu einem großen Ganzen zusammenfügt. Konfus wird es zudem, weil Zwischentitel eine zeitliche Abfolge andeuten, die so nicht vorhanden ist: „Es war einmal…“ oder „Acht Jahre später“ sollen den Zuschauer dazu bringen, nach einer Struktur zu suchen, die Buñuel und Dalì mit aller Sorgfalt vermieden.

Keine Erzählstruktur, dafür zahlreiche Schockeffekte

Doch nicht nur aufgrund seiner surrealen Erzählstruktur ist der Film noch heute Kult. Vielmehr sind einige Szenen so schockierend, dass sie noch heute Zuschauer in unbändiges Staunen, sogar Abscheu versetzen. Eine kurze Zusammenfassung der Handlung: Ameisen krabbeln aus einer Hand; ein Mann schneidet den Augapfel einer Frau mit einer Rasierklinge ein; eine Frau wird vergewaltigt; ein Mann fällt auf offener Straße ohne erkennbaren Grund vom Rad; ein Mann zieht zwei große Konzertflügel, die mit Eselkadavern beladen sind - diese Szenen bleiben in Erinnerung, man vergisst sie nur schwer. Der Film ist nichts für schwache Nerven. Auch Buñuel spielt mit: er ist der Mann mit der Rasierklinge.

Reizüberflutung und Provokation

„Der andalusische Hund“ will und soll provozieren, die Gedanken anregen. Die einzelnen Sequenzen sind so schnell miteinander verwoben, dass es schwer ist, sich während des Schauens schon Gedanken zu machen. Vielmehr erfährt das Bewusstsein des Zuschauers eine gewollt hervorgerufene Reizüberflutung. Man sucht nach dem Detail, das die Antworten auf all die Ungereimtheiten liefert und bekommt doch nur Fragen geliefert. Erst am Ende wird man begreifen, dass der Sinn des Films gar nicht in der Geschichte selbst liegt, die er vorgibt zu erzählen, sondern vielmehr im Eindruck und der Stimmung, den er beim Zuschauer hinterlässt.

Unzweifelhaft ist die Entstehung des Films zu erkennen: Dalì und Buñuel hatten einige Szenen zuvor im Traum gesehen. Eine Traumwelt - unnatürlich, wirr und surreal, so ist "Der andalusische Hund". Der Film war, anders als zuvor erwartet, ein voller Erfolg. Die beiden Schöpfer des Films wurden mit einem schlag weltberühmt und waren fortan ein fester Bestandteil der surrealistischen Kunstszene.

„Der andalusische Hund“ ist zu sehen in der Ausstellung „Dalì Berlin“ in der Nähe des Potsdamer Platzes. www.daliberlin.de

Quelle:

Schneider, Steven Jay (Hrsg., 2011): 101 Kultfilme; Edition Olms AG, Zürich

Tony Krönert, Tony Krönert

Tony Krönert - Beruflich habe ich eher mit Politik und Erneuerbaren Energien zu tun - in meiner Freizeit widme ich mich dann gern meinen Leidenschaften: ...

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