Erster Weltkrieg: die Explosion von Halifax

Zwei Kriegsschiffe kollidieren im Hafen der Hauptstadt Nova Scotias

Schäden nach der Explosion von Halifax - W.G. MacLaughlan / Library and Archives Canada
Schäden nach der Explosion von Halifax - W.G. MacLaughlan / Library and Archives Canada
Bis zur Kollision zweier Kriegsschiffe galt Halifax im Ersten Weltkrieg als sicherer Hafen für Schlachtschiffe, die Truppen und Nachschub nach Europa transportierten.

Halifax, die Hauptstadt Nova Scotias, war im Ersten Weltkrieg ein wichtiger Stützpunkt der Kriegsmarine Kanadas. Schon seit der Gründung der Stadt im 18. Jahrhundert galt die Bedford Bucht als sicherer Hafen für Kriegsschiffe. Soldaten waren immer in Halifax stationiert. Daher boomte die Hauptstadt Nova Scotias auch während des Ersten Weltkriegs. Im Hafen lagen kanadische Kriegs- und Versorgungsschiffe vor Anker. Schiffe neutraler Nationen nutzten den Hafen von Halifax als sichere Zuflucht, bevor sie Waffen, Munition oder Soldaten in die Kriegsgebiete Europas transportierten. Die Stadtbevölkerung war gewachsen: Truppen warteten auf ihren Transport nach Europa, andere waren hier stationiert und hatten ihre Familien mitgebracht. Und wieder andere erhofften sich Wohlstand und Arbeit von den lebhaften Aktivitäten im Hafen und in der Garnison.

Kollision zweier Kriegsschiffe im Hafen von Halifax und die Explosion der Mont Blanc

Im Dezember 1917 war das Hafenbecken von Halifax voll mit Kriegsschiffen. Eines davon, die Mont Blanc, war ein französisches Kriegsschiff, das voll beladen war mit Sprengstoffen, Zunder und Benzol, eine Ladung, die beim geringsten Funken explodieren konnte. Sie sollte am 6. Dezember 1917 mit einem Konvoi nach Europa aufbrechen. Gleichzeitig mit ihr legte das norwegische Schiff Imo ab, das den Auftrag hatte, in New York Nachschub aufzunehmen für die Truppen in Belgien.

Aufgrund der beengten Verhältnisse im Hafen und wegen unkluger Navigationsmanöver kollidierte die Imo mit der Mont Blanc an der Einfahrt in die Hafenpassage, und obwohl der eigentliche Zusammenstoß nicht schlimm war, brach an Bord der Mont Blanc sofort ein Brand aus - und das verhieß bei der Ladung des Schiffes nichts Gutes. Kapitän, Lotse und Besatzung des Munitionsschiffes verließen ihr Schiff sofort, weil sie eine Explosion befürchteten und flohen mit den Rettungsbooten ans Ufer der Nachbarstadt Dartmouth.

Herrenlos trieb das brennende Kriegsschiff an einen der Hafenpiers von Halifax, wo sich eine neugierige Menge an Schaulustigen versammelte, die nichts von der drohenden Gefahr ahnte und gebannt auf das Drama blickte, das sich vor ihr abspielte. Es kam, wie es kommen musste: Kurz vor 9.05 Uhr explodierte die Mont-Blanc. Ein riesiger Rauchpilz stieg über dem Hafengelände von Halifax auf, aus dem Staub und Trümmer regneten.

Katastrophe in Halifax

Die Explosion war so stark, dass von dem Kriegsschiff nichts im Hafen zurück blieb. Metallteile flogen durch die Luft und bohrten sich in die umliegenden Häuser. Stahlträger versenkten sich in Gebäude, Geschäfte, Schulen, Wohnhäuser, Fabrikgebäude und Schiffe wurden von der enormen Gewalt der Explosion zerstört. Herumfliegendes Glas, schwere Metallbrocken, massive Stahlteile töteten oder verletzten Menschen schwer. Ein Anker mit einem Gewicht von mehr als einer Tonne flog mehr als einen Kilometer durch die Luft. Eine Flutwelle und heftige Erschütterungen trugen zu den Schäden bei. Der Stadtteil Richmond wurde dem Erdboden gleichgemacht. Der Lärm der Explosion war noch im mehr als 300 Kilometer entfernten Cape Breton Island zu hören. Die gesamte Besatzung der Mont Blanc mit Ausnahme eines Mannes überlebte die Katastrophe. Auf der Imo starben der Kapitän, der Lotse und fünf Mitglieder der Besatzung.

Rasche Rettungsmaßnahmen wurden eingeleitet

Dank der zahlreichen Truppen vor Ort wurden rasch Rettungsmaßnahmen eingeleitet. Die Krankenhäuser der Stadt waren schnell überfüllt, so dass die Verletzten auf Lazarettschiffen untergebracht und behandelt wurden. Ein Teil der Opfer musste sogar mit dem Zug in andere Städte gebracht werden.

Die Schadensmeldungen nach der Katastrophe zeugen von der enormen Gewalt der Explosion: mehr als 1.500 Wohnhäuser waren zerstört, 12.000 waren beschädigt. 6.000 Menschen verloren ihre Unterkunft. Fast alle Fenster in Halifax und Dartmouth zerbarsten. Insgesamt kamen fast 2.000 Menschen ums Leben.

Die Explosion von Halifax: ein Trauma für die Stadt an der Bedford Bucht

Im Marine Museum von Halifax kann man bis heute die Bilder sehen, die zeigen, welche Schäden die Explosion in der Stadt angerichtet hat. Verbogene Stahlteile zeigen, wie gewaltig die Kraft war, die hier am Werke war. Traumatisierte Gesichter von Opfern zeugen von den Schrecken, die sie durchlebten. Und überfüllte Krankensäle bestätigen die hohe Anzahl der Verletzten. Im 20. Jahrhundert starben an keinem anderen Tag so viele Nordamerikaner durch ein von Menschen verursachtes Ereignis wie am 6. Dezember 1917 bei der Explosion von Halifax.

Monika Fuchs, Monika Fuchs

Monika Fuchs - Seit 1989 ist Monika Fuchs ganzjährig auf Reisen in den USA, Kanada, Zentralamerika, Australien, Südafrika, Namibia, Zimbabwe, ...

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