Neben dem Verkehr ist Wasser in jeder Form die größte Gefahr für kleine Kinder. Nach Verkehrsunfällen ist Ertrinken die zweithäufigste Todesursache für Kinder im Alter bis zu fünfzehn Jahren. Zwischen 2000 und 2006 sind jährlich durchschnittlich siebzig Kinder in Deutschland in diesem Alter ertrunken. Bis zu 400 Kinder verunglücken jährlich durch Beinahe-Ertrinken.

Und die Gefahr ist nach einer Rettung noch längst nicht vorüber. Viele Kinder sind unterkühlt oder haben Wasser geschluckt. Deshalb fordern Fachleute, Kinder nach einem derartigen Wasserunfall grundsätzlich einen Tag lang in einem Krankenhaus zu beobachten.

Intensiv-Mediziner fordern Beobachtung nach verhindertem Ertrinken

Auf dem Hauptstadtkongress der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin im September 2008 war dieses Problem eines der Themen. Dr. Michael Toursarkissian von der Berliner Charité warnte, dass auch nach einem eher harmlos erscheinenden Wasserunfall sich – oft erst einige Stunden nach dem Unfall – eine schwere Aspirationspneumonie – eine spezielle Form der Lungenentzündung – entwickeln könne. Diese Krankheit entsteht, wenn erbrochener Mageninhalt und/oder verunreinigtes Wasser in die Lunge gelangen. Das löst eine starke Entzündungsreaktion aus. Stunden nach dem Unfall bekommen die kleinen Patienten plötzlich keine Luft mehr. Dem lässt sich durch stationäre Beobachtung vorbeugen, Komplikationen lassen sich rasch bekämpfen.

Schnelle Erste Hilfe bei Ertrinkungsfällen nötig

Bei Ertrinkungsfällen entscheidet die rasche Erste Hilfe über Leben oder Tod. Bei Atemstillstand sollte so schnell wie möglich mit einer Mund-zu-Nase-Beatmung begonnen werden. Bei Herzstillstand ist eine Herzdruckmassage notwendig. Falsch sind alle Versuche, etwa durch Ausschütteln Wasser aus Lungen oder Magen zu entfernen. „Dabei geht nur kostbare Zeit verloren“, so Dr. Toursarkissian. Der Notarzt müsse auf jeden Fall unverzüglich angefordert werden.

Bei einem Sturz in kaltes Wasser kühlen Kinder schnell aus. Auch nach der Bergung aus dem Wasser sinkt die so genannte Körperkerntemperatur noch einige Zeit weiter. Diese Unterkühlung kann Störungen des Herzschlags auslösen. Die nasse Kleidung muss deshalb sofort entfernt werden.

Milde Unterkühlung als Therapie nach Wasserunfall

Andererseits ist eine milde Unterkühlung für die Wiederbelebung hilfreich. Der Sauerstoffverbrauch im Gehirn wird gesenkt. „Nicht selten gibt es vermeintlich wundersame Rettungen von Kindern, die lange regungslos in kaltem Wasser gelegen haben“, so der Fachmann. Doch durch die Unterbrechung der Sauerstoffversorgung des Gehirns – auch nur für wenige Minuten – können auch schwere Schäden entstehen.

Anderseits ist es aber auch bedenklich, die Kinder nach einem solchen Unfall rasch wieder auf eine normale Körpertemperatur zu bringen. Am Otto-Heubner-Centrum für Kinder- und Jugendmedizin der Berliner Charité haben die Erfahrungen in Übereinstimmung mit internationalen Studien gezeigt, dass es besser ist, die Unfallopfer nach Erreichen von mindestens 32 ° Celsius in Narkose gezielt therapeutisch zu unterkühlen. Dies kann je nach Schwere des Unfalls sogar mehrere Tage beanspruchen. So aber werde der kleine Patient vor Folgeschäden des Gehirns und des übrigen Nervensystems geschützt.

Die meisten Ertrinkungsunfälle passieren im häuslichen Bereich

Die Fachleute weisen darauf hin, dass sich die meisten Ertrinkungsunfälle nicht etwa beim Baden in einem See, im Meer oder in einem Schwimmbad ereignen. Die größten Gefahren bietet das Spielen in häuslicher Umgebung: Ein flacher Gartenteich, eine Regentonne, selbst die Badewanne können zu einer tödlichen Gefahr werden, wenn ein Kleinkind dort unglücklich hineinstürzt. Deshalb sollten in der Nähe von Wasser – auch im Badezimmer – Kleinkinder nie unbeaufsichtigt bleiben. Und Gefahrenquellen sollten durch Zäune abgeschirmt werden.