Erwin J. O. Kompanje: Der Penisverkürzer

Der Penisverkürzer - Piper
Der Penisverkürzer - Piper
...und andere Merkwürdigkeiten aus 500 Jahren Medizingeschichte. Ein schauriger und interessanter Einblick in die Geschichte der Medizin. Eine Rezension.

Die Medizingeschichte der vorigen Jahrhunderte brachte etliche Merkwürdigkeiten zu Tage und auch die Behandlungsmethoden erscheinen uns heute oftmals eher schaurig denn hilfreich. Der holländische Neurologe und Intensivmediziner Dr. Erwin J. O. Kompanje hat sich in seinem Buch „Der Penisverkürzer und andere Merkwürdigkeiten aus 500 Jahren Medizingeschichte“ den seltsamsten Kuriositäten der menschlichen Gesundheit angenommen.

Kuriositäten aus 500 Jahren Medizingeschichte

Insgesamt 21 Kapitel geben einen erstaunlichen Einblick in die düstere Welt der Pathologiesäle, Hospitale und Baderstuben der vergangenen Jahrhunderte. In mitreissendem und gleichzeitig fachmännischem Stil berichtet der als versierter Kulturanthropologe im medizinischen Bereich geltende Autor von doppelköpfigen Babys, künstlich herbeigeführten Wasserköpfen und Männer mit zwei Penissen, die bereits damals einige Aufmerksamkeit auf sich zogen. Ausserdem finden Frauen mit zwei Vaginen, schmerzhafte Eigenoperationen, seltsame Krankheiten mit ebenso seltsamen Behandlungsmethoden sowie ein Messerschlucker, der es mit der Messerschluckerei etwas übertrieben hat Einklang in das schaurig unterhaltsame Büchlein. Auch auf den Zusammenhang von Alice im Wunderland und Migräne wird eingegangen und eine Frau, die es schaffte Kaninchen zur Welt zu bringen wird genauer beleuchtet.

Aus medizinischer Sicht und doch verständlich

Schnell wird klar, dass es sich bei dem in Rotterdam wohnhaften Autoren um einen Fachmann handelt, der sich bereits seit Jahrzehnten mit medizinischen Kuriositäten beschäftigt. Auch wenn einige medizinische Begriffe ihren Weg ins Buch gefunden haben, ist „Der Penisverkürzer“ doch ein allgemein verständliches Werk geblieben. Einzig die erwähnten, teils langen Buchtitel in Englisch, Französisch, Niederländisch und Latein lassen den Laien hin und wieder eine Übersetzung vermissen.

Oftmals lassen sich die vorgestellten Fälle wie eine schaurige, teils tragische Kurzgeschichte lesen, was den Spannungsgehalt zusätzlich steigert. In den einzelnen Kapiteln wird jeweils auf einen Fall im Besonderen eingegangen und nebenbei einige ähnliche Begebenheiten beschrieben.

Schreckliches aus der Geschichte der Medizin

Obwohl der Buchrücken eine Mischung aus Humor und Horror verspricht, wirken die hervorgehobenen Kuriositäten nur selten wirklich lustig. Viel eher sind diese schaurig oder geradezu erschreckend. Selbst der titelgebende Penisverkürzer weist einen ernsten Hintergrund auf, schliesslich wäre die arme Frau des Mannes mit dem zu grossen Glied ohne diese – in der Vorstellung sicherlich witzige – medizinische Erfindung grausam ums Leben gekommen. Überaus Interessant sind die Kuriositäten aber allemal! Die passenden Bilden, die ebenfalls allerhand Kurioses zeigen, tragen ihr übriges zum gelungenen Gesamtbild des Buches bei.

Fazit zu „Der Penisverkürzer“

Auf verständliche und spannende Weise hat Erwin J. O. Kompanje die schaurigsten und zugleich skurrilsten Fälle der Medizingeschichte zusammengetragen. „Der Penisverkürzer und andere Merkwürdigkeiten aus 500 Jahren Medizingeschichte“ stellt eine kurzweilige und interessante Lektüre dar, die jedem der sich für Medizingeschichte, Geschichte in Allgemeinen oder ganz einfach bizarren Begebenheiten begeistert sehr zu empfehlen ist.

Das Buch:

Erwin J. O. Kompanje, Der Penisverkürzer und andere Merkwürdigkeiten aus 500 Jahren Medizingeschichte (Original: De Penisverkorter), Piper Verlag 2011, Taschenbuch, 208 Seiten mit 48 Abbildungen, ISBN: 978-3-492-27273-5, Preis: 8.99 Euro (D)

Sarah A. Friedli, Sarah A. Friedli

Sarah A. Friedli - Kurzvita: Geboren wurde ich 1985 in der Schweiz. Nach der Schulzeit absolvierte ich den Vorkurs für Gestaltung und anschliessend ...

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