Erwin Teufel - der oft unterschätzte CDU-Politiker

Teufel  2011 - R. Simon
Teufel 2011 - R. Simon
Einst jüngster Bürgermeister einer deutschen Stadt und später über 14 Jahre hinweg Ministerpräsident in Baden-Württemberg

Er wirkte immer, vor allem auch in seiner Zeit als Ministerpräsident, bäuerlich, vierschrötig, bieder. Ja, wie ein „Verwaltungswirt“. Den Beruf hatte Erwin Teufel auch gelernt. Und weil er so wirkte, wurde er ständig unterschätzt. Etwas Besseres kann einem Politiker kaum passieren. So kam es eigentlich, wie es kommen musste: Der am 4. September 1939 in dem Ort Zimmern bei Rottweil geborene CDU-Politiker wurde im Alter von 25 Jahren Bürgermeister der schwäbischen Stadt Spaichingen und damit der jüngste Bürgermeister in der Bundesrepublik Deutschland. Und Ministerpräsident in Baden-Württemberg war er von 1991 bis 2005. Das macht satte 14 Amtsjahre in der Stuttgarter Villa Reitzenstein.

Nach langem Schweigen Abrechnung mit der Politik

Nach diesen politischen Jahren hat er sich rar gemacht; was bedeutet, dass sein Name im deutschen Politikbetrieb allmählich verblasste. Fünf Jahre lang, sagte er Ende Juli 2011 im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, habe er sich öffentlich nicht zu Wort gemeldet. Trotz wachsenden Bauchgrimmens. Nun ist es aus ihm herausgeplatzt. Er hat sich die deutsche politische „Klasse“, die europäische genauso, dazu die Führungsriege seiner Partei, der CDU, zur Brust genommen. Harsch, mit offenem Visier. Und damit ist der alte, gradlinige Teufel wieder deutlich sichtbar geworden.

Erwin Teufel und die „Volkspartei“ CDU

Wenn Erwin Teufel davon spricht, dass sich die Politiker im europäischen Dunstkreis nicht mehr „an Normen, an Recht und Gesetz“ halten, wenn er der „Volkspartei“ CDU vorhält, dass sie kein Führungspersonal hat, das noch weiß „wo die Menschen der Schuh drückt und wo das tägliche Brot herkommt“, dann weiß er, wovon er spricht. Der damals jüngste Bürgermeister einer deutschen Stadt, der dann über 14 Jahre hinweg Regierungschef eines pulsierenden Bundeslandes wurde, er war stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU, Landesvorsitzender in Baden-Württemberg genauso. Er war Mitglied im Ausschuss der Regionen Europas innerhalb der EU, genauso im Europäischen Konvent, einberufen vom Europäischen Rat. Dort saß er als Vertreter der deutschen Bundesländer.

Mitglied im Deutschen Ethikrat

Aber neben solchem politischen Erfahrungsschatz treibt Erwin Teufel etwas anderes um, das sich spiegelt in dem sozialen und gesellschaftlichen Engagement des jetzt mehr als 70 Jahre alten CDU-Politikers. Es hat mit politischer Moral zu tun. Er ist nach wie vor Mitglied im Deutschen Ethikrat, Kuratoriumsmitglied des Vereins ProChrist, Beiratsmitglied der vom ehemaligen SPD-Vorsitzenden Hans-Jochen Vogel gegründeten Stiftung „Gegen Vergessen – Für Demokratie“, sowie Mitglied der Eugen-Biser-Stiftung, einer Stiftung, die sich laut Satzung „dem Dialog aus christlichem Ursprung“ heraus verpflichtet sieht. Sie ist nach dem Theologen und Rechtsphilosophen Eugen Biser benannt. Es versteht sich von selbst, dass der gläubige Katholik Teufel bis zum Jahr 2008 auch Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken war.

Seine beredte Klage über den Zustand der Politik, zusammengefasst in einer Rede vor der Senioren-Union in Berlin, trägt beziehungsreich die Überschrift „Berliner Rede über das C“.

Klaus J. Schwehn, Klaus J. Schwehn

Klaus J. Schwehn - Daß ich Journalist geworden bin, verdanke ich dem Umstand, daß mir meine Eltern kein Studium finanzieren konnten. (Ich ...

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