Erzbischof Timothy Dolan: Homo-Ehe ist "Kastration der Religion"

In den USA werden Homosexuelle immer noch diskriminiert. Vor allem die katholische Kirche macht immer wieder Stimmung gegen Schwule und Lesben.

Die katholische Kirche ist ja beileibe nicht zimperlich, was den Umgang mit Homosexuellen betrifft. Schon seit längerer Zeit ist der Versuch zu erkennen, sich in die Politik einzumischen und Druck auf Politiker und Regierungen auszuüben, um die überholten Moralvorstellungen dieser überalterten, starren und sich jedem Wandel verschließenden Institution unters Volk zu bringen. Jetzt versucht es die US-amerikanische Bischofskonferenz mit einer eigenen Website und mit neuen, homophoben Verbalattacken.

Neue Website wehrt sich gegen die Homo-Ehe

Die US-amerikanische Bischofskonferenz hat jetzt eine eigene Website ins Netz gestellt, die schon durch ihren Namen „marriageuniqueforareason“ (Die Ehe ist aus gutem Grund einzigartig) deutlich macht, was den Leser erwartet, wenn er sie anklickt. Die Bischöfe äußern auf der Seite die Befürchtung, dass die bisher gültige Ehe eine Entwertung erfahren würde, wenn die Homo-Ehe eingeführt würde. Zudem wird argumentiert, dass der Glauben und die damit verbundene Ablehnung der gleichgeschlechtlichen Ehe von vielen als Hass auf Menschen mit homosexuellen Neigungen verstanden werden könnte. Der Staat müsse dann alle strafrechtlich verfolgen, die sich trotz der Einführung der Homo-Ehe aufgrund ihres Glaubens dagegen aussprechen. Dies ist allerdings nicht zu erwarten, da viele, auch gläubige Katholiken, eine sehr liberale und offene Haltung zu gleichgeschlechtlichen Verbindungen haben. So war 2011 ein großer Teil der Katholiken in den USA für die Einführung der Homo-Ehe. Homosexualität scheint zumindest für die US-amerikanische Gesellschaft kein Problem zu sein. Mit ihren Thesen versucht die katholische Kirche, eine Täter-Opfer-Umkehr zu etablieren, die kein vernünftig denkender Mensch unkommentiert stehen lassen und schon gar nicht ohne Kritik hinnehmen darf.

Homo-Ehe als Kastration der Religion?

Die Angst der katholischen Kirche vor der Einführung der Homo-Ehe ist mehr als unverständlich und schon gar nicht nachvollziehbar. Denn bei einer Einführung der Homo-Ehe würden doch die Zahlen bei heterosexuellen Eheschließungen nicht zurückgehen. Dies wäre nur der Fall, wenn sich Heteros plötzlich zu einer Homo-Ehe entschließen würden, was ja aufgrund ihrer sexuellen Ausrichtung nicht zu erwarten ist. Insofern wäre die Homo-Ehe gar keine Gefahr für die Ehe nach katholischem Verständnis, aber dieser Gedankengang ist den Kirchenführern wohl gänzlich fremd.

Anstatt sich intensiv mit dem Thema zu befassen, ergehen sie sich lieber in verbaler Diskriminierung oder üben Druck durch Schließung sozialer Projekte in Bundesstaaten aus, in denen die Homo-Ehe eingeführt wurde oder werden soll (Illinois, Washington). Die heftigste Attacke auf Homosexuelle kam aus dem Bundesstaat Rhode Island. Der dortige Ortsbischof Robert Evans nannte 2011 die Homo-Ehe ein "Werk des Satans" und in New York wurde sogar mit dem Gedanken gespielt, dass man liberalen Politikern die Kommunion verweigern könnte, wenn sie sich für die Homo-Ehe aussprechen. Hier wird das Sakrament der Liebe als Druckmittel missbraucht.

Kampf gegen Gleichstellung auch im US-Wahlkampf

Aber nicht nur die katholische Kirche wehrt sich gegen eine Gleichstellung von Homosexuellen, auch verschiedene Politiker, die sich Hoffnungen auf einen Einzug ins Weiße Haus machen, stellen sich ganz offen gegen eine Gleichstellung. So verglich der texanische Gouverneur Rick Perry in einem Buch Homosexuelle mit Alkoholikern. Aber auch die umstrittene Michele Bachmann machte ihrem Ruf als homophobste Politikerin der USA alle Ehre, als sie Homosexualität als Teil Satans bezeichnete. In diesen Politikern, evangelikalen Vereinigungen und einem Teil der Bevölkerung findet die katholische Kirche immer wieder willige Werkzeuge, um gegen Schwule und Lesben Stimmung zu machen. Bleibt abzuwarten, wie lange die Menschen die Homophobie der Kirche noch ertragen.

Quelle: Queer.de

Christian Schultze, Christian Schultze

Christian Schultze - Geboren wurde ich 1967 in Berlin. Nach dem Realschulabschluss und einer anschließenden Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann ...

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