Jugend in unserer Gesellschaft: Quo vadis?

Schwächere Lebewesen brauchen unseren Schutz. - Schön
Schwächere Lebewesen brauchen unseren Schutz. - Schön
Gewalt durch Jugendliche wird zum alltäglichen Problem. Eine Patentlösung ist nicht in Sicht: Die Gesellschaft als Ganzes ist gefordert.

Aus dem Rhein-Wied-Kurier, Lokalanzeiger, 11.08.2010:

"Dackel erschlagen

ASBACH. Einen 13 Jahre alten Dackel haben drei Jugendliche in Asbach totgeschlagen. Der Hund hatte sich vor dem Haus seines Herrchens aufgehalten, als der 41 Jahre alte Mann sich gerade ein Eis gekauft hatte. In der Zwischenzeit hat ein 15-Jähriger die Tat gestanden. Sein Motiv ist noch unklar."

Wer auf dem Dorf wohnt, sieht mit Entsetzen die Bilder von gewalttätigen Jugendlichen in U-Bahn-Stationen und auf anderen städtischen Plätzen - und möchte doch nicht glauben, dass so etwas auch vor der eigenen Haustür geschehen kann. Wie das anfängliche Zitat belegt, ist Gewalt durch Jugendliche jedoch beileibe kein Problem, das auf bestimmte Umfelder eingegrenzt werden kann, auch wenn das Opfer in diesem Fall "nur" ein Dackel war. Doch wie groß ist der Schritt von der Tierquälerei zum Schinden schwächerer Menschen wirklich? Ganz zu schweigen davon, dass ein Geschöpf, das dem Menschen in Treue verbunden ist, wahrlich etwas Besseres verdient hat und unbedingt geschützt werden muss. Keinesfalls darf ein solcher Vorfall verharmlost werden.

Fehlende Werte

Was geht in einem Menschen vor, der sich an Schwächeren vergreift? Wie hilflos muss er sich fühlen, wie frustriert muss er sein - und wie gleichgültig, rücksichtslos und ichbezogen? Umso schlimmer, wenn dieser Geisteszustand bereits bei Jugendlichen auftritt, oft schon in einem Alter, in dem der junge Mensch noch geborgen und beschützt im Elternhaus verweilen sollte. Stattdessen fehlt es hier ganz offensichtlich an Mitgefühl und Einfühlungsvermögen, an Selbstbeherrschung, Verantwortung und Kommunikationsfähigkeit. Bleibt zu fragen, wie es sein kann, dass diese so wichtigen Werte nicht vermittelt werden - weder im Elternhaus noch im gesellschaftlichen Umfeld.

Ein Generationenproblem?

Immer wieder werden Stimmen laut, die ein früheres und aktiveres Eingreifen des Staates in die Kindererziehung fordern. Meist geht es dabei um Qualifikationen wie den Erwerb der deutschen Sprache, Gesundheitsüberprüfungen und die Tagesbetreuung der Kinder berufstätiger Eltern. Doch auch die soziale Erziehung spielt bei diesem Ansatz eine Rolle.

Doch bei allem Bemühen wird der Staat die Erziehung durch die Eltern nicht ersetzen können. Wer Kinder hat, trägt eine große Verantwortung. Wem jedoch selbst der innere Halt fehlt, der wird seinem Kind auch keine Werte vermitteln können. So zieht sich das Erziehungsproblem häufig durch die Generationen.

Die Verantwortung des Einzelnen

Eine Patentlösung kann es ganz offensichtlich nicht geben. Immer wieder wird es Fälle geben, in denen weder die Eltern noch der Staat und das gesellschaftliche Umfeld eine ausreichende Erziehung leisten können. Doch es kann nicht damit getan sein, mit dem Finger auf den Einzelfall zu deuten und "pfui" zu rufen - wer das tut, fühlt sich zwar im Recht, trägt aber nichts zu einer Verbesserung der Situation bei. Letztlich ist jeder Einzelne gefragt: Indem er hinschaut, indem er selbst Verantwortung übernimmt, indem er mit gutem Beispiel vorangeht, tut er den ersten und wichtigsten Schritt. Eine lebendige Diskussion zum Thema ist wichtig, um das Problembewusstsein in der Gesellschaft zu schärfen.

Die Möglichkeiten des Staates

Die Jugend ist die Zukunft der Gesellschaft. Und doch wird in der Praxis immer noch zu wenig investiert, um Jugendlichen eine umfassende Bildung und eine entsprechend positive Perspektive zu bieten. Frust ist einer der Hauptauslöser von Aggression und Gewalt. Endlose Diskussionen über Schulreformen täuschen ein staatliches Engagement vor, das in der Praxis doch ganz konkret an den Finanzen scheitert. Solange Lehrer sich um 30 Kinder in einer Klasse kümmern müssen, ist das dahinter stehende Schulsystem nebensächlich - individuelle Förderung kommt in erster Linie nicht durch ein spezielles System zustande, sondern durch Zeit für den Einzelnen. Die wichtigste Forderung muss daher lauten: Mehr besser ausgebildete, durch höhere Bezahlung besser motivierte und zufriedenere Lehrer in kleineren Klassengruppen. Das würde jedoch erhebliche Mehrkosten verursachen. Billiger ist es, um zwei Jahre mehr oder weniger gemeinsames Lernen zu feilschen ...

Das Recht des Schwächeren

In unserer Gesellschaft gilt nicht nur das Recht des Stärkeren. Schwächere Mitglieder der Gemeinschaft stehen unter dem Schutz des Staates - so die Theorie. In der Praxis hapert es leider noch. Letztlich müssen alle schutzbedürftigen Lebewesen mit Respekt und Achtung behandelt werden, seien es etwa Kinder, kranke oder alte Menschen und letztlich auch Tiere. Nur wenn diese ethische Verantwortung auch im täglichen Leben fest in unserer gesamten Gesellschaft verankert wird, ist eine Problemlösung vorstellbar. Damit diese Vorstellung keine reine Utopie bleibt, ist jeder Einzelne gefordert, bei sich selbst anzufangen.

Britta Schön - Britta Schön hat einen Studienabschluss als Magistra Artium in den Fächern Erziehungswissenschaft, Germanistik und Psychologie. ...

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