Erziehung mit Musik – Singen und Musizieren mit Kleinkindern

Musik regt das Gehirn an und animiert die Sinne. Daher ist es wichtig, kleinen Kindern so früh wie möglich die Welt der Klänge und Rhythmen zu eröffnen.

Musik – gehört und/oder gefühlt - gilt stets als eine einzigartige Sinneserfahrung; so kann sie einen Menschen in einem Moment sehr traurig machen, ein anderes Mal animiert sie ihn jedoch zu fröhlichen Tanzbewegungen. Schon die Kleinsten können die unterschiedliche Wirkung der Musik beschreiben, um mit Mimik, Gestik oder Worten die gehörte Musik eigenen Emotionen zuzuordnen. Das beginnt ja bekanntlich bereits im pränatalen Alter, also schon im Mutterleib. Die Reaktion der Ungeborenen auf unterschiedliche musikalische Stimulation ist ganz verschieden; sie reicht von heftigem Treten und Boxen bis hin zur bewegungslosen Ruhe. Nach der Geburt dann können Eltern ihre Babys und Kleinkinder mit Liedern beruhigen oder aber mit bestimmten Tönen und Geräuschen zum Lachen bringen.

Was Entwicklungsforscher über Musik denken

Entwicklungsforscher sind sich einig: Je früher Musik ein prägender Bestandteil der kindlichen Entwicklung ist, desto besser verläuft die ganzheitliche Entwicklung. Hören die Ohren Melodien oder Rhythmen, wirkt dies sofort aktivierend auf die Zentren für Emotionen, Sprache, Kreativität und Gedächtnis. Im Rahmen der wissenschaftlichen Erforschung der kindlichen Entwicklung wurde sogar herausgefunden, dass beim Musizieren die rechte Gehirnhälfte und die linke gleichzeitig stimuliert werden. Daher sollen vor allem solche Kinder, die viel Musik erleben, leichter sprechen lernen und schneller lesen; sie zeigen eine besser ausgeprägte Kreativität und können sich Lerninhalte besser und länger merken. Nebenbei scheint sich das Musizieren auch positiv auf die Förderung der Widerstandskraft, auch bekannt als Resilienz, auszuwirken.

Mit Kindern gemeinsam Musik erleben bringt Spaß und Freude

Im Alter von sechs Monaten bis etwa vier Jahren findet die musikalische Früherziehung anhand von Eltern-Kind-Kursen statt, zunächst in Form eines so genannten Musikgartens, später als Früherziehung. Im Rahmen dieser meist einmal pro Woche stattfindenden Kurseinheiten erhalten die Eltern und auch die Kinder viele Anregungen, die dabei helfen, die Musik als täglichen Bestandteil in den Lebensablauf mit aufzunehmen. Egal ob es sich dabei um gemeinsames Singen, Klatschen, Tanzen, lustige Fingerspiele oder auch das Ausprobieren erster Instrumente handelt, sicher haben sowohl große als auch kleine Leute viel Spaß dabei. Natürlich werden zu Hause nicht immer gleich richtige Musikinstrumente benötigt. Auch das gemeinsame Musizieren mit Hilfe verschiedenster Küchenutensilien, so genannte Küchenmusik, kann eine Menge Freude bereiten; gleichzeitig werden Phantasie und Kreativität der Kinder und ihrer Eltern angeregt.

Musikgarten und musikalische Früherziehung - Grundlagen eines pädagogischen Konzeptes

Der Musikgarten und darauf aufbauend die musikalische Früherziehung sind die Bestandteile eines musikpädagogischen Konzeptes, welches an vielen deutschen Musikschulen Anwendung findet. Teilnehmen können Kinder ab dem Säuglingsalter, zunächst gemeinsam mit ihren Eltern und später dann auch alleine, um zum gemeinsamen Musizieren angeregt zu werden. In kleinen Gruppen werden die Kinder und auch die Erwachsenen anhand gezielter musikalischer Übungen in die Welt der Klänge und Rhythmen eingeführt. Klein und Groß nehmen in dieser Zeit eine Vielzahl an Ideen mit nach Hause, um die Musik in den normalen Tagesablauf zu integrieren. Das gemeinsame Musizieren mit und ohne Instrumente, das Hören von Musik und die Bewegung zur Musik machen kleinen Kindern und auch Erwachsenen Freude und gelten gleichzeitig als wichtige Bausteine für die gesunde Entwicklung der Kleinen.

Der Musikgarten – eine musikalische Einführung für Babys

Bereits im Säuglingsalter von sechs Monaten können die Kinder durch kleine musikalische Übungen ohne Leistungsdruck und mit viel Spaß ein Bewusstsein für ihre Stimme und ihren Körper erlangen und so die Welt der Musik auf spielerischem Wege betreten. In kleinen Gruppen geschieht dies unter Anleitung einer ausgebildeten Musiklehrerin oder eines Lehrers. Der Inhalt dieser Stunden reicht von Kniereitern über Fingerspiele mit Reimen, kurzen Liedern und kurzen Klangspielen mit einfachen Instrumenten bis hin zu kleinen Tänzen.

Im Musikgarten soll die musikalische Wechselbeziehung zwischen dem Kind und einem Erwachsenen betont werden; Eltern singen vor und geben dem Kind einen Anreiz zum eigenen Singen. Während der Musikstunden ist den Kindern die Möglichkeit gegeben, ohne eine vorgegebene Leistungserwartung, Musik aufzunehmen und diese auch selbst zu gestalten. Mit einfachen Instrumenten wie Klanghölzern, Rasseln, Glöckchen und Handtrommeln werden die Kinder in die Welt der Klänge und des Rhythmus’ eingeführt. Rhythmus, Musik, Bewegung und Sprache sind dabei untrennbar miteinander verbunden und ergänzen sich gegenseitig.

Die musikalische Früherziehung – für Kinder ab drei Jahre

Die musikalische Früherziehung baut auf den Musikgarten auf und setzt bei Kindern ab drei Jahren an. Unter Anleitung einer ausgebildeten Musiklehrerin oder eines ausgebildeten Musiklehrers machen die Kinder im Rahmen dieser Früherziehung erste Schritte im Bereich der musikalischen Bildung. Am Anfang stehen daher leichte und spielerische Aufgaben, wie etwa das Erlernen einfacher Lieder, die dann in der Gruppe gesungen werden oder das Klatschen zu einem bestimmten Rhythmus. Bewegung und Tanz gehören ebenfalls zu den Grundelementen der musikalischen Früherziehung.

Aufbauend auf diesen Übungen vertiefen sich allmählich die Leistungsinhalte; die Kinder lernen Noten lesen und schreiben, probieren sich an verschiedenen Instrumenten und machen gemeinsam Musik damit. Dabei kommen sowohl Rhythmus-Instrumente zum Einsatz als auch gezielte Stimm- und Sprachübungen. Abschließend bleibt zu bemerken, dass es falsch ist, zu behaupten, Musik sei eine Frage des Talentes. So ist jeder Mensch auf seine Weise musikalisch und entscheidend für eine Entwicklung in der Welt der Musik ist einzig und allein die Förderung. Kinder, deren Interesse für Musik früh geweckt wird, werden ihre Leidenschaft dafür nicht mehr verlieren.

Quellenangabe:

Gemeinsam Musizieren zu Hause von Lorna Lutz Heyge, Institut für elementare Musikerziehung Mainz, 1993.

Musikkindergarten, Praxisbuch von Lorna Lutz Heyge und Angelika Jekic, Institut für elementare Musikerziehung Mainz, 2008.

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Dr. Michaela Märten - Seit dem Abitur bin ich darauf aus, meine Hobbys zum Beruf zu machen. Als natur(wissenschaftlich) begeisterte Person ist mir dies bisher ...

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