
- Das Feld? - Martina Taylor / pixelio.de
Wer hat es nicht schon erlebt? Dinge geschehen, die man einerseits als einen Zufall, andererseits aber auch als von unsichtbarer Hand in unserem Sinne gelenkt, ansehen kann. Dinge wie:
- Jemand segelt ohne feste Routenplanung vor Stockholm und denkt an seine erste Segelyacht, beim abendlichen Ankern hat man seine alte Yacht „zufällig“ als Liegeplatz-Nachbar – zwischen 24.000 Schären und 200.000 anderen Booten vor Schwedens Hauptstadt.
- Ein Anderer Zeitgenosse schickt Fotos und einen Artikel zu einem Verlag. Der Artikel wird nicht veröffentlicht und man fordert die Fotos zurück. Jahre später hat man die Fotos „zufällig“ wieder in Händen; drei Tage später meldet sich der Verlag: Man wolle den Artikel nun doch drucken und ob es die Fotos noch gäbe?
Die Theorie der Synchronität
Der 2009 verstorbene schwedische Autor Jan Cederquist hat diese und 29 weitere solcher Erlebnisse in seinem Buch „Die Magie des Zufalls“ gesammelt; teilweise entstammen sie eigenem Erleben, teilweise haben sie Freunde von ihm berichtet. Er glaubte dabei nicht mehr an Zufälle und kam so zur vom schweizer Psychologen Carl Gustav Jung (1875-1961) entwickelten Theorie der Synchronizität. Ereignisse sind demnach nicht über Kausalbeziehungen verknüpft, sondern folgen als Manifestation einer vorhergehenden Idee oder Emotion.
Für Cederquist gibt es ebenfalls keine simplen Kausalbeziehungen, da es oft Wirkung ohne erkennbare Ursache gibt. Jedes Ereignis habe meist mehrere Gründe, für die es wiederum mehrere Gründe gäbe – somit entsteht ein Gewirr von Ursache und Wirkung ohne Anfangs- und Endpunkte, in dem alles auf alles Einfluß nimmt und voneinander abhängt.
Philosophie, Spiritualität und Synchronizität
Sein persönliches Interesse an Philosophie und Spiritualität zeigt sich in seinen Betrachtungen zur Evolution: Es muß seiner Meinung nach Absicht dahinter stehen, daß Atome sich zu einem so komplexen Gebilde wie einem Menschen zusammengefügt haben. Für ihn ist die Wahrscheinlichkeit, daß sich aus toter Materie über einen Blitzschlag Leben entwickelt und später Philosophen hervorbringt, zu gering; Charles Darwins Theorie kann also nur ein Teil der Lehre sein.
Wie konnte Materie lebendig werden und wie konnte sie ein lenkendes Bewußtsein erschaffen? Vielleicht ist der Mensch kein Körper mit einem Bewußtsein, sondern ein Bewußtsein, daß sich einen Körper ausgebildet hat? Gibt es also eine zusätzliche Sphäre von Energie und Information (von ihm als „Feld“ bezeichnet), eine Art kosmische Intelligenz – die man auch Gott nennen kann? Rührt von daher die Tendenz des Menschen, an höhere Instanzen zu glauben? Sind Erleuchtungen und Visionen eine direkte Verbindung zu dieser übergeordneten Ebene?
Fragen, auf die er natürlich keine überprüfbare Antwort hat, die aber trotzdem interessant sind gefragt zu werden...
Die Synchronizität sieht er als unbewußtes Wechselspiel mit einem solchen übergeordneten „oben“, nicht als mathematisch-statistisch nachvollziehbares Vorkommnis. Für die Zukunft hofft er auf ein Ende der Differenzen zwischen und eine neue Synthese aus Religion und Wissenschaft.
Die Magie des Zufalls - eine Kritik
Das Werk liest sich flüssig und ist in angenehme 48 kleine Kapitel gegliedert. Es ist interessant, sich mit Cederquists philosophischen Gedankengängen zu beschäftigen, die man natürlich nicht alle teilen muß. Manches erscheint sehr spekulativ, mit dem Wunsch „es möge so sein“ als Vater des Gedankens – aber vielleicht macht ja gerade das den Reiz der Theorie der Synchronizitäten aus.
Zur Unterstützung des eigenen Gedankengebäudes weitere Theorien und Experimente anzuführen, ist vollkommen legitim; jedoch sollte man dazu nicht auf äußerst umstrittene zurückgreifen: Das „Projekt globales Bewußtsein“, demzufolge es bei das Bewußtsein vieler Menschen einnehmenden Ereignissen aufgrund der Verbindung von Geist und Materie messbare Ausschläge auf geeigneten Instrumenten gibt, wird wegen seinen Verfahren und Versuchsparametern kritisiert!
Der britische Biologe Rupert Sheldrake, der Bewußtsein als Energiefeld und die Energiefelder aller Menschen als formgebend in der Natur ansieht, wird weitgehend von der Wissenschaft ignoriert – obwohl einige Quantenphysiker ernsthafte Untersuchungen zu seiner Theorie fordern. In diesem Wissenschaftszweig hat man festgestellt, daß sich Elementarteilchen unabhängig von der Entfernung zueinander synchron verhalten können – es besteht eine eventuelle Verbindung über Raum und Zeit hinweg. Diese von Cederquist ebenfalls erwähnte Quantenverschränkung fügt sich nachvollziehbar und logisch in seine Theorien ein.
Das Buch
Jan Cederquist - „Die Magie des Zufalls“
Kailash Verlag 2010
285 Seiten, gebunden, 17,95 Euro
ISBN 978-3-424-63023-7
