
- Auftritt im Hinterhalt: Horst Biewald - Andrea Weber
Vom Grooven spricht man dann, wenn eine Musik die Gefühle weckt. Der Gitarrist Horst Biewald vom Chiemsee hat den hohen Anspruch mit seinen Liedern, genau das zu erzielen. Sein Debütalbum nennt er darum „boarisch groove“ und ist sich sicher, dass er mit seiner Akustikgitarre auch bei den Zuhörern ankommt. „Weil es meine Musik ist“, singt er im Titelsong als Begründung. Und damit meint der Musiker den Funk, den Country, Jazz und ein bisschen mehr noch den Reggae.
Horst Biewalds Debüt-CD „boarisch groove“: Augen zu und lauschen
Nun, was der Musiker verspricht, hält er auch tatsächlich. Seine Songs strahlen eine feinfühlige Stimmung aus. Die neue CD ist ein musikalisches Produkt aus der Kategorie: Zurücklehnen, Augen schließen und dem Gesang lauschen. Biewalds überwiegend bairische Texte sind humorvoll und nachdenklich zugleich, handeln vom Reggae-Festival, vom Abhauen in den Süden, vom Loslassen können. Der Musiker spielt mit seiner Stimme. Mal macht er den bizarren Ton einer mit Dämpfer gespielten Trompete nach, ein anderes Mal jodelt er rücksichtslos in den Reggae-Sound hinein und das klingt ganz und gar nicht albern.
Biewald ist ein exzellenter Gitarrist, der eine weiche Harmonie aus den Saiten seiner Akustikgitarre herausholt und anspruchsvoll improvisieren kann. Er hat sich zwei erstklassige Musiker dazu geholt: Markus Straßer und Thomas Blietz begleiten ihn auf Bass und Gitarre und im Gesang. Sie bringen eigentümliche Rhythmuselemente auf Percussions ein. Im Song „Natural High“ beginnt Blietz mit dem hauchenden Rohrton einer Shakuhachi zu spielen. Der Klang dieser Bambusflöte trägt einen schließlich weg aus Bayern, weit in die Ferne, manch einen vielleicht hinüber bis nach Feuerland. Ein schwermütiges Gefühl von Sehnsucht kommt auf. Ja, Biewalds pures Unplugged-Debüt groovt wirklich.
Die CD „boarisch groove“ ist im Handel oder über Horst Biewald erhältlich.
Pop-Gstanzln zum Po-Wackeln von der Band „zwaostoa“
In ihrem „Gstanzl Sound-System“ mischen die fünf Musiker der Band „zwaostoa“, aus dem Münchner Umland, ohne zu zögern Rock, Pop, Reggae mit Weltmusik und streuen elektronische Elemente ein. Das Ergebnis ist eine Klang-Melange, die ins Zeitgeschehen passt. Ein widerspenstiger Sound, gerne ironisch gewürzt und immer mit einem unterschwellig provozierenden Tonfall gemixt. Die Spannung in der Musik bleibt jedenfalls vom ersten Augenblick bis zum Ende der Scheibe und dafür sorgen auch die vogelwilden Geschichten, die „da Wiggerl“ in seinen Texten beschreibt. Ludwig Wiedenmann trommelt und singt die modernen Gstanzl im urig-bairischen Dialekt.
Texte als Reflexion der Realität
In den Liedtexten von „zwoastoa“ versteckt sich die Realität hinter gekonnt inszeniertem Nonsens. So wie im Song „Heasdas?“ kommt der Wunsch nach mehr Akzeptanz unter den Menschen heraus. Darin feiern Christen mit Moslems und Hippies mit Biker und die Synonyme im Gstanzl-Dialekt der Musiker klingen dann so: „Jesus-Freak“ und „Moslembruada“, „Zozenbene“ und „Freibierlädschn“. In dem Song setzt Axel Stoßberger mit Tastenklang und Querflöte und Harry Gröber an der Gitarre markante Eckpunkte zwischen den phrasenlosen Aufzählungsgesang von Wiedenmann.
Mit Thorsten Bergmühl am Schlagzeug und Bassist Thomas Braun sind die „zwoa zu fünft“, so heißt auch der Titel ihrer neuen CD, die das Münsinger Label „BSC Music“ produzierte. Die Band gehört zur Mundart Ageh, eine Musikervereinigung, die sich gegen die Verdummung in der volkstümlichen Musik zur Wehr setzt. Wer unter den zwölf Songs ruhige Balladen sucht, wird enttäuscht. Mit viel Groove im Sound und ordentlich „aufgstanzlt“ hat die Band nur eines im Sinn: „Sie wollen die Hintern zum Wackeln bringen.“
Die CD „zwoa zu fünft“ ist auf der Internetseite von Zwoastoa erhältlich.
